Politik

Jusos über "Gottkanzler" Schulz "Bei der Union lacht niemand mehr"

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Martin Schulz kann angesichts von 100 Prozent bei der Wahl zum Parteivorsitzenden herzlich lachen.

(Foto: dpa)

Der Schulz-Effekt erfasst auch die junge SPD. Juso-Chefin Johanna Uekermann ist überzeugt vom Kanzlerkandidaten. Im Interview mit n-tv.de erzählt sie, warum Martin Schulz vor allem bei jungen Menschen punkte - und der Union das Lachen vergangen sei.

Der Schulz-Effekt erfasst auch die junge SPD. Juso-Chefin Johanna Uekermann ist überzeugt vom Kanzlerkandidaten. Im Interview mit n-tv.de erzählt sie, warum Martin Schulz vor allem bei jungen Menschen punkte - und der Union das Lachen vergangen sei.

n-tv.de: Am Wochenende hat die Junge Union mit einem Plakat von einem Boot aus beim SPD-Parteitag demonstriert. Darauf stand "Hey Gottkanzler! Wenn du übers Wasser laufen kannst, komm rüber!" Fanden Sie das witzig?

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Die Junge Union protestiert beim SPD-Parteitag in Berlin.

(Foto: dpa)

Johanna Uekermann: Ich finde es lustig, dass die Junge Union Schulz auch schon als "Gottkanzler" bezeichnet (lacht). Das eigentlich Witzige daran ist, dass sie tatsächlich zu unserem Parteitag kommen und eine Protestaktion starten. Das zeigt, dass sie absolut in Panik sind. Sie haben keine Ahnung, wie sie mit Schulz umgehen sollen. Sie waren darauf eingestellt, dass die Wahl wieder ein Selbstläufer für Merkel wird. Zudem ist Jesus über das Wasser gelaufen und nicht Gott. Vielleicht sollte sich die Nachwuchsorganisation der christlichen Unionsparteien Nachhilfe in Bibelkunde besorgen.

Kann der "Gottkanzler"-Effekt bis zur Wahl im September anhalten?

Meiner festen Überzeugung nach ist es kein Hype - auch wenn die Union das gerne hätte. Das sieht man daran, dass die Umfragewerte sich stabilisieren und die Mitgliederzahlen steigen. Er trifft den Nerv der jungen Leute. Als Schulz ankündigte: Wir werden die stärkste Kraft und holen den Wahlsieg, hat die Union noch gelacht. Inzwischen lacht dort niemand mehr.

Bisher galten die Jusos unter Ihrer Leitung als Opposition innerhalb der SPD. Gibt es mit Schulz an der Parteispitze keine kritischen Stimmen mehr?

Wir sind ein eigenständiger Verband und irgendwann wird es sicherlich Punkte geben, bei denen wir mit Schulz nicht zusammenstehen. Im Moment läuft es aber einfach gut und wir haben wenig zu kritisieren. Krawall machen um des Krawalls willen ist nicht unser Ding. Wir wollen unsere Inhalte unterbringen und das funktioniert.

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Johanna Uekermann ist seit 2013 Bundesvorsitzende der Jusos.

(Foto: Jusos/Tobias Pietsch)

Politische Gegner werfen Schulz mangelnde Wahlkampfinhalte vor. Haben sie nicht ein wenig recht damit?

Das ist Bullshit. Und das hat man auch an seiner Rede auf dem SPD-Parteitag gesehen. Darin fordert er mehr Investitionen in Schulen, Universitäten und Infrastruktur sowie die Abschaffung sachgrundlos befristeter Arbeitsverträge, eine Beitragsfreiheit für Kindertagesstätten und die Einführung einer Familienarbeitszeit. Das sind unglaublich konkrete Punkte - mehr als ich in den vergangenen zehn Jahren von Angela Merkel und der Union gehört habe. Der Vorwurf ist reine Panikmache der Union, weil sie selber keine Ideen hat. Partei darf nicht von oben nach unten funktionieren - so wie bei der Union. Dort gibt einer vor, wie es zu laufen hat und alle laufen hinterher. Bei uns ist das anders. Es ist keine Ein-Mann-Show, sondern Parteiarbeit.

Aber momentan geht es doch deutlich in Richtung Ein-Mann-Show. Es konzentriert sich alles auf Schulz.

Natürlich gibt es eine Konzentration auf den Kandidaten, weil er eine herausragende Stellung hat. Trotzdem ist die SPD aber eine Programmpartei. Unser Wahlprogramm diskutieren wir mit der ganzen Partei. Wie wichtig beides ist, hat man 2013 bei Peer Steinbrück gesehen. Kandidat und Programm müssen zusammenpassen. Das war bei ihm nicht der Fall. Bei Schulz ist das anders.

Was unterscheidet Schulz von Sigmar Gabriel?

Gabriel ist sehr verhaftet in der Großen Koalition. Schulz steht hingegen glaubwürdig für Aufbruch und einen echten Politikwechsel abseits der Großen Koalition. Er stellt soziale Gerechtigkeit in den Fokus und das macht den Unterschied aus. Deshalb stehen wir komplett hinter ihm. Er ist unglaublich authentisch. Man nimmt ihm ab, dass er sich für junge Leute einsetzt.

Wie gelingt es ihm, den Nerv der jungen Menschen zu treffen?

Erstens steht er für ein geeintes und solidarisches Europa. Zweitens zeigt er klare Kante gegen Rechts. Drittens spricht er die richtigen Themen an und stellt soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt. Vor allem junge Menschen merken, dass es Deutschland zwar oberflächlich nicht schlecht geht, sie aber zu wenig davon abbekommen. Anders als Wolfgang Schäuble, der auf seiner schwarzen Null hockt, will Schulz in die Zukunft investieren. Das ist wichtig, um unsere Gesellschaft zukunftsfit zu machen.

Ist es machbar, diese Pläne innerhalb einer Amtsperiode umzusetzen?

(lacht) Man kann es zumindest versuchen.

Mit Johanna Uekermann sprach Lisa Schwesig

 

Quelle: ntv.de