Politik

"Bushi, Bushi" in Tirana Bad in der Menge

US-Präsident George W. Bush hat für die südserbische Krisenprovinz Kosovo ungeachtet der Einwände Russlands erneut die Unabhängigkeit gefordert. Auch bei einem Scheitern der diplomatischen Bemühungen um einen entsprechenden UN-Beschluss müsse am Ende die Selbstständigkeit des Kosovos stehen, sagte Bush in der albanischen Hauptstadt Tirana. Die Bevölkerung des Kosovos dürfe nicht weiter vertröstet werden: "Wir müssen vorankommen..., und am Ende muss die Unabhängigkeit stehen. Früher oder später muss man sagen, genug ist genug, das Kosovo ist unabhängig." Washington werde aber zunächst weiter um eine einvernehmliche Lösung mit Russland und anderen Länder ringen.

Der serbische Regierungschef Vojislav Kostunica bekräftigte hingegen seine Ablehnung einer Unabhängigkeit des Kosovos. "Kein Land darf durch den Entzug eines Teils seines Territoriums bestraft und erniedrigt werden", sagte Kostunica bei einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in St. Petersburg. Russlands Rückendeckung sei äußerst wichtig für Serbien. Putin sagte, er habe den Eindruck, dass der Westen die russischen Argumente verstehe. Russland hatte wiederholt erklärt, im Weltsicherheitsrat nur für eine Kosovo-Lösung zu stimmen, die auch von Belgrad begrüßt wird.

Bush hatte im Gegensatz dazu bei seinem Italienbesuch am Samstag erneut auf eine baldige Verabschiedung einer UN-Resolution über eine künftige Unabhängigkeit des Kosovos gedrungen. Er habe auch Verständnis für die Sorgen Serbiens, meinte Bush und bot Belgrad wirtschaftliche Hilfe und Zusammenarbeit mit den USA an.

Kostunica betonte, Serbien habe den Plan des UN-Vermittlers Martti Ahtisaari einer kontrollierten Unabhängigkeit des Kosovos endgültig abgelehnt. "Das Kosovo ist nicht nur in der Vergangenheit und heute Teil Serbiens, sondern wird es auch in der Zukunft sein." Eine mögliche Unabhängigkeit bedeutete, dass erstmals in der Geschichte einem UN-Mitglied 15 Prozent seines Territoriums entzogen würden. Belgrad werde entsprechende Maßnahmen ergreifen, sollten andere Länder das Kosovo einseitig anerkennen.

"Bushi, Bushi"

Albanien gehört zu den engsten Verbündeten der USA, seit der damalige US-Präsident Bill Clinton sich in der NATO dafür eingesetzt hat, die serbische Offensive gegen den Kosovo 1999 mit Luftangriffen zu stoppen.

In Tirana ist Bush nicht mit Protesten, sondern mit einem 21-schüssigen Salut empfangen. Die Stadt war mit US-Flaggen und großformatigen Porträts des US-Präsidenten geschmückt. Tausende Albaner bescherten Bush ein seit langem selten gewordenes Gefühl: In dem Örtchen Fushe Kruje jubelten ihm die Menschen begeistert zu und skandierten "Bushi, Bushi, Bushi". Hunderte von Händen streckten sich dem strahlenden und lachenden US-Präsidenten am Straßenrand entgegen. Bush ließ sich herzen und umarmen, ein Mann küsste ihm sogar die Hand. Eine ältere Frau nahm Bush heftig in die kräftigen Arme und wollte ihn kaum noch loslassen.

Den zahlreichen US-Sicherheitsbeamten, die Bush zuweilen kaum hautnah folgen konnten, war die Anspannung angesichts des Trubels deutlich anzusehen. Das präsidiale Bad in der Menge dauerte rund fünf Minuten. "So eine lange Reise für etwas Liebe", lästerte die Reporterin der "New York Times".

Erstmals beim Papst

Die achttägige Europareise Bushs war bisher vor allem von heftigen Protesten gegen den US-Präsidenten - so in Heiligendamm, Rom und Sofia - begleitet. Während die Proteste in Bulgarien am Samstag friedlich blieben, kam es in Rom zu Ausschreitungen. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter auch Polizisten.
Bush stattete außer Ministerpräsident Romano Prodi auch erstmals Papst Benedikt XVI. einen Besuch ab. Das römisch-katholische Kirchenoberhaupt drängte Bush zu einer Verhandlungslösung im Nahost-Konflikt, die die ganze Region einbezieht.

Bush in Sofia

Bush reiste am Sonntagabend nach Bulgarien weiter, der letzten Station seiner Europa-Reise. Zum Abschluss wird Bush am Montag in Sofia mit Staatspräsident Georgi Parwanow und Regierungschef Sergej Stanischew zusammentreffen. Dabei dürfte die Unterstützung der USA für die Freilassung der in Libyen zum Tode verurteilten fünf bulgarischen Krankenschwestern sowie die geplante US-Raketenabwehr in Mitteleuropa zu den Gesprächsthemen gehören. Das Balkanland ist Mitglied der "Koalition der Willigen" im Irak. Dies ist der zweite Besuch eines US-Präsidenten in Bulgarien nach Bill Clinton im Jahr 1999.

Quelle: ntv.de

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