Politik

Gefechte im libyschen Grenzgebiet Artillerie beschießt Tunesien

In Libyen gehen die Kämpfe um den Grenzort Dehiba weiter. Dabei schlagen Artilleriegeschosse auch wieder auf tunesischem Boden ein. Die dortige Bevölkerung bittet die Regierung um Hilfe. Truppen Gaddafis zerstören zudem die Benzinvorräte der Rebellen in Misrata.

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Aufständische patrouillieren auf einer Straße bei Bengasi.

(Foto: AP)

An der Grenze zwischen Libyen und Tunesien ist es erneut zu Gefechten gekommen. Streitkräfte des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi feuerten Artilleriegeschosse auf Tunesien ab. Mindestens vier seien in dem Nachbarland eingeschlagen, berichteten Anwohner.

Die Gefechte in der Grenzregion haben zuletzt deutlich zugenommen. Im Mittelpunkt steht der tunesische Grenzort Dehiba, wo sich libysche Rebellen verschanzt haben. Die Aufständischen kämpfen darum, die Kontrolle über den nahe gelegenen Grenzübergang Dehiba-Wassin zu behalten. Mit Hilfe des Übergangs können sie den Nachschub für ihre Truppen in den westlichen Bergregionen sichern.

Anwohner von Dehiba riefen die tunesische Regierung um Hilfe an. Tunesische Soldaten patrouillierten durch die Grenzstadt, nachdem die Kämpfe wieder begonnen hatten. Schulen in der Grenzregion wurden evakuiert. Mehr als 30.000 Libyer sind bereits aus der Bergregion südlich von Tripolis nach Tunesien geflüchtet.

Benzinvorräte in Misrata in Flammen

Nach Aussagen von Aufständischen zerstörten Gaddafis Truppen bei einem Luftangriff mehrere Öltanks in der Rebellenstadt Misrata. Die Soldaten hätten in der Nacht Bomben aus kleinen Flugzeugen auf die Tanks abgeworfen, sagte Rebellensprecher Ahmed Hassan. Die Maschinen würden normalerweise zum Versprühen von Pestiziden genutzt. Die Rebellen haben Hassan zufolge die NATO von dem Angriff informiert. Die Militärallianz habe darauf jedoch nicht reagiert. Der Angriff stellt eine Verletzung des Flugverbots dar, das im März vom Weltsicherheitsrat verhängt worden war.

"Vier Tanks wurden dabei ganz zerstört und ein riesiges Feuer ist ausgebrochen, das sich auf weitere vier Tanks ausgebreitet hat", sagte der Rebellensprecher weiter. Die Aufständischen könnten das Feuer nicht löschen, weil ihnen die Hilfsmittel fehlten. "Jetzt hat die Stadt ein großes Problem: Dies waren die einzigen Benzinvorräte für die Stadt." In den Tanks hätten Vorräte für drei Monate gelagert.

Strafgerichtshof entscheidet über Klage

Bundesaußenminister Guido Westerwelle lehnt derweil eine gezielte Tötung Gaddafis nach dem Vorbild des Terrorchefs Osama bin Laden ab. "Der Fall von Oberst Gaddafi ist von der UNO an den internationalen Strafgerichtshof überwiesen worden. Demnächst wird der Ankläger über einen Haftbefehl entscheiden. Das ist der richtige Weg", sagte Westerwelle der "Bild am Sonntag".

Er räumte aber ein, dass die EU im Fall von Sanktionen gegen Libyen zu zögerlich vorgegangen sei: "Die Beschlussfassung über die Sanktionen einschließlich eines Ölembargos hat zu lange gebraucht. Es ist gut, dass die EU bei Syrien jetzt sehr viel schneller Sanktionen beschlossen hat. Darauf haben wir gedrängt."

Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind unterdessen erneut hunderte Bootsflüchtlinge aus Libyen eingetroffen. Ein Boot mit 655 Menschen an Bord und ein weiteres mit 187 Insassen seien angekommen, teilte die Küstenwache mit. Unter den Insassen seien 101 Frauen und 22 Kinder gewesen. Das italienische Fernsehen zeigte ein verrostetes, überladenes Fischerboot, das an der Küste von Lampedusa anlegte.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa/AFP

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