Politik

Sexueller Missbrauch Bischöfe beschließen Leitlinien

Die katholischen Bischöfe wollen künftig entschiedener gegen sexuellen Missbrauch durch Priester vorgehen. Die Deutsche Bischofskonferenz beschloss dazu auf ihrer Herbstvollversammlung in Fulda einheitliche Leitlinien, nach denen künftig jeder Verdacht gegen einen Priester umgehend geprüft werden soll. Das teilte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zum Abschluss des Treffens am Freitag mit.

Danach sollen Anlaufstellen eingerichtet werden, an die sich betroffene Opfer oder kirchliche Mitarbeiter wenden können. Wem diese Anlaufstellen zugeordnet werden, sollen die einzelnen Bistümer entscheiden. Für die Kirchen-Reformbewegung "Wir sind Kirche" gehen die Leitlinien in die richtige Richtung. Sie bekräftigte aber ihre Forderung nach völlig unabhängigen Ombudsstellen für die Opfer.

Sexueller Kindesmissbrauch durch Priester war das zentrale Thema der Herbstvollversammlung. Die katholische Kirche räumte bislang 47 Fälle in den vergangenen 30 Jahren ein. Lehmann sprach von Fehlern bei der Aufarbeitung. So sei es aus heutiger Sicht "absolut unentschuldbar", dass die Täter teilweise einfach versetzt wurden.

Der Mainzer Bischof betonte, dass die 16 Leitlinien von den 68 Teilnehmern der Konferenz einstimmig verabschiedet worden seien. Danach können bei einem erhärteten Verdacht Priester beurlaubt werden, bei festen Nachweisen sollen sie keine Aufgaben mehr wahrnehmen, bei denen sie Kontakt mit Kindern haben. Im Regelfall sollen die Täter überzeugt werden, sich selbst anzuzeigen. "In besonders schweren Fällen" schloss Lehmann aber auch eine Strafanzeige durch die Kirche nicht aus.

Um künftigen Missbrauchsfällen vorzubeugen, soll die Auseinandersetzung mit Fragen und Problemen der Sexualität" stärker in die Aus- und Fortbildung der Geistlichen einbezogen werden.

Quelle: ntv.de