Politik

"Frühjahrsoffensive" in Kabul abgewehrt Alle Angreifer getötet

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Mindestens 19 Angreifer sollen getötet worden sein.

(Foto: AP)

Nach dem kalten afghanischen Winter stellen die Taliban ihre Schlagkraft unter Beweis und attackieren Einrichtungen von Militär, Regierung und ausländischen Behörden - darunter auch die deutsche Botschaft - in Kabul und Umgebung. Der Angriff von fast zwei Dutzend Selbstmordattentätern kann mit Unterstützung der Nato schnell abgewehrt werden.

Rund 18 Stunden nach Beginn einer Talibanoffensive sind die Kämpfe in Kabul zu Ende. "Alle Terroristen sind getötet worden. Wir haben die Lage jetzt unter unserer Kontrolle", sagte der Polizeichef der afghanischen Hauptstadt, General Ayoub Salangi. Jetzt werde noch nach übriggebliebenen Bomben und Granaten gesucht. Die Angreifer hätten während ihrer Offensive auch 35 Geiseln genommen, die von Sicherheitskräften befreit worden seien. Nur eine Frau sei leicht verletzt worden, erklärte Salangi.

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Nato-Soldaten beim Einsatz in Kabul.

(Foto: AP)

Die Nacht über und bis in den Morgen hinein waren Schüsse und Explosionen in der Nähe des Parlaments zu hören, berichteten Augenzeugen. Die Taliban hatten am Sonntagnachmittag an drei Stellen in Kabul und in drei afghanischen Städten ihre Frühjahrsoffensive begonnen. Es seien insgesamt 47 Menschen getötet worden. Die meisten seien Aufständische gewesen. Innenminister Bismillah Mohammadi sagte, die Toten seien 36 Taliban-Kämpfer, acht Angehörige der Sicherheitskräfte und drei Zivilisten. 40 Angehörige der Sicherheitskräfte und 25 Zivilisten seien verletzt worden.

Die Sicherheitskräfte waren mit Nato-Luftunterstützung gegen die Rebellen vorgegangen, die sich in zwei Gebäuden im Diplomatenviertel verschanzt hielten, wie ein Polizeioffizier sagte. Die Taliban hatten unter anderem das Parlament sowie die Botschaften Deutschlands und der USA attackiert. Alle Taliban seien getötet worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums Sedik Sedikki. Die Kämpfe im Stadtviertel Wasir Akbar Chan seien beendet.

Fast 29 Selbstmordattentäter im Einsatz

Die Taliban bekannten sich zu den Attacken vom Sonntag. Unter den Getöteten sollen sich 19 Selbstmordattentäter befunden haben.  Die Taliban hatten selbst vom "Beginn der Frühjahrsoffensive" gesprochen. Die Islamisten wollten unter Beweis stellen, dass sie kampffähig seien. In den kalten afghanischen Wintern ziehen sie sich regelmäßig zurück und intensivieren ihre Angriffe auf die Regierung und die Nato-Truppe Isaf im Frühling wieder.

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Bei den Kämpfen im Kabuler Regierungsviertel, unweit der deutschen Botschaft.

(Foto: dpa)

Von den Angriffen im Diplomatenviertel von Kabul war auch die deutsche Botschaft betroffen, wie Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) in Berlin bestätigte. Er verurteilte die Attacken "in aller Schärfe" und sagte, es gebe "kleinere Sachschäden" auf dem Botschaftsgelände, jedoch keine Verletzten. Die Botschaftsmitarbeiter befänden sich "an einem sicheren Ort".

Auch in der Nähe der US-Botschaft waren Explosionen und Schüsse zu hören. Die US-Vertretung teilte ebenso wie die britische Botschaft später mit, alle Mitarbeiter seien unverletzt in Sicherheit gebracht worden. Mehrere Kämpfer versuchten nach Behördenangaben zudem, das Parlament in Kabul zu stürmen, wurden aber von Sicherheitskräften überwältigt.

Ein Mitarbeiter von Präsident Hamid Karsai sagte, dieser sei ebenfalls in Sicherheit gebracht worden. Aus Geheimdienstkreisen hieß es, zwei mit Sprengstoff bewaffnete Männer und ein weiterer Angreifer hätten das Haus vom Mohammed Karim Chalili, einem Stellvertreter Karsais, im Visier gehabt, seien aber gefasst worden.

Auch andere Orte attackiert

Südlich von Kabul stürmten Selbstmordattentäter nach Behördenangaben Gebäude der Regierung und eine US-Basis. Im Osten Afghanistans sprengten sich demnach zwei Selbstmordattentäter am Flughafen der Stadt Dschalalabad, wo auch die NATO vertreten ist, in die Luft. Zwei weitere Angreifer seien verletzt festgenommen worden. In der östlichen Stadt Gardes griffen Kämpfer ein Polizeilager an.

Ein ISAF-Sprecher sagte, afghanische Sicherheitskräfte hätten die Einsätze geleitet. US-Botschafter Ryan Crocker lobte diese als "sehr professionell". Westerwelle sagte, die Ereignisse zeigten, dass die Lage weiter schwierig sei. "Die Terroristen" dürften jedoch "nicht obsiegen". In Afghanistan sind noch etwa 130.000 ISAF-Soldaten stationiert, die bis zum Jahr 2014 abziehen sollen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verurteilte die Angriffsserie "auf das Schärfste". Die EU versichere der afghanischen Regierung auch weiterhin ihrer Unterstützung in dem Bemühen, "Stabilität und Demokratie in Afghanistan zu festigen". Die US-Regierung nannte die Attacken "feige".

Quelle: ntv.de, AFP

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