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Hungerkatastrophe in Ostafrika Alle sechs Minuten stirbt ein Kind

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Ein Kind im kenianischen Lager Dadaab.

(Foto: AP)

Die Lage in den ostafrikanischen Flüchtlingslagern ist erschreckend. Nach UN-Angaben stirbt alle sechs Minuten ein Kind. Augenzeugen berichten, dass manche Kinder zu schwach wären, um Essen zu schlucken. Tausende Somalier erreichen täglich die Flüchtlingslager, die ständig ausgebaut werden müssen. Die EU erhöht derweil ihre Hilfszusagen.

Neue Schreckensmeldung aus der Hungerkrise in Afrika: In manchen Gebieten Somalias stirbt in diesen Tagen alle sechs Minuten ein Kind. Diese Schätzung gab das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen bekannt. Der Flüchtlingsstrom hungernder Somalier in die Camps in Äthiopien und Kenia reißt nicht ab.

Noch immer kämen "Hunderte, wenn nicht sogar Tausende" täglich im kenianischen Dadaab an, sagte Unicef-Mitarbeiter Christopher Tidey. Mit fast 400.000 Menschen ist es das größte Flüchtlingslager der Welt. Tidey besuchte in Dadaab eine Klinik für schwer unterernährte Kinder. "Viele von ihnen sind so schwach, dass sie nicht einmal mehr die Kraft haben, Essen herunterzuschlucken und deshalb intravenös ernährt werden müssen", sagte er. "Ich habe einen dreijährigen Jungen gesehen, Aden, der nur fünf Kilo wog."

Neues Hilfslager wird eingerichtet

Unterdessen wird in der äthiopischen Region Dolo Ado an einem vierten Flüchtlingslager gearbeitet. Es solle weiteren 60.000 Hungernden Platz bieten, nachdem die ersten drei Camps mittlerweile ihre Kapazität erreicht hätten, teilte das UN-Flüchtlingskomittee (UNHCR) mit. "Es wird erwartet, dass die ersten Flüchtlinge bereits in der nächsten Woche vom Transitzentrum in das neue Lager Hilaweyn umziehen können", hieß es.

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Der Dürre fallen neben den Menschen auch viele wertvolle Nutztiere zum Opfer.

(Foto: AP)

Allein in der vergangenen Woche seien mehr als 7000 Zelte sowie Haushaltsutensilien wie Decken und Kochtöpfe für 50.000 Menschen nach Dolo Ado gebracht worden. Weitere 3000 Zelte würden kommende Woche erwartet, erklärte das UNHCR.

Ein Journalist des arabischen Senders Al Dschasira berichtete vor Ort, dass die Helfer täglich tonnenweise Reis kochen und 200 Ziegen schlachten würden. "Das reicht zwar bei weitem nicht aus, ist aber immer noch mehr, als die Menschen in ihrem Heimatland Somalia bekommen würden", sagte er. Neben Somalia sind Äthiopien, Kenia, Dschibuti und Uganda von der Dürre- und Hungerkatastrophe betroffen.

EU-Kommissarin besucht Kenia

Die Europäische Union stockt derweil ihre Millionenhilfen für hungernde Menschen am Horn von Afrika auf. EU-Kommissarin Kristalina Georgieva sagte zu Beginn ihrer Keniareise zu, dass die Brüsseler Kommission weitere 88 Millionen Euro für die Linderung der Not in dem Katastrophengebiet bereitstellen werde. Damit steigen die Hilfeleistungen der Kommission für die Region auf fast 160 Millionen Euro.

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Ein Kind wird im Lager Dadaab in Kenia versorgt.

(Foto: AP)

"Die Krise am Horn von Afrika hat ein bislang ungekanntes Ausmaß angenommen und erfordert daher Hilfe in einem noch nie erreichten Umfang", sagte Georgieva. In diesem Jahr hat die Behörde der Region bereits 70 Millionen Euro bereitgestellt. Georgieva wollte das Flüchtlingslager Dadaab besuchen und dort Familien treffen, die Somalia verlassen mussten. Die Kommissarin werde außerdem Vertreter kenianischer Behörden treffen und mehrere EU-Projekte besuchen, hieß es.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Bedarf an Hilfsgeldern allein für Somalia auf insgesamt 1,6 Milliarden Dollar (1,13 Milliarden Euro) beziffert. Verzögerungen bei den Hilfen würden noch mehr Hungertote zur Folge haben, sagte er in einem Appell an die internationale Gemeinschaft, mehr Gelder zur Verfügung zu stellen. Allerdings hatte die islamistische Shebab-Miliz in Somalia am Freitag erklärt, ausländische Hilfsorganisationen dürften in den von ihr kontrollierten Gebieten weiterhin nicht arbeiten.

 

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Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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