Politik

Gefährdung im Osten rückläufig Armutsrisiko in Westdeutschland steigt

84083346.jpg

Die Armutsgefährdungsquote misst den Bevölkerungsanteil, der aufgrund seines Einkommens mit dem Risiko leben muss, in Armut abzurutschen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Immer mehr Menschen leben in Deutschland an der Armutsgrenze. Während in den neuen Bundesländern die Quote sinkt, steigt sie in Westdeutschland an. Am schlechtesten schneidet Bremen ab. Dort ist fast jeder Vierte von Armut bedroht.

Trotz der zuletzt guten Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt sind im Westen Deutschlands heute deutlich mehr Menschen von Armut bedroht als vor zehn Jahren. Im Osten hingegen verläuft die Entwicklung - mit Ausnahme von Berlin - genau andersherum, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das bundesweit höchste Armutsrisiko wies zuletzt Bremen auf, gefolgt von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

2015 galten in den alten Bundesländern 14,7 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet, das waren 1,5 Prozentpunkte mehr als 2005. Außer Hamburg lagen alle westdeutschen Länder über dem Niveau des Jahres 2005. Die gesamtdeutsche Quote lag 2015 bei 15,7 Prozent. Am stärksten erhöhte sich das Armutsrisiko demnach in Nordrhein-Westfalen und zwar um 3,1 Punkte auf 17,5 Prozent. In Berlin (plus 2,7 Punkte) und Bremen (plus 2,5 Punkte) war der Anstieg des Armutsrisikos ebenfalls überdurchschnittlich.

Niveau deutlich höher als im Westen

Die sogenannte Armutsgefährdungsquote misst den Anteil der Bevölkerung, der aufgrund seiner Einkommenssituation mit dem Risiko leben muss, in Armut abzurutschen. Die offizielle Grenze liegt bei 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens der vergleichbaren Gesamtbevölkerung.Für einen Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag der Schwellenwert 2014 nach Angaben des Statistischen Bundesamts bei Einkünften von 2072 Euro im Monat. Für allein lebende Erwachsene waren es 986 Euro pro Monat.

Im Osten sank den Angaben zufolge der Anteil der von Armut bedrohten Menschen binnen zehn Jahren mit Ausnahme Berlins von 20,4 auf 19,7 Prozent. Damit lag das Niveau in den neuen Ländern aber immer noch deutlich höher als im Westen. Am stärksten war der Rückgang um jeweils 2,4 Prozentpunkte in Brandenburg, wo die Armutsgefährdungsquote im vergangenen Jahr bei 16,8 Prozent lag und in Mecklenburg-Vorpommern mit 21,7 Prozent. In Sachsen-Anhalt verringerte sich der Anteil um 2,3 Prozentpunkte auf 20,1 Prozent.

Am wenigsten armutsgefährdet ist Bayern

Das bundesweit höchste Armutsrisiko wies im Jahr 2015 Bremen mit 24,8 Prozent auf, gefolgt von Berlin mit 22,4 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 21,7 Prozent. Am wenigsten armutsgefährdet waren die Menschen in Bayern mit 11,6 Prozent, Baden-Württemberg mit 11,8 Prozent und Hessen mit 14,4 Prozent.

Nach einer Auswertung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ist das Armutsrisiko in Deutschland insgesamt zwischen 2014 und 2015 nur für Menschen mit Migrationshintergrund gestiegen. Die Armutsquote für Menschen ohne Migrationshintergrund sei in diesem Zeitraum konstant geblieben, hieß es in einer veröffentlichten Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung.

Quelle: ntv.de, jki/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen