Politik

Anschlagsziel war wohl Berlin Al-Bakr wollte sich offenbar freikaufen

Bei seiner Flucht taucht Dschaber al-Bakr bei zwei Syrern in Leipzig unter. Als diese erkennen, wem sie Unterschlupf gewähren, überwältigen sie den mutmaßlichen Terroristen. Bevor die Polizei anrückt, versucht er offenbar, seine Freiheit zu erkaufen.

Nach seiner Überwältigung durch andere syrische Flüchtlinge in Leipzig soll der mutmaßliche IS-Terrorist Dschaber al-Bakr versucht haben, sich freizukaufen. "Er hat versucht, uns mit Geld zu bestechen", sagte Mohammed A. gegenüber RTL. Der junge syrische Flüchtling hatte den gesuchten Terrorverdächtigen dem Bericht zufolge mit in seine Wohnung im Leipziger Stadtteil Paunsdorf genommen, nachdem dieser ihn am Hauptbahnhof angesprochen und nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt habe.

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Die Füße des überwältigten Syrers sind mit dem Kabel einer Steckdose gefesselt.

(Foto: Privat)

Erst in der Wohnung sei ihm der Polizei-Fahndungsaufruf bei Facebook aufgefallen, hieß es. Daraufhin habe er Freunde informiert und die Polizei verständigt. Die "Bild"-Zeitung will erfahren haben, dass al-Bakr seinen Landsleuten 1000 Euro und 200 Dollar geboten hat.

"Wir haben ihm gesagt, du kannst uns so viel Geld geben wie du willst, wir lassen dich nicht frei", sagte Mohammed A. "Dann haben wir ein Stromkabel geholt und ihn gefesselt." Sein Anruf bei der Polizei sei zunächst aufgrund von Verständigungsproblemen erfolglos geblieben, schilderte der Syrer weiter. Daraufhin sei er mit einem Foto von Al-Bakr zu einem Polizeirevier gefahren.

Missglückter Zugriff in Chemnitz

Das Foto zeigt, wie einer der Flüchtlinge den Gesuchten auf einem Sofa im Schwitzkasten hält. Die Füße Al-Bakrs sind mit dem Kabel einer Verteilersteckdose gefesselt. Schließlich habe die Polizei den Terrorverdächtigen in Paunsdorf abgeholt. "Ich war total wütend auf ihn. So etwas akzeptiere ich nicht - gerade hier in Deutschland, dem Land, das uns die Türen geöffnet hat", sagte Mohammed A.

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte dem Syrer für den Hinweis, der zur Festnahme geführt hat. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich lobte ihn als "mutigen und verantwortungsbewussten" Mitbürger.

Die Fahndung nach Al-Bakr hatte die Sicherheitsbehörden nach einem missglückten Zugriff am Samstagmorgen in Chemnitz das ganze Wochenende in Atem gehalten. Nach einem Hinweis des Bundesamtes für Verfassungsschutz sollte ein Spezialeinsatzkommando den Verdächtigen in einer Wohnung im Chemnitzer Stadtteil Kappel festnehmen. Al-Bakr war laut Michaelis seit Mitte September vom Verfassungsschutz beobachtet worden. In der Nacht zu Montag wurde er in einer Wohnung im Nordosten von Leipzig festgenommen.

Wegen der besonderen Bedeutung des Falles hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Er wird der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verdächtigt. Nach Verkündung des Haftbefehls durch einen Amtsrichter in Dresden befindet er sich Al-Bakr nun in Untersuchungshaft.

Erster Hinweis kam Anfang September

Erkenntnissen des Verfassungsschutzes zufolge wollte Al-Bakr einen Flughafen in Berlin attackieren. "Wir hatten Hinweise - nachrichtendienstliche Hinweise -, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich dies mit Blick auf Flughäfen in Berlin", sagte Behördenchef Hans-Georg Maaßen der ARD.

Demnach bekam der Verfassungsschutz Anfang September einen Hinweis, dass der IS in Deutschland einen Terroranschlag gegen Infrastruktur plant. "Wir haben (...) bis Donnerstag letzter Woche gebraucht, um herauszufinden, wer dafür in Deutschland verantwortlich ist", so Maaßen. Dann sei der Verfassungsschutz in der Lage gewesen, die gesuchte Person zu identifizieren.

Nach Angaben von Maaßen habe sofort eine "Rund-um-die-Uhr-Observation" begonnen; als der Verdächtige tags darauf in einem Ein-Euro-Shop Heißkleber kauft, sei der Zugriff angeordnet worden. "Wir gingen davon aus: Das kann im Grunde genommen die letzte Chemikalie sein, die für ihn notwendig war, um eine Bombe herzustellen", erklärte Maaßen. In der Chemnitzer Wohnung, in der sich Al-Bakr aufgehalten haben soll, fanden die Ermittler 1,5 Kilogramm Sprengstoff.

Quelle: ntv.de, cri/dpa