Politik

Gesichtskontrolle floppt Biometrie ungeeignet

Automatische Gesichtserkennung mit Computerhilfe eignet sich nach Auffassung des Bundeskriminalamts (BKA) nicht zur Fahndung nach Terroristen und Gewalttätern in Menschenmengen. Er werde Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) dieses Mittel nicht empfehlen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in Wiesbaden. Er berief sich auf einen Feldversuch am Mainzer Hauptbahnhof, wo die Kameras Testpersonen aus dem täglichen Strom von 23.000 Passagieren herausfiltern mussten. Selbst bei besten Lichtverhältnissen hätten die drei erprobten Systeme nur Trefferquoten um die 60 Prozent erzielt. Dies sei für die Praxis zu wenig.

Die auf eine Treppe im Bahnhof gerichteten Kameras hatten die Gesichter der Passagiere anhand biometrischer Merkmale mit den gespeicherten Fotos der 200 Testpersonen verglichen. Laut Ziercke war es der weltweit erste Feldversuch mit dieser Technik.

Die Trefferrate hing vor allem vom Licht ab und sank bei Dunkelheit auf 10 bis 20 Prozent. Ungünstig wirkte sich auch Bewegung aus: Bei stillstehenden Personen auf der Rolltreppe lag die Quote zwischen 5 und 15 Prozent höher als auf der Fußtreppe. "Das Ziel, eine Gefahr zu verhindern, erreiche ich damit nicht", sagte Ziercke. Erforderlich sei eine Zuverlässigkeit von nahezu 100 Prozent. Dies werde in den nächsten fünf Jahren technisch nicht zu erreichen sein.

Einsatzgebiete sieht der BKA-Präsident etwa bei Zugangskontrollen und Personenschleusen, wo die Beleuchtung stimmt und die Personen einzeln in die Kamera blicken. Als eine weitere Möglichkeit nannte Ziercke 3-D-Kameras. Sie könnten dem polizeilichen Erkennungsdienst Aufnahmen liefern, die so genau seien, dass der Computer sie mit alten Karteifotos vergleichen könne.

Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) sprach dennoch von einem erfolgreichen Test. Der deutsche Markt für Biometrie werde sich in den nächsten Jahren mehr als verdoppeln und bis 2010 ein Volumen von 300 Millionen Euro erreichen. Wichtigste Technologie bleibe die Erkennung von Fingerabdrücken, doch die Gesichtserkennung gewinne an Bedeutung.

Quelle: ntv.de