Politik

US-Republikaner fallen auf Fotos rein Bin Ladens Tod weckt Zweifel

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Auch Republikaner fielen darauf rein: Dieses Bild zeigt nicht Osama bin Laden.

dpa

Wie bereits nach dem 11. September haben auch nach dem Tod Bin Ladens nun Verschwörungstheorien Konjunktur. Auftrieb erhalten die Zweifler durch den Umstand, dass die Fotos vom Toten nicht veröffentlicht werden sollen. Immer wieder fallen auch US-Politiker auf gefälschte Bilder herein.

Das verstümmelte, blutige Gesicht mit dichtem Bart hätte dem toten Osama bin Laden gehören können. Mehrere pakistanische Fernsehsender zeigten das Bild, nachdem der Al-Kaida-Chef von einem US-Kommando erschossen wurde. Kurz darauf mussten die Sender aber zurückrudern - sie waren einer Fälschung aufgesessen. Der Wunsch nach Beweisen für den Tod des meistgesuchten Terroristen der Welt ist groß, doch US-Präsident Barack Obama hält das Foto der Leiche Bin Ladens zurück. Schon sind Verschwörungstheoretiker am Werk, die Lücken mit kruden Erklärungen zu füllen.

Auch mehrere republikanische US-Kongressabgeordnete sind auf gefälschte Bilder hereingefallen. Der Republikaner Saxby Chambliss behauptete am Mittwoch zunächst, er habe Fotos der Leiche gesehen. "Sie sahen so aus, wie Sie es erwarten würden, wenn jemandem in den Kopf geschossen wurde", sagte er. "Es war nicht schön." Seine Sprecherin musste wenig später aber klarstellen, dass Chambliss nicht das offizielle Foto der Leiche gesehen habe. Auch zwei weitere Senatoren, die wie Chambliss dem Ausschuss der Streitkräfte in der Kongresskammer angehören, mussten ihre Aussage, sie hätten das Bild der Leiche von Bin Laden gesehen, revidieren. Der Republikaner Scott Brown hatte zuvor bereits ebenfalls gegenüber mehreren Medien aus seinem Heimatbundesstaat Massachusetts berichtet, er habe offizielle Fotos der Leiche gesehen. Der Fernsehsender NECN aktualisierte wenig später aber einen Beitrag um die Ergänzung, Browns Büro habe mitgeteilt, dass die Fotos, von denen der Senator gesprochen habe, "nicht echt" seien.

Fotos unter Verschluss

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Obama hatte entschieden, die Bilder nicht zu veröffentlichen.

(Foto: REUTERS)

Nach langen Diskussionen im Weißen Haus hatte US-Präsident Obama am Mittwoch seine Entscheidung verkündet, die Bilder unter Verschluss halten zu wollen. Die Fotos könnten für Propagandazwecke missbraucht werden und seien ein "Risiko für die nationale Sicherheit", zitierte sein Sprecher aus einem Interview, das der Präsident zuvor mit dem TV-Sender CBS aufgezeichnet hatte. "Wir protzen nicht mit so etwas wie mit einer Trophäe."

Die US-Regierung steht vor einem Dilemma: Einerseits verlangt die Welt nach Klarheit, andererseits fürchtet sich Washington vor den Reaktionen in islamischen Ländern. Dabei griffen die USA bereits öfter zum Foto als Beweismittel für das Ableben von Erzfeinden: Während des Irakkriegs veröffentlichten sie 2003 Bilder von Saddam Husseins getöteten Söhnen Udai und Kusai. Ein Bild vom gehängten Saddam Hussein gelangte im Januar 2007 ebenfalls an die Öffentlichkeit, auch wenn die damalige US-Regierung sich darüber unglücklich zeigte.

"Besteht keine Zweifel"

Dem Weißen Haus zufolge ist Bin Laden eindeutig identifiziert worden: vor Ort nach dem Feuergefecht, mit einer ausgeklügelten Fotoerkennungstechnik, schließlich zu 99,9 Prozent per DNA-Test. "Es besteht kein Zweifel daran, dass Osama bin Laden tot ist", bekräftigte Obama. Ein Foto werde keinen Unterschied machen - auch wenn es natürlich immer Leute geben werde, die den Tod des Al-Kaida-Chefs bestreiten würden.

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Hier hatte Bin Laden über fünf Jahre unentdeckt gelebt.

(Foto: REUTERS)

"Es wird einige Tumulte um die Frage geben, ob Bin Laden wirklich tot ist", sagt Robert Alan Goldberg, der ein Buch über Verschwörungstheorien in den USA geschrieben hat. Der Geschichtsprofessor der Universität Utah erwartet, dass sich einige Menschen zu Wort melden werden, die den Al-Kaida-Chef gesehen haben wollen. Nicht zu vergessen seien Anhänger von 9/11-Verschwörungstheorien, die behaupten, Bin Laden habe als Geheimagent für die CIA gearbeitet.

Die afghanischen Taliban zogen Bin Ladens Tod in einer Erklärung im Internet bereits in Zweifel. Die Beweise der USA seien nicht überzeugend, heißt es. Die Taliban haben ein politisches Interesse, Spekulationen über das Schicksal des Terroristenführers anzuheizen. Viele Verschwörungstheoretiker hegen staatlichen Autoritäten gegenüber aber ein grundsätzliches Misstrauen und weisen deshalb die offizielle Darstellung der Realität zurück.

Informationsvakuum

Der oberste Verschwörungstheoretiker der USA, Moderator Glenn Beck, torpedierte die Meldung vom Tod Bin Ladens mit vielsagenden Fragen: War die Kommandoaktion nur Show? Ging es Obama um die Umfragewerte? Der Radiomoderator Alex Jones stellte die gewagte These auf, dass die US-Regierung Bin Laden bereits seit Jahren als gefrorene Leiche im Tiefkühlfach aufbewahrt. Im Online-Netzwerk Facebook entstanden dutzende Gruppen, in denen sich Zweifler der offiziellen US-Version zusammenfanden und Weltgeschichte aus einer recht ungewohnten Perspektive debattieren.

"Wenn es ein Informationsvakuum gibt, fangen die Leute an, zu spekulieren", sagt Barna Donavan, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität St. Peter in New Jersey. Als er gehört habe, dass die Leiche Bin Ladens auf See bestattet wurde, sei ihm klar gewesen, dass nun Verschwörungstheorien die Runde machen würden. Damit kann die US-Regierung aber offenbar besser leben als mit einem Grab Bin Ladens, das zur Pilgerstätte werden könnte.

Quelle: n-tv.de, tis/AFP

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