Politik

Anschlagsserie Bis zu 180 Tote in Bagdad

Terroristen haben in der irakischen Hauptstadt bei einer Serie von Anschlägen bis zu 180 Menschen getötet. Allein im Bagdader Al-Sadrija-Viertel starben durch eine Autobombe nach Angaben arabischer Nachrichtensender rund 120 Iraker. Sicherheitskreise sprachen dagegen von mindestens 85 Toten. Mehr als 100 weitere Iraker seien bei der Explosion in der Nähe eines Marktes verletzt worden, erklärte die Polizei. Weitere Autobomben detonierten laut Polizei im Karrade-Viertel und auf einem Platz, der an die Vorstadt Sadr-City grenzt. Sadr ist eine Hochburg des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr.

Es war der blutigste Tag in Bagdad seit der Umsetzung des neuen Sicherheitsplanes der Regierung vor zwei Monaten. Nach diesem Plan sind seit Mitte Februar in Bagdad rund 3.000 amerikanische und 10.000 irakische Soldaten zusätzlich stationiert worden. Dies war als letzter Versuch gewertet worden, ein Abrutschen des Landes in den Bürgerkrieg noch zu verhindern.

Es wird befürchtet, dass die Mahdi-Miliz Sadrs mit Racheakten auf die Anschläge reagieren könnte. Nur Stunden zuvor hatte Ministerpräsident Nuri al-Maliki angekündigt, seine Regierung werde bis Jahresende die vollständige Verantwortung für die Sicherheit des Landes übernehmen. Maliki steht unter wachsendem Druck Al-Sadrs, einen Zeitplan für den Abzug der 146.000 US-Soldaten festzulegen.

Die drei schwersten Anschläge ereigneten sich in Stadtvierteln, in denen vorwiegend Schiiten leben. Auf dem Platz in Ost-Bagdad starben nach inoffiziellen Angaben bis zu 40 Menschen, darunter mehrere irakische Soldaten. 30 weitere Menschen wurden verletzt. Bei dem Autobombenanschlag auf einer Straße im Innenstadt-Viertel Karrade starben zehn Menschen, mindestens zehn Iraker wurden verletzt. Zuvor hatte die Polizei bekannt gegeben, sie habe in der Hauptstadt binnen 24 Stunden 25 Mordopfer gefunden.

Ministerpräsident Al-Maliki dementierte unterdessen Berichte über die Entlassung von Verteidigungsminister Abdul Kader al-Obeidi. Das meldete der staatliche Fernsehsender Al-Irakija unter Berufung auf das Büro des Regierungschefs. Die sunnitische Partei Irakische Konsensfront von Adnan al-Dulaimi hatte den Rücktritt des sunnitischen Ministers gefordert, der unter anderem wegen seiner Beteiligung an US-irakischen Militäroperationen in der Anbar-Provinz umstritten ist. Irakische Medien hatten am Dienstag berichtet, Al-Maliki habe den Minister auf Wunsch der Konsensfront entlassen, die andernfalls mit ihrem Rückzug aus der Regierung gedroht habe.

Die regierungsnahe irakische Tageszeitung "Al-Sabah" berichtete zudem, Al-Maliki wolle Mitglieder seines Kabinetts beauftragen, die Aufgaben der am Montag zurückgetretenen sechs Minister der schiitischen Sadr-Bewegung zusätzlich kommissarisch zu übernehmen. Namen wurden zunächst nicht genannt. Die Zeitung schrieb lediglich, der Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten, Rafea al-Issawi, werde das Gesundheitsministerium vorübergehend leiten. Al-Issawi gehört der sunnitischen Partei Irakische Konsensfront an.

Die irakische Nachrichtenagentur INA meldete, bei einer gemeinsamen Razzia amerikanischer und irakischer Soldaten seien in der Stadt Chalis Scheich Ali Hussein al-Bajati von der Sadr-Bewegung sowie elf Milizionäre der Parteimiliz Mahdi-Armee festgenommen worden. In der südirakischen Provinz Maisan übernahm die irakische Armee offiziell die Verantwortung für die Sicherheit von den britischen Truppen. Bei der Übergabezeremonie auf einem Militärflughafen nahe der Stadt Amara rief der Sicherheitsberater der Regierung, Muwaffak al-Rubai, die Bewohner der Provinz dazu auf, "ihre Grenzen mit Nachbarstaaten (dem Iran) gut zu schützen".

Quelle: ntv.de