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Weniger Flüchtlinge aus Tunesien Berlin warnt vor Illegalen

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Nur 130 Kilometer trennen Tunesien von Lampedusa.

(Foto: AP)

Die Flüchtlingswelle aus Tunesien ebbt ab. Doch steht die kleine italienische Insel Lampedusa weiter vor dem Kollaps. Italien braucht dringend Lösungen für die Tausenden von Flüchtlingen. In Berlin wird vor zunehmender illegaler Einwanderung gewarnt.

Der Exodus aus Tunesien in Richtung der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa scheint gestoppt, dafür stehen Italien und Europa noch vor vielen Problemen. Die Situation auf der kleinen Felsinsel südlich von Sizilien ist weiter angespannt. "Wir stehen vor dem Kollaps", sagte der Bürgermeister der Insel, Dino de Rubeis. Lampedusa sei überflutet von Immigranten. Auch die Leiterin des italienischen UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR), Laura Boldrini, warnte, "den seidenen Faden nicht zu überspannen". Die EU hielt ihre Hilfeangebote an Italien aufrecht, doch zur eventuellen Aufnahme der Migranten gab es ein Nein aus Wien und Berlin.

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Eine ehemalige US-Kaserne ei Cantania könnte zum Flüchtlingslager umgebaut werden.

(Foto: dpa)

Auf der nur 4500 Einwohner zählenden Insel befanden sich auch am Mittwoch noch 1800 Tunesier. "Bisher hat es keine Probleme gegeben, aber lange können wir nicht mehr so weitermachen", sagte De Rubeis. Das Auffanglager, in dem die Flüchtlinge untergebracht sind, ist für nur 800 Menschen konzipiert. Und auch wenn die Immigranten sich auf der Insel frei dürften, bleibe die Situation potenziell explosiv. Mehrere Flüge, die 400 Immigranten im Laufe des Tages zu anderen Flüchtlingszentren in Italien bringen sollten, waren zuvor aus nicht genannten Gründen abgesagt worden.

Die italienische Küstenwache suchte unterdessen mit Flugzeugen in der Straße von Sizilien nach einem Fischerboot mit Flüchtlingen, das angeblich am Dienstag aus Tunesien gen Italien in See gestochen war. Das Boot blieb zunächst verschwunden.

"Tor nach Europa" schließt

In der vergangenen Woche hatten in nur wenigen Tagen über 5000 Menschen auf der Flucht vor Unruhe und Armut in Tunesien die Insel erreicht. Nur 130 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt ist das nur 20 Quadratkilometer große Lampedusa seit langem ein "Tor nach Europa" für Verzweifelte aus Afrika. Viele der Migranten waren schon per Luftbrücke und mit Fähren auf andere italienische Flüchtlingslager verteilt worden. Doch auch die Aufnahmekapazität anderer Lager sei nur noch begrenzt, berichteten italienische Medien.

Im Hinblick auf Lampedusa kündigte der zum Notstandskommissar ernannte Präfekt von Palermo, Giuseppe Caruso, einen Plan zum weiteren Vorgehen bis spätestens Freitag an. Der Bau von Zeltstädten in Sizilien sei dabei nicht ausgeschlossen, so Caruso. Jedoch würden auch Flüchtlingszentren auf dem italienischen Festland auf ihre Kapazität hin geprüft.

Österreich mauert

Die EU hatte am Dienstag auf die italienischen Hilferufe reagiert und Gelder sowie Grenzschützer zugesagt. Österreich will seinem Nachbarn keine Migranten abnehmen. "Wir sehen derzeit keine Veranlassung, tunesische Flüchtlinge aufzunehmen", teilte das Innenministerium in Wien mit. Das Dublin-Abkommen sei weiterhin gültig, hieß es. Dieses besagt, dass jener EU-Staat, in dem ein Einwanderer den Erstantrag stellt, auch für das Asylverfahren zuständig ist.

Deutschland schottet sich ab

In Berlin erteilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) Forderungen von Grünen, Linke und SPD nach einer verstärkten Aufnahme tunesischer Flüchtlinge eine Absage. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, Deutschland schotte sich ab. "Wir können nicht die Probleme der ganzen Welt lösen", sagte er im ZDF.

Immer mehr werden kommen

Angesichts der Entwicklungen in Nordafrika warnte Bundespolizei-Präsident Matthias Seeger vor einer Zunahme illegaler Zuwanderung nach Europa. Nach Schätzungen hielten sich derzeit zwischen viereinhalb und acht Millionen Menschen ohne gültige Papiere in den EU-Staaten auf, sagte Seeger. Jedes Jahr kämen bis zu 500.000 Menschen dazu. Man müsse davon ausgehen, dass sich diese Entwicklung verstärke. In den nordafrikanischen Staaten sei die Hälfte der Bevölkerung jünger als 25 Jahre. Die Zukunftsperspektiven dieser jungen Menschen seien alles andere als rosig, sagte Seeger auch mit Blick auf die Flüchtlingswelle aus dem nordafrikanischen Tunesien.

Quelle: n-tv.de, dpa

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