Politik

Libyen plant eigenen Prozess Begleiter verriet Saif al-Islam

Vier Tage nach der Festnahme des Sohnes von Machthaber Gaddafi, Saif al-Islam, werden weitere Einzelheiten bekannt. Offenbar wurde er verraten, von dem Mann, der ihm zur Flucht verhelfen sollte. Libyen will Saif al-Islam selbst den Prozess machen. Der Übergangsrat einigt sich derweil auf das künftige Kabinett.

Der international gesuchte Sohn des getöteten libyschen Machthabers Muammar Gaddafi, Saif al-Islam, wurde offenbar von seinem eigenen Begleiter verraten. Der Nomade Jussef Saleh al-Hotmani sagte in der Stadt Sintan, er habe Revolutionskämpfer in Südlibyen informiert, wann Saif al-Islam durch die Region fahre. Er sollte ihn nach eigenen Worten in das Nachbarland Niger bringen. Dafür seien ihm eine Million Euro versprochen worden.    

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Saif al-Islam nach seiner Festnahme.

(Foto: dpa)

Nach wie ist unklar, ob der Nomade von Anfang an plante, Saif al-Islams Aufenthaltsort zu verraten. Der Sohn Gaddafis wurde am Wochenende gefasst und wird seitdem in Sintan festgehalten. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag fahndet wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit nach ihm.

Kein Prozess in Den Haag

Allerdings will die neue libysche Führung Saif al-Islam nicht an den Internationalen Strafgerichtshof überstellen. Seine strafrechtliche Verfolgung sei Sache der libyschen Justiz, sagte Übergangsminister Mohammed el Allagui in Tripolis. "Das ist eine Frage unserer Souveränität." Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), Luis Moreno-Ocampo, traf inzwischen in Tripolis ein.

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Der smarte Gaddafi-Sohn ist kaum wiederzuerkennen.

(Foto: dpa)

Saif al-Islam ist der zweitälteste und bekannteste Sohn Gaddafis. Jahrelang wurde er als wahrscheinlicher Nachfolger seines Vaters gehandelt. Er galt lange Zeit als reformorientiert, schlug im Verlauf der Gefechte, die mit Unterstützung der NATO zum Sturz seines Vaters führten, aber einen zunehmend unversöhnlichen Ton an. Nach der Eroberung von Tripolis durch die Aufständischen Ende August war Saif al-Islam untergetaucht.

Kabinett steht

Der Übergangsrat Libyens (NTC) einigte sich unterdessen auf ein neues Kabinett. Verteidigungsminister werde der Kommandeur, dessen Einheiten am Wochenende Saif al-Islam, gefangengenommen hat, sagte der Sprecher des NTC. Zum Außenminister ernannt worden sei Aschur Bin Hajal, ein relativ unbekannter Diplomat aus dem Osten des Landes. Seine Ernennung überraschte internationale Diplomaten, die mit der Berufung des bisherigen stellvertretenden Botschafters bei den Vereinten Nationen, Ibrahim Dabbaschi, gerechnet hatten.

Der neue Finanzminister heißt Hassan Siglam. Er war zuvor als Manager in der libyschen Ölindustrie tätig. Auch der Öl-Minister kommt aus dieser Branche: Abdulrahman Ben Jessa arbeitete für den italienischen Ölkonzern ENI. An der Spitze der Regierung wird voraussichtlich Ministerpräsident Abdurrahim al-Keib stehen. Seine Aufgabe ist es, das nordafrikanische Land nach monatelangem Bürgerkrieg zu Parlamentswahlen zu führen.

Es seien zwar alle Kabinettsposten vergeben worden, doch seien erneut Diskussionen über einige der neuen Minister entbrannt, hieß es aus dem Umfeld des Übergangsrats. In der Ministerriege dominierten säkulare Liberale, Islamisten hätten keine Schlüsselressorts inne. Den Posten des Verteidigungsministers hatten ursprünglich die Islamisten für sich beansprucht. Der nun nominierte Osama al-Dschuwali kam erst mit der Ergreifung des Gaddafi-Sohns ins Gespräch.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP