Politik

China, Japan und Korea im Streit Asien befürchtet Kalten Krieg

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Eine der umstrittenen Inseln im Ostchinesischen Meer.

(Foto: dpa)

Es fröstelt zwischen China, Japan und Südkorea. Alle drei haben einen Führungswechsel hinter sich. Der Nationalismus wächst. Im Inselstreit zwischen China und Japan droht eine militärische Auseinandersetzung.

Steuert Asien auf einen neuen Kalten Krieg zu? Die Spannungen zwischen China und Japan wegen einer Inselgruppe im Ostchinesischen Meer nehmen zu. Erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges schicken beide Länder Kampfjets gegeneinander. Die Gefahr eines Zwischenfalls in dem umstrittenen Seegebiet wächst. Auch die Beziehungen zwischen Japan und Südkorea sind gespannt. Beide sind Verbündete der USA. In seinem Bemühen, durch stärkere Präsenz im Pazifik ein Gegengewicht zur aufstrebenden Militärmacht China aufzubauen, braucht Washington die Unterstützung durch Tokio und Soul. So droht den USA, in einen Konflikt mit China gezogen zu werden.

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Japans Premierminister Shinzo Abe (Mitte) will das Militär stärken.

(Foto: REUTERS)

In China, Japan und Südkorea wächst der Nationalismus. Je des der drei Länder durchläuft einen Führungswechsel. In China wurde mit Xi Jinping der Sohn eines früheren Kampfgenossen des Revolutionärs Mao Tsetung neuer Parteichef des Riesenreichs, das nach dem Rückzug der kommunistischen Ideologie durch Nationalismus zusammengehalten wird. Die Japaner wählten mit Shinzo Abe den Enkel eines Mitglieds des einstigen japanischen Kriegskabinetts zum neuen Ministerpräsidenten. Und Südkoreas Wähler machten mit Park Geun Hye die Tochter ihres früheren Diktators zur neuen Präsidentin.

Mit Chinas Aufrüstung wird es spannend

Park steht Abe zwar ideologisch näher, aber Seoul liegt mit Tokio auch in einem Territorialstreit. Japans neuer Regierungschef will auch die pazifistische Verfassung Japans revidieren, die Streitkräfte mobil machen und ihnen künftig Auslandseinsätze erlauben. Da China ebenfalls aufrüstet, drohen die Spannungen zuzunehmen. Mit seinen Patrouillen im Ostchinesischen Meer verändert China den Status quo. Die bisherige de facto-Kontrolle Japans über die chinesisch Diaoyu und japanisch Senkaku genannte Inselgruppe wird damit bewusst infrage gestellt. Der Ausbruch eines militärischen Konflikts mit Japan wird in Peking heute für wahrscheinlicher als je zuvor gehalten.

Vor diesem Hintergrund bereist Abe dieser Tage Vietnam, Thailand und Indonesien, wo es mit Blick auf das forscher auftretende China auch um einen Ausbau der Sicherheitskooperation geht. Dies könnte in China als weitere Provokation gesehen werden. Mit Seoul drohen Japan ebenfalls Reibereien. Mit seiner Verleugnung japanischer Verbrechen an koreanischen Zwangsprostituierten im Zweiten Weltkrieg provoziert Abe die Südkoreaner.

An der Oberfläche haben beide zu erkennen gegeben, sich um gute Beziehungen bemühen zu wollen. Doch haben Abes nationalistische Töne in der Vergangenheit schon Misstrauen in Seoul gesät. Wie sich die Beziehungen weiter entwickeln, hängt mit davon ab, ob Abe die Oberhauswahl im Sommer gewinnt. Zumindest bis dahin dürfte er sich mit nationalistischen Vorhaben züngeln, glauben Beobachter.

Washington drängt Tokio

Die USA drängen ihren Verbündeten Japan, seine Beziehungen mit Südkorea wie auch China zu verbessern. Mit Peking ringen die USA um strategischen Einfluss im Pazifik. China sieht in den Allianzen der USA mit Japan und Südkorea den Versuch einer Eindämmungspolitik, die in Peking als Fortsetzung des alten Kalten Krieges beschrieben wird. Ähnlich kritisch wird in Peking die Unterstützung der USA für die südostasiatischen Nachbarn gesehen, mit denen China auch um Inseln und Rohstoffvorkommen im Südchinesischen Meer streitet.

Doch an einer anderen Front ist Kooperation der Streithähne nötig: Die USA und ihre Alliierten wollen mit China und Russland das Regime in Nordkorea von seinem Atomprogramm abbringen, das mit dem Raketenprogramm als große Bedrohung für die Region gilt. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit den militärischen Zwischenfällen wie dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel im November 2010 schon lange sehr angespannt. Der Angriff verdeutlichte, wie schnell die Lunte am Pulverfass der geteilten Halbinsel glimmen kann. Die wachsenden Zwistigkeiten zwischen China, Japan, Südkorea und den USA verheißen nichts Gutes für die Bemühungen, der Gefahr durch das unberechenbare Nordkorea geschlossen zu begegnen.

Quelle: ntv.de, Von Andreas Landwehr, Lars Nicolaysen und Dirk Godder, dpa