Politik

Längere Akw-Laufzeiten erwogen Bayern prüft Aufschub des Atomausstiegs

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Die Laufzeit des Kernkraftwerks Isar 2 endet nach derzeitiger Rechtslage im Dezember. Die bayerische Landesregierung prüft die Verlängerung des Betriebs.

(Foto: imago images/Stefan M Prager)

Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger ist sich des Risikos durch Atomstrom durchaus bewusst - dennoch prüft er den Aufschub des Atomausstiegs zum Jahresende und sogar die erneute Inbetriebnahme eines abgeschalteten AKW. Sonst würde er lieber auf Kohle setzen - und auf mehr Windkraft mit anderen Abstandsregeln.

Ungeachtet ablehnender Äußerungen von Bundesregierung und AKW-Betreibern will die bayerische Landesregierung einen Aufschub des Atomausstiegs zum Jahresende sowie sogar die Wiederinbetriebnahme eines bereits abgeschalteten AKW prüfen. Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern kündigte dies in der "Augsburger Allgemeinen" an. Zugleich stellte er die umstrittene 10H-Abstandsregel für Windkraftanlagen in Bayern infrage, um den Ökostrom-Ausbau beschleunigen zu können.

Seine Überlegungen für einen späteren Atomausstieg bezog Aiwanger auf das AKW Isar 2, dessen Laufzeit nach geltender Rechtslage Ende Dezember endet. Mit Blick auf den Ende vergangenen Jahres abgeschalteten Block C des Atomkraftwerks Gundremmingen sagte der Landeswirtschaftsminister: "Wir prüfen parallel, ob es möglich ist, hier wieder Fahrt aufzunehmen."

"Die Kehrseite des Atomstroms ist das Thema Sicherheit"

Allerdings räumte er auch Bedenken ein: "Die Kehrseite des Atomstroms ist das Thema Sicherheit", sagte Aiwanger. Er ging auf Distanz zu Äußerungen von Ministerpräsident Markus Söder von der CSU, der eher Atom- als Kohlekraftwerke länger laufen lassen möchte. "Wir erleben einen Krieg vor der Haustüre, ein Atomkraftwerk bietet da auch ein Erpressungspotenzial." Er selbst würde deshalb in der Abwägung "Atom gegen Kohle" stärker auf Kohle setzen.

Zudem bekannte sich Aiwanger klar zu einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. "Wir müssen endlich in der Windkraft den Knoten durchschlagen, das heißt mindestens in den Wäldern und in den schon ausgewiesenen Vorrang- und Vorbehaltsgebieten die 10H-Abstandsregel fallen zu lassen und sofort in die Planung zu gehen", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". "Dann haben wir in ein paar Jahren mehrere hundert Windräder."

Stromversorgung "geht vor den Schutz eines Vogels"

Abstriche forderte Aiwanger in diesem Zusammenhang beim Naturschutz: Dass die Bürger Strom haben und ihre Wohnungen heizen können, "geht vor den Schutz eines Vogels", sagte er. Hintergrund der Debatte ist die derzeit hohe Abhängigkeit Deutschlands von Gasimporten aus Russland in Verbindung mit dessen Angriffskrieg auf die Ukraine.

Die 10H-Regel in Bayern schreibt einen Mindestabstand von Windrädern im Umfang des Zehnfachen von dessen Höhe von Wohnbebauung vor, was den Bau neuer Windkraftanlagen vielerorts unmöglich macht.

Quelle: ntv.de, abe/AFP

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