Politik

Kein strahlender Sieger Achtungserfolg für Weil

DI10420_20130120.jpg224739439701772253.jpg

Stephan Weil lächelt und hofft.

(Foto: dapd)

Zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale ist noch unklar, wer künftig Ministerpräsident in Niedersachsen sein wird. Dennoch ist die Wahl ein kleiner Erfolg für den Spitzenkandidaten der SPD, Stephan Weil. Und falls es am Ende nicht reichen sollte, hat Altkanzler Schröder Trost parat

Stephan Weil übt sich in Zweckoptimismus: "Es war ein toller Wahlkampf", konstatiert der SPD-Spitzenkandidat, nachdem sich die leichten Zugewinne für die Sozialdemokraten abzeichnen, die ersten Hochrechnungen zufolge auf 32 bis 33 Prozent kommt. Doch der Hannoveraner Oberbürgermeister ist alles andere als der strahlende Sieger des Wahlabends. Denn hatte es Umfragen zufolge lange Zeit nach einem klaren Sieg für Rot-Grün ausgesehen, ist die Wahl am Sonntag schließlich denkbar knapp ausgefallen.

Der eher spröde wirkende Kommunalpolitiker ist oft unterschätzt worden, im Wahlkampf hat er die Not zur Tugend gemacht. Er präsentierte sich ganz bewusst als Außenseiter im üblichen Politikbetrieb und Mensch von Nebenan. Den knappen Wahlausgang, der zunächst keinen klaren Wahlsieger erkennen lässt, muss er sich allerdings nicht anlasten lassen. Unumwunden gibt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu, dass er eine "gewisse Mitverantwortung" für den knapp verfehlten Sieg trage. Steinbrücks Patzer um hohe Honorare, das Kanzlergehalt und Aufsichtsratsposten dürften der SPD im Nordwesten Stimmen gekostet haben.

Um Kante zu zeigen, scheute der 54-jährige Weil im Wahlkampf den Konflikt mit der SPD-Bundesspitze nicht. Anders als der Parteichef Sigmar Gabriel lehnte er es etwa strikt ab, dass Gorleben als Standort im Rahmen der geplante neuen Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll weiter im Spiel bleibt. Weil versuchte, durch klare Festlegungen zu überzeugen, wo McAllister jeden Konflikt vermied.

Der Jurist Weil, verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes, hat aber auch einiges gemein mit seinem Konkurrenten, Ministerpräsident David McAllister (CDU). So wie dieser seine Schützenfestleidenschaft vermarktet, so macht es Weil mit dem Fußballerstligisten Hannover 96. Er pilgert zu jedem Heimspiel, meidet dabei die VIP-Lounges wie der Teufel das Weihwasser und schwärmt ansonsten von guten Freunden, die er am liebsten bei Matjes und Bratkartoffeln in einer der vielen Kneipen von Hannover trifft: "Das ist genau die Umgebung, in der ich mich wohl fühle."

Im Gespräch im kleinen Kreis punktet Weil mit Fröhlichkeit. Er selbst beschreibt sich mit der Vokabel unprätentiös, eine Eigenschaft, die aber auch als Mangel an Ausstrahlung in den großen Sälen ausgelegt werden könnte. Die Landeshauptstadt Hannover regiert er mit einer rot-grünen Koalition, genau dieses Bündnis strebte er auch auf Landesebene an.

Mit dem Thema Bevölkerungsschwund suchte sich der SPD-Kandidat einen im Flächenland Niedersachsen besonders drängenden, aber auch besonders sperrigen Wahlkampf-Schwerpunkt aus. Der frühere Stadtkämmerer versuchte dabei, aus Daten Szenarien zu machen. Er hatte bei seinen Auftritten immer die konkreten Zahlen dabei und konnte referieren, ob ein Ort noch wächst oder mit besonders dramatischen Rückgängen wird leben müssen. Sich selbst nennt er einen Realo und Pragmatiker: "Ich will gestalten, das ist harte Arbeit."

Angesichts des unklaren Wahlausgangs macht Weil am frühen Sonntagabend deutlich, dass er nicht als der große Verlierer vom Platz gehen will. Und er gibt sich demonstrativ gelassen. "Ich persönlich bin immer von einem knappen Wahlsieg ausgegangen", versichert er. Altkanzler Gerhard Schröder bescheinigt ihm einen guten Wahlkampf. Über das Wahlergebnis der SPD sagt er, es sei "ein Erfolg, egal wie's jetzt ausgeht".

Quelle: ntv.de, hvo/AFP