Politik

Stoiber auf Wahlkampf Attacke gegen Beckstein

Als Edmund Stoiber am Mittwochabend ins Freisinger Festzelt einzieht, erklingt der Defiliermarsch. Fünf Nonnen begrüßen ihn, die Hallertauer Hopfenkönigin, der FC Bayern Fanclub "Gute Geister in Rot-Weiß", der Trachtenverein. Ein knappes Jahr nach seinem Abschied zieht der von seiner Partei gestürzte Pensionär Stoiber bei der bislang größten CSU-Wahlkampfkundgebung mehr Zuschauer an als jeder aktive CSU-Politiker. 4000 Menschen sind gekommen, um Stoiber zu feiern.

Gerade erst ist Stoibers Amtsnachfolger Günther Beckstein eine Bierzelt-Panne unterlaufen, weil er im Zusammenhang mit der Promillegrenze für Autofahrer auch zwei Maß Bier für verträglich erklärte - wenn genügend Stunden dazwischen liegen. Eigentlich soll Stoiber in Freising der CSU und Beckstein helfen. Doch auch mit Stoiber gehen die Pferde durch. Der nach seinem Sturz zum CSU- Ehrenvorsitzenden Beförderte attackiert die Schwesterpartei CDU - und verpasst Beckstein im Vorübergehen einen Kinnhaken.

Kein Frieden mit dem Nachfolger

Das Freisinger Bierzelt ist eines der größten Bayerns, und Stoiber hält eine Art Aschermittwochsrede wie einst zu seinen großen Zeiten in Passau. Eigentlich will er sich aus der Tagespolitik heraushalten. Er stehe als "Ehrenspielführer am Spielfeldrand". Der gute Vorsatz hält keine zehn Minuten, bevor Stoiber der CDU mangelndes konservatives Profil bescheinigt. "Der Konservatismus in diesem Land hat zu wenig Sprachrohre", klagt er. Die CDU sei "natürlich in der großen Koalition viel glatt gebügelter als ihr eigentlich gut tut". Das Publikum jubelt.

Und ebenso deutlich wird, dass Stoiber ein Jahr nach dem Abschied aus der Münchner Staatskanzlei seinen Frieden mit dem Nachfolger Beckstein nicht gemacht hat. Er wünsche sich, dass die CSU in Bayern selbstbewusst auftrete, und "nicht mit hängenden Schultern - na ja, 49 Prozent wären schon auch was", ruft er beschwörend. "Das ist nicht der Mythos CSU." Das ist eine kaum verborgene Attacke gegen Beckstein. Denn der hat erklärt, dass von einem Verlust der absoluten Mehrheit die Welt nicht untergehe. Obwohl Stoiber Beckstein nicht beim Namen nennt, wissen viele Zuschauer sofort, wer gemeint ist. Der Großteil des Publikums sind CSU-Anhänger und -Mitglieder.

Die tiefe Sehnsucht

Stoiber erfüllt, so scheint es, eine tiefe Sehnsucht seines Publikums. In anderen Festzelten tritt ein Kabarettist als Stoiber-Double auf. "Hier spricht das Original" ruft Stoiber. "Ois is echt." Er verkörpert Stolz - den "Stolz auf Bayern", den die CSU-Landesleitung in einem gleichnamigen und viel belachten Wahlkampflied beschwört. Unausgesprochen bleibt der zweite Halbsatz - dass seine Nachfolger Erwin Huber und Beckstein den weiß-blauen Stolz offensichtlich nicht repräsentieren.

Alte und neue CSU-Größen machen Stoiber ihre Aufwartung. Sein langjähriger Wirtschaftsminister Otto Wiesheu ist eigens für Stoiber in seinen alten Stimmkreis zurückgekehrt. Auch Kultusminister Siegfried Schneider ist gekommen, der Chef der Oberbayern CSU. Doch wäre Stoiber noch in Amt und Würden, würde er aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht derart gefeiert. Die hohen Zustimmungswerte seiner letzten Amtsmonate erreichte der Patriarch erst, nachdem er seinen Abschied angekündigt hatte. Doch das stört den Freisinger CSU-Ortsvorsitzenden Erich Irlstorfer nicht im mindesten. "Das ist die größte Wahlkampfkundgebung der CSU", sagt Irlstorfer gleich zu Beginn. "Wir haben es geschafft!".

Quelle: n-tv.de, Carsten Hoefer, dpa

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