Politik

Salafisten verweigern erneut die Zustimmung Ägypten bleibt ohne Regierung

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Kampfjets vollführen über dem Tahrir-Platz Kunststückchen - und demonstrieren so die Nähe von Mursi-Gegnern und Militär.

(Foto: dpa)

Nachdem Ägyptens Übergangspräsident Mansur Oppositionschef ElBaradei nicht zum Premier machen konnte, scheitert er nun auch mit einem Wirtschaftsjuristen. Erneut stellen sich die Salafisten gegen Mansurs Kandidaten. Derweil gehen Anhänger und Gegner des gestürzten Präsidenten Mursi auf die Straße.

In Ägypten ist Interimspräsident Adli Mansur erneut mit der Bildung einer Übergangsregierung gescheitert. Nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabija sprach sich die ultra-konservative Nur-Partei auch gegen den neuen Favoriten für den Posten des Regierungschefs aus.

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Auch Mursis Gegner machen mobil.

(Foto: dpa)

Zuvor hatte ein Sprecher des Präsidenten den Sozialdemokraten Siad Bahaa al-Din ins Gespräch gebracht. Der Wirtschaftsjurist sagte jedoch, es gebe noch keine offizielle oder endgültige Entscheidung. Al-Din war Chef der ägyptischen Investment-Behörde unter Ex-Präsident Hosni Mubarak. Er war zurückgetreten, bevor Mubarak gestürzt wurde. Der liberale Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei sollte demnach stellvertretender Regierungschef werden.

Bereits in einem ersten Versuch hatte der Verfassungsgerichts-Präsident Mansur am Samstag versucht, ElBaradei als Interims-Ministerpräsidenten zu benennen. Dieser Plan scheiterte jedoch an der islamistischen Nur-Partei, die mit den Muslimbrüdern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi rivalisiert. Die Salafisten fordern für das Amt eine politische neutrale Persönlichkeit. Der bisherige Präsident Mohammed Mursi war nach einem Jahr im Amt am Mittwoch von den Streitkräften abgesetzt worden.

Helikopter und Kampfjets

Derweil demonstrierten in der Hauptstadt Kairo erneut Zehntausende Anhänger wie auch Gegner Mursis. Die Islamisten, die Mursi unterstützen, versammelten sich mehrheitlich vor einer Moschee im Außenbezirk Nasr City. Andere zogen vor das Verteidigungsministerium oder blockierten die Ausfallstraße zum Flughafen.

Gegner Mursis strömten unterdessen in großer Zahl auf dem Tahrir-Platz im Zentrum zusammen. Über der Innenstadt Kairos kreisten fast ununterbrochen Helikopter, zeitweise flogen auch Kampfjets über den Tahrir-Platz. Das Spektakel sollte, wie schon in den vergangenen Tagen, die Verbundenheit der Armee mit den Mursi-Gegnern zum Ausdruck bringen. Die Opposition wirft Mursi vor, das Land islamisieren zu wollen und macht ihn für die Wirtschaftsprobleme verantwortlich.

Die Kundgebungen verliefen größtenteils friedlich. Dagegen gab es Verletzte bei Zusammenstößen von Mursi-Gegnern und Anhängern des gestürzten Präsidenten im Nil-Delta. Laut der Zeitung "Al-Ahram" setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein, um die verfeindeten Gruppen zu trennen. Am Freitag und in der Nacht auf Samstag waren bei Ausschreitungen und Zusammenstößen der verfeindeten Lager 36 Menschen getötet und über 1000 weitere verletzt worden.

Soldat auf dem Sinai getötet

Bei einem erneuten Angriff auf ägyptische Sicherheitskräfte auf dem Sinai wurde unterdessen ein Soldat getötet. Bewaffnete Angreifer hätten in der Nähe von Al-Arich eine Straßensperre der Armee angegriffen und dabei den Soldaten getötet, sagte ein Sicherheitsvertreter. In Al-Arich hatten am Freitagabend Islamisten den Sitz des Gouverneurs von Nord-Sinai gestürmt. Zudem wurden am Freitag auf dem Sinai fünf Polizisten von bewaffneten Angreifern getötet.

Zu den Angriffen bekannte sich bisher niemand. Die Lage in der an den Gazastreifen und Israel angrenzenden Region ist seit dem Sturz Mubaraks Anfang 2011 instabil. Die Beduinen, die die Mehrheit der Bevölkerung ausmachen, liegen im Streit mit der Zentralregierung. Außerdem wird das Gebiet von gewaltbereiten Islamisten als Stützpunkt genutzt, um Angriffe auf Israel zu verüben.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa/AFP