Politik

Zugereister ohne Glück Ahlhaus erlebt ein Debakel

Gekämpft hat er um Zustimmung, vor allem im direkten Gespräch mit den Hamburgern. Doch der bisherige Bürgermeister Ahlhaus beschert der CDU das schlechteste Ergebnis überhaupt. Viele sahen ihn dem Zugereisten von Anfang an eine Übergangslösung. Immerhin hat er nun mehr Zeit für das Privatleben.

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"Herbe Niederlage": Ahlhaus nach dem Wahldebakel.

(Foto: dpa)

Christoph Ahlhaus hat im Hamburger Wahlkampf um jede Stimme gekämpft, doch es hat nichts geholfen: Mit gerademal rund 20 Prozent erzielte die CDU in der Hansestadt ihr bislang schlechtestes Ergebnis überhaupt. Eine "herbe Niederlage", wie der bisherige Bürgermeister einräumte musste. "Diese Stunde ist für die Hamburger CDU schmerzhaft, sie reißt uns in eine Stunde der Ratlosigkeit."

In den vergangenen Tagen klapperte der 41-jährige Spitzenkandidat der CDU unermüdlich Einkaufszentren und Wochenmärkte ab. Der aus Heidelberg stammende Jurist gilt als umgänglich und offen, der direkte Kontakt liegt ihm. Dass Ahlhaus seine Partei nach dem Bruch der schwarz-grünen Koalition in der Hansestadt allerdings zum Sieg führen könnte, glaubte an der Elbe schon lange keiner mehr. Zu abgeschlagen lag die CDU in Umfragen, zu unglücklich agierte der Bürgermeister in der politischen Auseinandersetzung. So gelang es ihm nicht, aus dem Schatten seines Vorgängers und Parteikollegen Ole von Beust herauszutreten.

"Ältester 40-Jähriger der Stadt"

Im Duell mit seinem SPD-Herausforderer Olaf Scholz, dem großen Wahlsieger, machte der gelernte Bankkaufmann, Jurist und Verwaltungsfachmann Ahlhaus keine gute Figur. Als der frühere CDU-Landesgeschäftsführer und spätere Innensenator nach dem Rückzug von Beusts aus dem Bürgermeisteramt im vergangenen August plötzlich die Geschäfte an der Senatsspitze übernahm, galt der "Zugewanderte" in der traditionsbewussten Hansestadt bei vielen von Anfang an eher als Übergangslösung.

Davon unbeirrt startete der als provinziell und konservativ geltende Ahlhaus eine Imageoffensive. Der massige Senator - wegen seines wenig jugendhaften Aussehens zu diesem Zeitpunkt in der Presse gern als "ältester 40-Jähriger der Stadt" bespöttelt - ließ sich in einer Kneipe im linksalternativen Schanzenviertel interviewen und posierte mit seiner Gattin Simone für eine Illustrierte.

Die skeptischen Mitglieder der Hamburger Grünen (GAL) umwarb der frühere Innensenator nach dem Beust-Abgang bei einem Besuch so erfolgreich, dass viele danach regelrecht von der erfrischenden Selbstironie des neuen Bürgermeisters schwärmten. Die schwarz-grüne Koalition rettete Ahlhaus damit zunächst. Ahlhaus könne ja unterhaltsam und witzig sein, bemerkten viele Hamburger etwas überrascht.

Mehr Zeit im Privatleben

Im Wahlkampf versuchte er zudem, diese persönlichen Stärken auszuspielen und im direkten Wählergespräch auf den Straßen und Plätzen der Stadt zu punkten. Das allein aber reichte in Hamburg, wo hanseatisch-kühle Distanz seit jeher auch Bürgermeister auszeichnet, nicht - zumal Ahlhaus an anderen Fronten nach Auffassung vieler eher ungeschickt agierte.

Das galt vor allem im Wahlkampf in den Medien. Bei einem TV-Duell mit SPD-Kontrahent Scholz - selbst als wenig charismatisch verschrien - wirkte Ahlhaus vor einigen Wochen überraschend hölzern.

Und als dem CDU-Bürgermeister kürzlich in einem Interview der Satz entglitt, er würde sich freuen, wenn er "im neuen Jahr mehr Zeit im Privatleben verbringen würde", reagierte die SPD auf diese Steilvorlage prompt. Sie bedruckte Postkarten mit dem Zitat - ergänzt nur um den hämischen Zusatz: "Wünsche erfüllen. Am 20. Februar SPD wählen." Die Rechnung der Sozialdemokraten ging auf, denn nach ihrem Wahlsieg muss Christoph Ahlhaus den Chefsessel im Hamburger Rathaus räumen.

Quelle: n-tv.de, Sebastian Bronst, AFP

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