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Inhaftierte Deutsche im Iran Berlin sieht keinen "Kuschelkurs"

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Die deutschen Journalisten sind seit mehr als elf Wochen in iranischer Haft.

Die Bundesregierung wehrt sich gegen Kritiker, die von einem "Kuschelkurs" gegenüber dem Iran sprechen. Bundeskanzlerin Merkel unternehme alles, um die inhaftierten deutschen Reporter freizubekommen, heißt es. Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger kritisiert die Führung im Iran wegen neuer Drohungen gegen die beiden Deutschen.

Die Bundesregierung setzt sich gegen Vorwürfe einer zu laschen Haltung bei den Bemühungen um eine Freilassung der beiden im Iran inhaftierten deutschen Journalisten zur Wehr. Der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans wies den Vorwurf, Teheran gegenüber einen "Kuschelkurs" zu verfolgen, zurück. "Wir können diese Bewertung nicht nachvollziehen." Die beiden Reporter der "Bild am Sonntag" werden seit bald drei Monaten festgehalten.

Steegmans betonte, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) alles unternehme, "um in dieser schwierigen Angelegenheit hilfreich zu sein". Nähere Auskünfte gab der Regierungssprecher nicht. Ein Sprecher des Außenministeriums bekräftigte: "Die Bundesregierung setzt sich sowohl nach außen als auch bei den internen Gesprächen unmissverständlich für eine möglichst rasche Rückkehr der beiden Deutschen nach Deutschland ein."

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Leutheusser-Schnarrenberger ist beunruhigt über die Meldungen aus Teheran.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte bereits zuvor die Führung im Iran wegen neuer Drohungen gegen die beiden inhaftierten deutschen Reporter kritisiert und deren rasche Freilassung gefordert. "Die Meldungen aus dem Iran hinterlassen erneut viele Fragezeichen. Die Bundesregierung wird die weitere Entwicklung sehr aufmerksam beobachten", sagte die Ministerin der "Bild"-Zeitung. "Nach wie vor wollen wir erreichen, dass die beiden deutschen Journalisten bald nach Deutschland zurückkehren können."

Kritik von Dissidentin

Derweil forderte die in Deutschland lebende Dissidentin Mina Ahadi mehr Druck der Bundesregierung auf das Regime in Teheran. "Es muss Schluss sein mit der Kuscheldiplomatie", sagte Ahadi der "Berliner Zeitung". Die Bundesregierung solle mit offenen Karten spielen und die Freilassung der Deutschen fordern.

Die zwei Journalisten waren am 10. Oktober in der Provinzhauptstadt Täbris beim Versuch verhaftet worden, den Sohn und den Anwalt der Iranerin Sakineh Mohammadi-Aschtiani zu interviewen. Ihnen wird ein Verstoß gegen Visabestimmungen vorgeworfen. Mohammadi-Aschtiani sollte zunächst wegen Ehebruchs gesteinigt werden; nun könnte sie wegen Beihilfe zur Ermordung ihres Ehemannes zum Tode durch den Strang verurteilt werden.

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Aschtiani mit ihrem Sohn.

(Foto: dpa)

In einer Pressekonferenz erzählte Aschtiani am Wochenende, die Reporter der "Bild am Sonntag" hätten mit ihren Recherchen "Schande über mich und das Land gebracht". Sie wolle die beiden Journalisten anklagen, weil sie ihren Fall ausgebeutet hätten.

Diese Ankündigung Aschtianis st nach Meinung der Menschenrechtlerin Ahadi unter Druck zustande gekommen. "Nun wollen sie sie psychisch fertig machen", sagte Ahadi. Für die deutschen Reporter seien die Entwicklungenallerdings eine schlechte Nachricht. Wenn sie tatsächlich angeklagt würden, müsse man sich auf einen langen Prozess gefasst machen, sagt Ahadi.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa/AFP

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