Politik

Bundesweiter Anti-Terror-Kampf BKA vereitelte wohl neun Anschläge seit Amri

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Die deutschen Sicherheitsbehörden haben vor Weihnachten ein Lob von Innenminister Seehofer erhalten.

(Foto: REUTERS)

Vor drei Jahren tötet der islamistische Terrorist Amri mehrere Menschen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt. Seitdem seien bundesweit neun Anschläge verhindert worden, erklärt das BKA nun. Innenminister Seehofer fordert derweil mehr Befugnisse für Sicherheitsbehörden.

Seit dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz vor drei Jahren haben die deutschen Behörden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) neun islamistisch motivierte Anschläge in Deutschland verhindert. Die Zahl teilte das BKA auf Anfrage der "Welt am Sonntag" mit. Allein in diesem November seien zwei Anschläge abgewendet worden. Konkretere Angaben zu den Hintergründen machte das BKA in dem Bericht nicht.

Im November war in Offenbach ein 24 Jahre alter mutmaßlicher Islamist wegen möglicher Anschlagspläne im Rhein-Main-Gebiet festgenommen worden. Ein paar Tage später wurde in Berlin ein 37-jähriger Syrer festgenommen, der sich im Internet über den Bau von Bomben informiert und ausgetauscht haben soll. In beiden Fällen dauerten die Ermittlungen an, teilten die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und die Bundesanwaltschaft mit.

Der Leiter der neuen Abteilung "Islamistisch motivierter Terrorismus/Extremismus" im BKA, Sven Kurenbach, sieht dem Bericht zufolge einen möglichen Zusammenhang zwischen den vermehrten Terroraufrufen in der Szene und dem Tod des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi. Die USA hatten Ende Oktober seinen Tod bekanntgegeben. Danach sei "in radikalislamistischen Kreisen vermehrt zum Terror im Westen aufgerufen" worden, sagte Kurenbach. Als ein Beispiel für verhinderte Anschläge wurde in der Vergangenheit der sogenannte Rizin-Fall von Köln genannt.

Seehofer fordert mehr Befugnisse für Ermittler

Bundesinnenminister Horst Seehofer lobte zwar die "hervorragende Arbeit" der deutschen Sicherheitsbehörden, forderte zugleich aber weitere Befugnisse für Ermittler im Internet. "Wir haben die Sicherheitsbehörden in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestärkt. Jetzt müssen wir ihnen die notwendigen Befugnisse geben, um Terroristen auch online entdecken und dingfest machen zu können", sagte der CSU-Politiker der Zeitung.

Am 19. Dezember 2016 war der islamistische Terrorist Anis Amri mit einem gekaperten Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast. Der abgelehnte Asylbewerber aus Tunesien tötete zwölf Menschen. Dutzende Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Amri wurde später auf der Flucht in Italien erschossen. Mehrere parlamentarische Untersuchungsausschüsse versuchen seitdem, Fehler und Versäumnisse von Behörden aufzuarbeiten.

Gestern teilte das Bundesinnenministerium mit, dass die Polizei aktuell deutlich weniger Islamisten als Gefährder einstuft als noch im vergangenen Jahr. Demnach zählten die Behörden Anfang November im islamistischen Spektrum bundesweit 679 sogenannte Gefährder - im Juli 2018 hatte die Polizei noch 774 Personen entsprechend eingestuft.

Quelle: ntv.de, cri/dpa