Politik

"Private und offizielle Termine kaum zu trennen" Bettina Wulff entlastet ihren Mann

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Die Wulffs pflegen ein "sehr freundschaftliches Verhältnis".

dpa

Im Prozess gegen Ex-Bundespräsident Wulff wegen Vorteilsnahme findet eine besondere Zeugenaussage statt: Seine Noch-Ehefrau Bettina erzählt vom Oktoberfest, vom Niedersachsen-"Tatort" und von Problemen mit dem Terminkalender. Nicht ausgeschlossen ist, dass der Prozess vorzeitig endet.

Im Korruptionsprozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat seine Ehefrau Bettina die gute Freundschaft ihres Mannes zu Filmfinancier David Groenewold bestätigt. Die 40-Jährige sagte als Zeugin im Landgericht Hannover aus. Zu Beginn nahm Bettina Wulff auf Nachfrage des Richters Stellung zum aktuellen Verhältnis zu ihrem Mann, von dem sie inzwischen getrennt lebt. "Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis, wir sehen uns regelmäßig."

Bettina Wulff hatte ihren Mann 2008 zum Münchner Oktoberfest begleitet, Groenewold übernahm dabei einen Teil der Kosten. Wulff setzte sich später für eines seiner Filmprojekte ein. Sie berichtete, die Idee zum gemeinsamen Wiesn-Besuch sei Anfang 2008 entstanden. "David hat vorgeschlagen, er würde uns gerne einladen", sagte Bettina Wulff. Es sei schwierig gewesen, private Termine im Kalender ihres Mannes unterzubringen. "Private Termine waren immer sekundär, primär standen die offiziellen im Vordergrund."

Aus der privaten Idee sei später ein offizieller Termin geworden. Ihrem Mann habe am Herzen gelegen, mit der Schauspielerin Maria Furtwängler beim Oktoberfest über ihren Einfluss auf die "Tatort"-Drehbücher zu reden, "dass man vielleicht das Land Niedersachsen auch ein bisschen freundlicher darstellen könnte da". Die Episoden seien immer "so düster" gewesen. "Da haben wir uns ein bisschen darüber geärgert."

Wulff-Ultras kommen mit Bobbycars

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Die "Wulff-Ultras" in Aktion.

(Foto: dpa)

Zu Beginn sorgte eine Spaßaktion vor dem Gerichtsgebäude für Aufsehen: Dort tummelten sich sieben Unbekannte mit Christian-Wulff-Gesichtsmasken, Bobbycars und riesigen Bundesverdienstkreuzen am Revers, bis sie von Justizbeamten auf die andere Straßenseite verwiesen wurden. Sie trugen ein Transparent mit der Aufschrift "Christian-Wulff-Ultras" und skandierten "Christian Wulff ist kein Verbrecher".

Der CDU-Politiker muss sich wegen des Verdachts der Vorteilsannahme verantworten, dem Mitangeklagten David Groenewold wird Vorteilsgewährung vorgeworfen.

Zu Beginn des Prozesses hörte das Gericht zunächst einen Geschäftspartner Groenewolds. Dieser sagte, er habe Wulff nur ein oder zwei Mal getroffen. Er sei auch nicht zusammen mit ihm beim Oktoberfest gewesen, obwohl dies auf einem Bewirtungsbeleg von Groenewold so vermerkt war.

Der Filmmanager Groenewold übernahm laut Staatsanwaltschaft rund 700 Euro Kosten für den Oktoberfestbesuch der Wulffs. Der damalige niedersächsische Ministerpräsident soll sich im Gegenzug bei Siemens für finanzielle Unterstützung eines Filmprojekts von Groenewold eingesetzt haben. Wulff bestreitet das. Er war nach Einleitung des Ermittlungsverfahrens im Februar 2012 als Staatsoberhaupt zurückgetreten.

Vorgezogenes Prozessende möglich

Für den 19. Dezember hat Richter Rosenow eine Zwischenbilanz angekündigt. Viele Prozessbeobachter bewerten dies als ein möglicherweise vorgezogenes Ende des seit dem 14. November laufenden Verfahrens. Einige der ersten Zeugen - darunter Mitarbeiter des Hotels "Bayerischer Hof" in München - hatten in ihren Aussagen die Darstellung von Wulff gestützt. Demzufolge sei es durchaus möglich gewesen, dass er nichts von der Teilkostenübernahme durch Groenewold mitbekommen habe.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa

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