Politik

Neuer Haftbefehl aus Schweden Assange chattet mit Lesern

Wikileaks-Gründer Assange dementiert, dass die Enthüllungen im Internet den Informanten schaden könnten. Niemand habe dafür einen Beleg. Wikileaks betrachte seine Informanten als Helden, antwortet Assange den Lesern von "Guardian"-Online. Derweil verschickt Schweden einen neuen Haftbefehl für Assange, der sich in Südengland versteckt halten soll.

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Assange soll sich in Südengland aufhalten.

(Foto: dpa)

Seit Tagen hält Julian Assange die Welt der Diplomatie mit seinen Enthüllungen in Atem - jetzt geht der mit Haftbefehl Gesuchte in die Offensive. Assange stellte such in der Online-Ausgabe der britischen Tageszeitung "Guardian" den Fragen der Leser. Allerdings ging der Server der Zeitung schon nach kurzer Zeit in die Knie. Der Ansturm der Interessenten war zu stark.

Assange wies die Vorwürfe zurück, dass die Enthüllungen im Internet Dissidenten oder Informanten schaden könnten. Niemand habe dafür bislang einen glaubwürdigen Beleg, sagte er auf Fragen von Lesern des "Guardian". Wikileaks betrachte seine Informanten als Helden, ohne deren Einsatz Journalisten unbedeutend wären, schrieb Assange von einem unbekannten Ort aus. Zu seiner eigenen Rolle erklärte er: "Auch wenn ich noch schreibe, recherchiere und untersuche, ist meine Rolle vor allem die eines Herausgebers und Chefredakteurs, der organisiert und andere Journalisten anleitet."

Ein Fragensteller wollte wissen, ob Assange in seine australische Heimat zurückkehren wolle. Der in Schweden sowie international wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung gesuchte Aktivist antwortete, dass er sein Land sehr vermisse. Er nehme aber an, dass Regierung und Behörden die USA aktiv unterstützen würden "bei ihren Angriffen auf mich selbst und unsere Leute".

Der Wikileaks-Gründer versteckt sich nach Presseberichten in Großbritannien. Die schwedische Justiz rechnet damit, dass er in Kürze gefasst wird. Der Vorwurf gegen den 39-jährigen Australier bezieht sich allerdings nicht auf dessen Weitergabe hochsensibler US- Diplomatendepeschen - die schwedische Justiz verfolgt ihn vielmehr wegen des Verdachts der Vergewaltigung.

Schweden verschickt neuen Haftbefehl

Die schwedische Justiz hat unterdessen einen neuen Haftbefehl für Assange an die Behörden in Großbritannien übermittelt. Die britische Polizei Scotland Yard hatte zuvor erklärt, dass man den in Schweden wegen Verdachts sexueller Vergehen gesuchten Assange wegen eines Formfehlers im ersten Haftbefehl nicht festnehmen könne. Die zuständige Oberstaatsanwältin Marianne Ny übermittelte das neue  Begehren an die zuständigen Stellen in London. Bislang hatte es sich lediglich um eine Mitteilung von Interpol gehandelt, nach der Mitgliedsstaaten die Bewegungen Assanges beobachten sollten. Interpol hatte den Fahndungsaufruf am Mittwoch veröffentlicht. Nach Angaben der Organisation reicht er in vielen Mitgliedstaaten für eine Festnahme.

Assange hatte über seinen Anwalt Mark Stephens angekündigt, dass er sich einer Auslieferung widersetzen will. Im August hatten zwei Schwedinnen den Australier beschuldigt, gegen ihren Willen ungeschützten Sex erzwungen zu haben. Assange weist die Vorwürfe zurück. Nach einem Bericht der britischen Zeitung "Independent" hält er sich in Südostengland auf und soll der Polizei seine Kontaktdaten gegeben haben.

Provider beenden Zusammenarbeit

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Wikileaks hatte die Amazon-Cloud genutzt.

(Foto: dpa)

Unterdessen hat Wikileaks weiter technische Probleme. Die für den Domainnamen wikileaks.org zuständige Firma EveryDNS.net kündigte nach eigener Mitteilung in der Nacht zum Freitag ihre Dienstleistungen für die Enthüllungswebseite. Grund seien die vielen Angriffe auf die Domain, die die gesamte Infrastruktur von EveryDNS gefährden könnten, erklärte das Unternehmen. Wikileaks sei einen Tag vorher informiert worden. Die Firma hatte sichergestellt, dass Anfragen von Internetnutzern an die Adresse wikileaks.org an entsprechende IP-Adressen im Internet weitergeleitet wurden. Wikileaks erklärte unterdessen in seinem offiziellen Twitter-Account, auf die Schweizer Domain wikileaks.ch umgezogen zu sein. Gibt man jetzt die Adresse in einen Browser ein, wird man auf eine IP-Adresse umgeleitet – also an eine Adresse, die nur aus Zahlen besteht.

Auch der Onlinehändler Amazon.com, der ebenfalls Serverplatz anbietet, hatte zuvor seine Zusammenarbeit mit Wikileaks eingestellt. Die Geschäftsbedingungen seien verletzt worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Ermittlungen gegen Wikileaks oder Angriffe aus dem Internet seien nicht die Gründe für den Schritt gewesen.

Mit der Veröffentlichung von Tausenden Geheimdokumenten hat sich Wikileaks den Zorn der US-Regierung auf sich gezogen. Das Justizministerium ermittelt. Der demokratische Abgeordnete Joe Lieberman forderte Unternehmen auf, Wikileaks wegen der Veröffentlichung zu boykottieren.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP/rts

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