Politik

"Nur noch der schwule Politiker" Beust bereut spätes Coming-Out

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"Extrem mutig": Ole von Beust über das Coming-Out des Berliner Oberbürgermeisters Wowereit.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust bereut, sich nicht vor seiner ersten Wahl zum Amt des Bürgermeisters 2001 zu seiner Homosexualität bekannt zu haben. "Ich habe damals den Mut nicht gehabt, denn ich hatte immer die Sorge, dass ich dann nur noch der schwule Politiker bin und nicht mehr der Politiker, der Idee A, B oder C verfolgt", sagte von Beust der "Bild am Sonntag". Im Nachhinein finde er auch, dass es mutiger und ehrlicher gewesen wäre, hätte er sich bereits vor der Wahl geoutet.

"Ich fand es extrem mutig, dass Wowereit das gemacht hat", sagte von Beust mit Blick auf den ebenfalls schwulen Berliner Oberbürgermeister Klaus Wowereit. Er bestritt aber, aus Sorge vor Nachteilen bei Wahlen seine Homosexualität verschwiegen zu haben. "Ich habe ja mein schwules Leben nie geheim gelebt", sagte von Beust. Wäre er in einem Interview dazu befragt worden, hätte er es nicht geleugnet. Außerdem wies er darauf hin, dass die CDU auch nach seinem Coming-Out unter seiner Führung hervorragende Wahlergebnisse gehabt habe.

Beust war von 2001 bis 2010 fast drei Legislaturperioden Erster Bürgermeister von Hamburg. Zuletzt hatte er mit der ersten schwarz-grünen Koalition auf Landesebene regiert. 2003 ließ er ohne große Vorrede die Koalition der CDU, FDP und Schill-Partei platzen. Er fühlte sich von Ronald Schill erpresst, der ihn quasi gezwungen hatte, sich öffentlich zu seiner Homosexualität zu bekennen - die Beust aber als reine "Privatsache" behandelt wissen wollte.

Quelle: n-tv.de, AFP/dpa

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