Politik

Blutvergießen auf allen Seiten Ägypten beklagt Dutzende Todesopfer

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Ein Polizist feuert auf demonstrierende Muslimbrüder.

REUTERS

Die Gewalt in Ägypten eskaliert. Zum Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften. Die Polizei feuert mit Schrot, Tränengas und scharfer Munition. Die Bilanz ist verheerend.

Gewalt und Gegengewalt: Einen Tag nach den blutigen Zusammenstößen in Ägypten haben mutmaßliche Extremisten 18 Soldaten und Polizisten getötet. Bei Zusammenstößen zwischen demonstrierenden Islamisten und Sicherheitskräften hatte es Sonntag mindestens 50 Tote gegeben. Mindestens 45 Opfer waren allein in Kairo zu verzeichnen, sagte ein Beamter des ägyptischen Gesundheitsministeriums. Zum 40. Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs mit Israel hatten die verfeindeten politischen Lager ihre Anhänger mobilisiert.

Außerhalb Kairos seien Sonntag mindestens fünf weitere Menschen getötet worden, sagte der Ministeriumsbeamte. Landesweit wurden demnach mindestens 268 Menschen verletzt. Die meisten der Opfer seien an Schusswunden gestorben.

Anhänger des ägyptischen Militärs demonstrierten auf dem Kairoer Tahrir-Platz, um an den israelisch-arabischen Krieg im Jahr 1973 zu erinnern. Als Anhänger des vom Militär gestürzten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi versuchten, ebenfalls auf den zentralen Platz zu drängen, kam es zu Zusammenstößen. Die Polizei feuerte mit Schrot, Tränengas und Gummigeschossen, später auch Salven aus Schnellfeuerwaffen, um die Anhänger Mursis zurückzudrängen.

Dutzende Festnahmen

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Die meisten Menschen starben an Schussverletzungen.

(Foto: AP)

Nach Angaben des Innenministeriums wurden in Kairo 423 Menschen festgenommen. Ihnen werde Vandalismus und Schusswaffeneinsatz vorgeworfen, hieß es. Innenminister Mohammed Ibrahim hatte die Islamisten am Nachmittag vor "Gewalt und Gesetzesverstößen" gewarnt. Notfalls werde mit aller Härte gegen die Anhänger der Muslimbruderschaft vorgegangen. Bereits am Freitag hatte es in mehreren Städten gewalttätige Auseinandersetzungen mit insgesamt vier Toten gegeben.

Der ägyptische Ministerpräsident Hasem Beblawi rief die Ägypter zur Einheit auf: "Die Ägypter sollten zusammenstehen und vertrauensvoll und zuversichtlich in die Zukunft sehen", sagte er in einer Fernsehansprache.

Die Islamisten riefen unterdessen für die neue Woche zu weiteren Protesten auf. Vor allem Studenten sollten am Dienstag "gegen die andauernden Massaker" demonstrieren. Die vom Militär eingesetzte Regierung sei voll verantwortlich "für all das Blut von Ägyptern, das vergossen wird", hieß es in einer Erklärung der Allianz gegen den Umsturz.

Der aus den Reihen der Muslimbrüder stammende Mursi war am 3. Juli vom Militär entmachtet worden. Am 14. August räumten Polizei und Streitkräfte Protestlager der Muslimbrüder in Kairo mit Gewalt. Anschließend wurde nahezu die gesamte Führungsriege der Muslimbruderschaft verhaftet. Bei tagelangen Ausschreitungen wurden mehr als tausend Menschen getötet.

Mansur warnt Demonstranten

Am 6. Oktober wird in Ägypten der Angriff auf die israelischen Truppen 1973 gefeiert. Ein Sprecher des Übergangspräsidenten Adli Mansur, sprach vor Beginn der Feierlichkeiten eine Warnung an die Islamisten aus: "Wer an diesem Jahrestag gegen die Armee demonstriert, handelt im Sinne ausländischer Agenten und nicht als Aktivist."

Auch am Samstag war es in dem nordafrikanischen Land erneut zu Gewalt gekommen: Bei einem Feuergefecht zwischen Soldaten und Aufständischen wurden nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Mena vier Menschen erschossen. Bewaffnete hatten laut Bericht einen Armeeposten auf einer Verbindungsstraße zwischen Kairo und der Suezkanal-Stadt Ismailia attackiert. Die Angreifer seien getötet, in ihrem Fahrzeug Sturmgewehre gefunden worden. Am Vortag hatten Unbekannte in derselben Gegend zwei Soldaten erschossen.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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