Politik

Weißer Schnee für Nordkorea Bild vom Trauerzug manipuliert

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Das manipulierte Bild: Der Schnee ist heller, das Kamerateam verschwunden.

(Foto: REUTERS)

Dass die Trauerfeiern für den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Il bis ins Detail inszeniert sind, überrascht nicht. Ein Vergleich zeigt, dass auch Fotos vom Trauerzug manipuliert werden. Ein Kamerateam wird wegretuschiert, der Schnee aufgehellt. Derweil wird Kims Sohn zum "obersten Führer" ausgerufen. Die Armee steht offenbar hinter ihm.

Die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA hat ein mehrfach manipuliertes Bild von der verbreitet. Das zeigt der Vergleich von Fotos, die zur fast gleichen Zeit vom gleichen Standpunkt aus aufgenommen wurden. Mehrere Bildagenturen, die das Foto nach Erhalt von KCNA weiterverbreitet hatten, haben das manipulierte Bild zurückgezogen. Das gilt auch für die Deutsche Presse-Agentur, die das Bild zuvor von ihrem internationalen Partner European Pressphoto Agency bezogen hatte.

Der pompöse Trauerzug für den Diktator war für die internationale Presse nicht zugänglich. Das abgeschottete Land ließ kaum ausländische Reporter zu. Von einem erhöhten Standpunkt aus richteten Fotografen von KCNA und der japanischen Agentur Kyodo ihre Objektive auf den Trauerzug. KCNA verkaufte die Bilder dann an internationale Bildagenturen, und der Kyodo-Fotograf belieferte seine Vertragspartner.

Menschen "verschwinden"

Wer diese Varianten nebeneinanderlegt, erkennt den Unterschied: KCNA ließ eine Gruppe von sechs Menschen mit einer Filmkamera am linken Bildrand verschwinden, die nicht zur makellosen Symmetrie der trauernden Massen zu passen schien. Außerdem erscheint die große weiße Fläche rechts makellos. Am linken unteren Bildrand fehlen zudem einige Spuren im Schnee. Das zentrale Motiv des Bildes, der Trauerzug, wurde hingegen nicht erkennbar verändert.

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Das Bild der japanischen Agentur Kyodo: rechts die Spuren im Schnee, links das Kamerateam.

(Foto: AP)

"Bei ähnlichen Ereignissen in der freien Welt ist es selbstverständlich, dass es eine unabhängige Berichterstattung mit eigenen Fotografen gibt", sagte eine der stellvertretenden Chefredakteure der epa, Monika Plhal, in Frankfurt am Main. Wie andere Agenturen musste auch die epa auf das Material von KCNA zurückgreifen, weil ein eigener Fotograf nicht nach Nordkorea gelassen wurde. "Bilder aus solchen Quellen werden natürlich mit besonders kritischem Auge betrachtet. Manipulationen wie diese fliegen aber erst durch den direkten Vergleich mit einer nicht veränderten Aufnahme auf", sagte Plhal.

Kim Jong Un wird "oberster Führer"

Derweil beendete das kommunistische Land mit einer pompösen Militärparade die offizielle Staatstrauer und rief den Sohn des verstorbenen Diktators, Kim Jong Un, zum Nachfolger aus. "Der geachtete Kamerad Kim Jong Un ist der neue oberste Führer unserer Partei und der Armee", sagte Kim Yong Nam, der formell Staatschef des kommunistischen Landes ist, laut Staatsfernsehen vor Zehntausenden Menschen in der Hauptstadt Pjöngjang.

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Kim Jong Un bei der Trauerfeier für seinen Vater.

(Foto: REUTERS)

Wie im Fernsehen zu sehen war, sprach der protokollarische Staatschef von einem Balkon zu Soldaten und Zivilisten auf dem Kim-Il-Sung-Platz. An seiner Seite standen Kim Jong Un und weitere ranghohe Vertreter von Staat und Militär. "Das große Herz von Kamerad Kim Jong Il hat aufgehört zu schlagen", sagte Kim Yong Nam. "Ein so unerwarteter und vorzeitiger Abschied ist der größte und unglaublichste Verlust für unsere Partei und die Revolution." Das Land werde aber seine Trauer in "Stärke und Mut" umwandeln, sagte er.

Der Militärvertreter Kim Jong Gak sicherte dem neuen Machthaber des abgeschotteten Landes die Treue der Armee zu. Alle Soldaten würden "eine Mauer bilden, um ihn zu beschützen", sagte der General, der selbst allerdings nie beim Militär gedient hat. Zum Abschluss der Kundgebung feuerten Kanonen rund 20 Salutschüsse ab. Anschließend wurde im ganzen Land eine dreiminütige Schweigezeit abgehalten, bevor zeitgleich Schiffssirenen aufheulten und Lokomotiven läuteten.

"Die Armee zuerst"

Die Armee spielt mit 1,2 Millionen Soldaten bei 24 Millionen Einwohnern eine äußerst wichtige Rolle in Nordkorea, das sich mit Südkorea seit dem Koreakrieg (1950-1953) noch immer im Kriegszustand befindet. Kim Jong Il entwickelte in den 90er Jahren die sogenannte Songun-Doktrin, was übersetzt "Die Armee zuerst" bedeutet. Die Ideologie diente laut der Führung dazu, sich gegen die Probleme nach dem Zusammenbruch des Ostblocks zu stemmen und so das Überleben des Staates zu sichern. Das Land investiert bis heute Unsummen in seine Verteidigung, während weite Teile vor allem der ländlichen Bevölkerung Hunger leiden. Nach Angaben der UNO benötigt ein Viertel der Nordkoreaner dringend Nahrungsmittelhilfen.

Kim Jong Il war am 17. Dezember gestorben. Am Mittwoch hatte das Land mit einer großen Inszenierung Abschied von dem Diktator genommen. Der Sarg des langjährigen Machthabers wurde in einem stundenlangen Trauerzug rund 40 Kilometer durch das verschneite Pjöngjang gefahren. In Japan hielten unterdessen tausende regierungstreue Nordkoreaner Gedenkveranstaltungen ab. Ansammlungen anlässlich des offiziellen Endes der Trauer in ihrem Heimatland fanden etwa in der Hauptstadt Tokio sowie in Nagoya und Osaka statt. China sicherte der neuen Führung in Pjöngjang seine Unterstützung und Zusammenarbeit zu. Peking glaube daran, dass das Land unter Kim Jong Un zur Stärke zurückfinden werde, erklärte das Außenministerium. China ist der engste Verbündete des isolierten Landes, das wegen seines Atomprogramms international mit Sanktionen belegt ist.

Quelle: ntv.de, dpa/AFP