Politik

Tote bei Sturm auf Gefängnis Ägyptische Armee greift ein

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Freude über die Urteile: Anhänger des Fußballklub Al-Ahly.

(Foto: AP)

Ein Gericht in Kairo verurteilt 21 Angeklagte wegen Ausschreitungen zum Tode - daraufhin versucht ein Mob, die Betroffenen zu befreien. Mindestens 22 Menschen sterben. Präsident Mursi macht seine Ankündigung des harten Durchgreifens wahr und schickt die Armee nach Port Said.

Nach den Todesurteilen wegen der blutigen Fußballkrawalle in Port Said sind in der Hafenstadt im Nordosten Ägyptens mindestens 22 Menschen bei Ausschreitungen getötet worden. Das gab das Gesundheitsministerium bekannt. Zu den Krawallen kam es nach Angaben von Sicherheitskreisen, nachdem Angehörige der 21 zum Tode Verurteilten versuchten, das Gefängnis von Port Said zu stürmen. Später stürmten Protestierende zwei Polizeiwachen.

Mehr als 200 Menschen wurden bei den Ausschreitungen nach Berichten des Staatsfernsehens verletzt. Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena berichtete, die Armee sei nach Port Said entsandt worden, um die Lage unter Kontrolle zu bringen. Ein Gericht in Kairo hatte zuvor 21 Angeklagte wegen der blutigen Fußballkrawalle vom vergangenen Februar zum Tode verurteilt. Gegen weitere 52 Angeklagte sollen die Urteile am 9. März fallen.

Vor einem Jahr waren nach einem Spiel in der Stadt Port Said Fans der Vereine Al-Ahli und Al-Masri aufeinander losgegangen. Es gab 74 Tote. Bei anschließenden Straßenkämpfen wurden weitere 16 Menschen getötet. Alle Spiele der Fußball-Liga wurden seitdem ausgesetzt. Die Liga soll am 1. Februar aber wieder starten. Es war die schlimmste Tragödie in der Fußballgeschichte des Landes. Als Ultras bekannte Fußballfans hatten in den vergangenen Wochen mehrfach gewaltsam für eine hohe Bestrafung der Täter demonstriert. Für 52 weitere Angeklagte fällt ein Urteil am 9. März.

Mursi mahnt, Militär marschiert

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Mehrere Menschen starben bei den Protesten.

(Foto: REUTERS)

Zuvor hatte Präsident Mohammed Mursi nach heftigen Ausschreitungen mit mehreren Toten und hunderten Verletzten am zweiten Jahrestag der ägyptischen Revolution zu Ruhe aufgerufen und die Gewalt verurteilt. Sie verderbe den zivilisierten Charakter der Revolution, schrieb Mursi in mehreren Mitteilungen über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Ich fordere alle Bürger auf, ihre Meinung im Sinne der noblen Prinzipien der ägyptischen Revolution friedlich und frei auszudrücken."

Der islamistische Staatschef kündigte ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter an. "Die ägyptischen Behörden werden die Kriminellen jagen und sie vor Gericht bringen", versprach er. Außerdem werde alles getan, "um friedliche Demonstrationen zu sichern und zu schützen". Zugleich drückte Mursi den Opfern der Gewalt sein Mitgefühl aus.

In Suez marschierte am frühen Morgen nach schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten die Armee auf. Der Sicherheitschef von Suez, Adel Refaat, sagte im Staatsfernsehen, er habe das Militär um Verstärkung gebeten. Die Unterstützung sei erforderlich, bis "diese schwierige Zeit" vorüber sei.

"Gerechtigkeit oder Blut"

Wegen des Urteils in Kairo drohen nun neue gewaltsame Proteste. Anhänger des Klubs Al-Ahly hatten Ausschreitungen angekündigt, falls keine "gerechten Urteile" gefällt würden. Viele Fans warfen den Sicherheitskräften vor, die Katastrophe aus Rache angestachelt zu haben. "Hütet Euch vor unserem Zorn: Gerechtigkeit oder Blut", mahnten die Fans auf ihrer Facebook-Seite.

Die Anhänger spielten eine große Rolle bei der Revolte gegen den gestürzten ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak. Eine Parlamentsuntersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Randale, die zu den Toden nach dem Fußballspiel kam, nicht von Anhängern des damals regierenden Militärrats geschürt wurde. Verantwortlich waren demnach die Fans selber, sowie mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen.

Quelle: n-tv.de, rpe/wne/dpa/rts/AFP

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