Politik

Antiterror-Aktion in München "Ansar al-Islam" im Visier

Die Islamisten-Gruppe "Ansar al-Islam" steht nach Angaben von Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) schon seit längerem unter Beobachtung. Beckstein sagte in München, die Gruppierung sei im Verfassungsschutzbericht für 2002 dargestellt. Generalbundesanwalt Kay Nehm prüft derzeit eine Übernahme der Ermittlungen.

Ein mutmaßlicher Anführer einer Zelle der islamistischen Terrorgruppe Ansar el Islam ist in München verhaftet worden. Es seien Wohnungen durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden, sagte Oberstaatsanwalt August Stern am Donnerstag auf Anfrage.

Der 29-jährige Iraker war bereits am Dienstag am Münchner Hauptbahnhof festgenommen worden, als er sich offenbar gerade absetzen wollte. Am Mittwoch erging Haftbefehl. Einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge handelt es sich um den Anführer einer Münchner Zelle von Ansar el Islam. Er soll in den vergangenen Monaten die Reise von bis zu einem Dutzend Menschen in den Irak organisiert haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden ihm gewerbs- und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern und damit Verstoß gegen das Ausländergesetz vorgeworfen. Bei den eingeschleusten Personen habe es sich um Iraker gehandelt, sagte Oberstaatsanwalt Stern. Zum Zeitpunkt der Wohnungsdurchsuchungen und zur Art des sichergestellten Materials äußerte sich Stern nicht.

Ein weiterer Tatverdächtiger konnte nicht festgenommen werden, möglicherweise ist er untergetaucht. Bereits seit März sitzt der Zeitung zufolge ein anderes Mitglied der Terrorzelle, genannt "Doktor Omet", in Untersuchungshaft. Der Mann soll ebenfalls in Schleusungen verwickelt gewesen sein, wie Stern bestätigte.

Bundeskriminalamts-Präsident Ulrich Kersten sieht bestätigt, dass Islamisten auch in Deutschland eine Gefahr darstellen. "Wir haben eine ernsthafte Bedrohung auch in diesem Land", sagte er in Wiesbaden. Die bisherigen Festnahmen bedeuteten nicht, dass alle Islamisten entdeckt seien. Es gebe Netze mit Verbindungen untereinander und ins Ausland. Sie seien nicht alle von El Kaida gesteuert, stünden aber vermehrt unter deren ideologischem Dach.

Innenminister Beckstein bekräftigte, dass weiter von einer hohen "abstrakten Gefährdungslage" auch in Bayern auszugehen sei. Es lägen aber keine Hinweise auf irgendwelche konkreten geplanten Terroranschläge vor.

Unklar ist noch, ob die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernimmt. Die Karlsruher Ermittler stehen mit der Münchner Staatsanwaltschaft in Kontakt. "Wir prüfen, ob sich Ansatzpunkte für unsere Verfolgungskompetenz ergeben", sagte eine Sprecherin in Karlsruhe. Nach dem Gesetz ist der Generalbundesanwalt für Ermittlungen gegen terroristische Vereinigungen zuständig.

Ansar el Islam gilt als eine der gefährlichsten Terrorgruppen, die vom Nordirak aus gegen die Amerikaner agieren. In Deutschland halten sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes etwa hundert Anhänger dieser Gruppe auf, 20 leben in Bayern.

Quelle: ntv.de