Politik

Völkermord im Ersten Weltkrieg Armenier lehnen Erdogans Beileid ab

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Gemeinsame Gedenkveranstaltung von Türken und Armeniern in Istanbul. Die beiden Staaten tun sich mit einer einvernehmlichen Aufarbeitung indes schwer.

(Foto: dpa)

Die Verbrechen an den Armeniern vor 99 Jahren "unmenschlich" zu nennen, reicht der Regierung in Eriwan nicht. Solange der türkische Regierungschef nicht von Völkermord spreche, setze er das Verbrechen nur fort. Manche Istanbuler sind da schon weiter.

Armenien weist die Beileids-Erklärung der Türkei zum Völkermord an den Armeniern zurück. Ankara bleibe bei seiner Politik der "völligen Leugnung" des Genozids, kritisierte der armenische Präsident Sersch Sarkissjan. In seiner Erklärung zum Jahrestag betonte Sarkissjan in der armenischen Hauptstadt Eriwan, die Leugnung eines Verbrechens bedeute dessen Fortsetzung. Nur die Anerkennung und die Verurteilung des Genozids könne eine Wiederholung verhindern. Armenien, mehr als 20 andere Länder und viele Historiker stufen die Verbrechen als Völkermord ein, was die Türkei zurückweist.

Dagegen begrüßte das armenische Patriarchat in der Türkei die Erklärung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der als erster türkischer Spitzenpolitiker von den "unmenschlichen Folgen" der Vertreibung der Armenier gesprochen hatte. Die Führung der armenisch-orthodoxen Kirche in der Türkei wolle Erdogans Beileidserklärung annehmen. Der Ministerpräsident habe mit seiner Erklärung eine neue Seite im türkisch-armenischen Verhältnis aufgeschlagen.

Menschenrechtsaktivisten in Istanbul erinnerten an den Beginn der Massaker vor genau 99 Jahren. Am Istanbuler Bahnhof Haydarpasa kamen mehrere Dutzend Türken und Armenier zu einer Gedenkveranstaltung zusammen. Mit der Deportation von Armeniern begann dort am 24. April 1915 die Vertreibung der Volksgruppe. Bei Massakern und Todesmärschen starben bis zu 1,5 Millionen Menschen. Mehrere türkische Verbände, die sich in einer "Plattform zum Gedenken an den armenischen Völkermord" zusammenschlossen, forderten die Anerkennung des Genozids durch die Türkei.

Die Kurdenpartei BDP rief den türkischen Staat zu einer offiziellen Entschuldigung bei den Armeniern auf. Die offene Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte sei ein Garant dafür, dass sich Ähnliches nicht noch einmal wiederhole. Die Nationalistenpartei MHP warf Erdogan hingegen vor, mit seiner Stellungnahme gegen die Interessen des Landes gehandelt zu haben. Es habe keinen Völkermord gegeben.

Quelle: n-tv.de, nsc/AFP

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