Politik

"Tag des Zorns" im Libanon Armee fährt Panzer auf

Das Attentat auf den Geheimdienstchef des Libanon, Al-Hassan, gefährdet den brüchigen Frieden im Libanon. Am Rande der Trauerfeier kommt es zu Ausschreitungen, Hunderte Demonstranten versuchen, den Sitz der pro-syrischen Regierung zu stürmen. Die Armee rückt an, Schüsse fallen.

Am Rande der offiziellen Trauerfeier für den libanesischen Geheimdienstchef Wissam al-Hassan haben sich Tausende Demonstranten zum "Tag des Zorns" am zentralen Märtyrer-Platz in Beirut versammelt. Es kam zu heftigen Ausschreitungen mit Anhängern der anti-syrischen Zukunftsbewegung. Al-Hassan, der durch seine Ermittlungen den Zorn Syriens auf sich  gezogen hatte, war bei einem Anschlag am Freitag getötet worden.

2012-10-21T150859Z_01_LBN101_RTRMDNP_3_LEBANON-EXPLOSION.JPG4111215175202163934.jpg

Demonstranten werden von Tränengas vertrieben.

(Foto: REUTERS)

Die Polizei setzte Tränengas ein, als nach Angaben von Augenzeugen Hunderte Demonstranten versuchten, den nahe gelegenen Sitz der pro-syrischen Regierung zu stürmen. Dabei gab es mehrere Verletzte. Die Armee rückte an, um das Regierungsgebäude abzusichern. Schüsse waren zu hören. Auch Panzer fuhren vor.

Bei der Explosion einer Autobombe im christlichen Viertel Aschrafijeh waren am Freitag acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag dem Geheimdienstchef, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung nahestand. Viele sehen die Verantwortlichen für den Anschlag daher in Damaskus. Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht - dominiert von der schiitischen Hisbollah.

Särge durch Straßen getragen

37rs0103.jpg5004955602675020028.jpg

Al-Hassan wird neben Ex-Ministerpräsident Hariri beerdigt.

(Foto: dpa)

Die mit den Flaggen des Zedernstaates umhüllten Särge mit den Leichen von Geheimdienstchef Al-Hassan und seinem bei dem Anschlag ebenfalls umgekommenen Leibwächter wurden durch die Straßen von Beirut getragen. An der Trauerfeier nahmen auch der libanesische Präsident Michel Suleiman und Regierungschef Nadschib Mikati teil. Die Frau und die Kinder Al-Hassans waren aus Frankreich angereist.

Al-Hassans Grab wird neben dem von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri sein, der 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getötet worden war. Al-Hassan hatte Rafik Hariri als Sicherheitschef gedient. Wie bei Al-Hassan wurde auch bei Hariri über eine Beteiligung Syriens an dem Attentat spekuliert. Beweise dafür gab es bislang jedoch nicht.

Ban telefoniert mit Präsident

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte bei Telefonaten mit Präsident Suleiman und Regierungschef Mikati der Regierung in Beirut seine Unterstützung zu. Er äußerte die Hoffnung, dass sich der Libanon nicht von "regionalen Ereignissen" - damit ist der Bürgerkrieg im benachbartren Syrien gemeint - beeinflussen lasse, wie ein Sprecher Bans am Samstag in New York mitteilte.

Mikati hatte Suleiman am Vortag seinen Rücktritt angeboten. Der Präsident bat ihn allerdings, vorerst im Amt zu bleiben. Der Ministerpräsident argumentierte: "Wir wollen kein Machtvakuum im Libanon." Die Opposition, die für Sonntag zu einem "Tag des Zorns" aufrief, besteht aber auf einem Rückzug der Regierung.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief die Libanesen zur Besonnenheit auf. "Es muss alles getan werden, damit der syrische Bürgerkrieg nicht auf den Libanon übergreift", erklärte ein Außenamtssprecher in Berlin. Der französische Außenminister Laurent Fabius zeigte sich nach Angaben des Senders Europe 1 überzeugt, dass Syriens Präsident Baschar al-Assad versuche, den Konflikt in die Nachbarländer zu tragen, in die Türkei und den Libanon.

Der multireligiöse Libanon ist tief zerstritten zwischen Anhängern und Gegnern Assads. Viele Schiiten unterstützen den ihrer Konfession nahestehenden Alawiten Assad, die meisten Sunniten stehen auf der Seite seiner Gegner. Schon vor dem Anschlag vom Freitag hatten sich in Tripoli Sunniten und Alawiten Kämpfe geliefert. Tausende Syrer sind vor der Gewalt in der Heimat in das Nachbarland Libanon geflohen.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa/rts

Mehr zum Thema