Politik
Mittwoch, 20. November 2013

Viele Tote und Verletzte in Ägypten: Attentäter rast in Soldatenbus

In Kairo fliegen Schrotkugeln und Tränengas-Granaten. Im Norden des Sinai rammt wenige Stunden später ein Selbstmordattentäter sein Sprengstoffauto in einen Bus voller unbewaffneter Soldaten. Ägypten ist weit davon entfernt, ein friedliches Land zu werden.

Nur ein Krater und verbrannte Erde zeugen von dem Anschlag auf die Polizisten.
Nur ein Krater und verbrannte Erde zeugen von dem Anschlag auf die Polizisten.(Foto: AP)

Ein Selbstmordattentäter hat auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel zehn Soldaten mit in den Tod gerissen. Lokale Medien berichteten, 35 weitere Soldaten der Ordnungspolizei seien durch die Explosion zum Teil schwer verletzt worden. Ein Selbstmordattentäter hatte mit seinem Auto einen Bus gerammt, in dem insgesamt 45 Soldaten saßen. Dabei explodierte eine größere Menge TNT, die in seinem Fahrzeug deponiert war.

Die Rolle eines zweiten Autofahrers, der zur gleichen Zeit neben dem Bus aufgetaucht und dann plötzlich verschwunden war, ist noch unklar. Der Anschlag ereignete sich unweit der Ortschaft Scheich Suweid östlich der Provinzhauptstadt Al-Arisch. Die Soldaten waren auf dem Weg in die Ferien.

Der Nord-Sinai hat sich in den vergangenen zwei Jahren zu einem Rückzugsort für militante Islamisten entwickelt. Der Süden der Halbinsel, in dem die Urlaubsorte Scharm el Scheich und Nuwaiba liegen, gilt dagegen noch als relativ sicher.

Nach dem Anschlag ordnete die Armee die vorübergehende Unterbrechung aller Telefon- und Internetverbindungen im Nord-Sinai an. Auch das Mobilfunknetz wurde abgeschaltet. Zu dem Anschlag bekannte sich niemand.

Ein Toter und Dutzende Verletzte in Kairo

Wer auf die beiden jungen Männer geschossen hat, steht nicht zweifelsfrei fest.
Wer auf die beiden jungen Männer geschossen hat, steht nicht zweifelsfrei fest.(Foto: imago stock&people)

Erst am Vorabend war bei neuen Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern der ägyptischen Armee in der Hauptstadt mindestens ein Mensch getötet worden. Dabei handelt es sich um einen jungen Mann, dessen Identität noch nicht geklärt ist. Ein zweiter junger Mann schwebt noch in Lebensgefahr. Beide Männer sollen von Schrotkugeln am Kopf getroffen worden sein. Wer auf sie geschossen hat, ist noch unklar. Insgesamt zählten die Behörden 35 Verletzte, als sich die verfeindeten Gruppen auf dem zentralen Tahrir-Platz mit Steinen bewarfen.

Auf den Plakaten der Demonstranten stand der alte Slogan aus der Zeit der Proteste gegen Präsident Husni Mubarak 2011: "Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit!" Außerdem riefen die Aktivisten Parolen gegen den Armeechef, gegen die vom Militär entmachtete Muslimbruderschaft sowie gegen die "Überreste des alten Mubarak-Regimes". Die Polizei löste die Proteste mit gepanzerten Wagen und Tränengas auf.

Nach dem Sturz Mursis am 3. Juli gab es monatelang Straßenkämpfe zwischen dessen Anhängern und Gegnern. Dabei wurden nach Krankenhausquellen fast tausend Menschen getötet. Am vergangenen Wochenende bot Mursis Muslimbrüderschaft überraschend Verhandlungen über einen Ausweg aus der Krise an.

Quelle: n-tv.de