Politik

Textilarbeiter fordern mehr Lohn Ausschreitungen in Bangladesch

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Das derzeitige Demonstrationsverbot hält viele Arbeiter nicht davon ab, ihre Wut über die Arbeitsbedingungen auf die Straße zu tragen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Nach dem Gebäudeeinsturz mit mehr als tausend Toten fordern Arbeiter der Textilindustrie in Bangladesch vehement bessere Arbeitsbedingungen. Bei Protesten in der Hauptstadt Dhaka kommt es nun zu schweren Ausschreitungen. Die Polizei greift gewaltsam ein.

Bei Protesten der Arbeiter von Textilfabriken in Bangladesch ist es zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte nach eigenen Angaben Gummigeschosse und Tränengas gegen Arbeiter ein, als diese im Zuge einer Demonstration für höhere Löhne eine wichtige Autobahn in der Nähe der Hauptstadt Dhaka blockierten. Die Straße liegt im Industriegebiet Ashulia, in dem Hunderte Fabriken Textilien für westliche Handelsketten wie Walmart oder H&M fertigen.

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Die eingestürzte Textilfabrik in Sabhar nahe der Hauptstadt Dhaka.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Polizeichef von Ashulia, Badrul Alam, sagte, einige Demonstranten hätten Steine auf Polizisten geworfen und Polizeiwagen angegriffen. "Wir haben Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt, als sie gewalttätig wurden und eine Straße blockierten." An den Protesten hätten sich rund 20.000 Arbeiter beteiligt, sagte Alam. Der Chef der Industriepolizei von Ashulia, Mustafizur Rahman, sprach dagegen von rund 12.000 Teilnehmern. Laut dem Fernsehsender Ekattor wurden bei den Zusammenstößen rund 50 Menschen verletzt.

Die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiter in Bangladesch sind auch im Ausland stark in die Kritik geraten, nachdem beim Einsturz eines Fabrikgebäudes am 24. April mehr als 1100 Menschen getötet wurden. Es war das schlimmste Industrieunglück in der Geschichte Bangladeschs. Im vergangenen Jahr hatten bereits mehrere Brände in Textilfabriken eine Diskussion über die unzureichenden Sicherheitsstandards und die schlechten Arbeitsbedingungen in den Nähwerkstätten des südasiatischen Landes ausgelöst. Zahlreiche westliche Bekleidungsunternehmen unterzeichneten inzwischen ein Abkommen für mehr Gebäudesicherheit in den Produktionsstätten.

Regierung erlässt Demonstrationsverbot

Erst vor kurzem hatte die Regierung ein einmonatiges Verbot für politische Demonstrationen erlassen und dies mit Hilfseinsätzen nach dem Zyklon "Mahasen" begründet. "Es ist nicht möglich, fundamentale Rechte wie Versammlungsfreiheit zu garantieren, wenn das Land von einer Naturkatastrophe getroffen wurde", sagte der Minister für ländliche Entwicklung, Syed Ashraful Islam, am Sonntag in Dhaka. Der tropische Wirbelsturm hatte am Donnerstag mindestens 17 Menschen getötet und etwa 100.000 Hütten zerstört.

Die größte Oppositionspartei BNP bezeichnete die Maßnahme als undemokratisch. Bei Zusammenstößen von oppositionsfreundlichen Gruppen mit der Polizei waren in den vergangenen Monaten bereits mehr als 100 Menschen gestorben. Anfang Mai wurden weitere 30 Menschen getötet, als sich die Polizei Straßenschlachten mit zehntausenden Islamisten im Handelszentrum der Hauptstadt lieferte.

Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Textilhersteller weltweit, der Sektor ist der wichtigste Industriezweig in dem verarmten Land. Erst vergangene Woche hatten die Textilfabriken in Bangladesch, die nach dem Unglück geschlossen wurden, wieder ihre Arbeit aufgenommen.

Quelle: n-tv.de