Politik
Windräder produzieren mit den saubersten Strom. Doch sie liefern nicht zu jeder Zeit.
Windräder produzieren mit den saubersten Strom. Doch sie liefern nicht zu jeder Zeit.(Foto: picture alliance / dpa)
Freitag, 09. März 2012

Etwas teurer, aber stabil: "Blackout" droht nicht

Trotz abgeschalteter Atomkraftwerke ist Deutschland vom sogenannten "Blackout" weit entfernt. Im Gegenteil - sogar an knappen Tagen kann Strom in Nachbarländer exportiert werden. Noch kostet der Ausbau der Ökostromproduktion die Verbraucher mehr. Gleichzeitig dämpft Solarstrom aber die Preisausschläge nach oben.

Nach der Fukushima-Katastrophe hat Kanzlerin Angela Merkel den lange als unverzichtbar bezeichneten Bau der atomaren Brücke ins Ökostrom-Zeitalter abrupt gestoppt. Immer wieder wurden daher Warnungen über den drohenden Einsturz der drei Pfeiler der Energiepolitik laut: Bezahlbare Preise, stabile Versorgung und Klimaschutz. Ein Überblick über die Entwicklung des vergangenen Jahres.

Preise        

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Atomstrom war extrem billig zu produzieren. Der Wegfall der Produktion von sechs Meilern müsse die Preise nach oben treiben, hieß es. Tatsächlich zogen sie an den Börsen nach dem verkündeten Atommoratorium um bis zu 15 Prozent an. Das war der Jahreshöchstwert, er lag aber noch weit unter den Preisen des insgesamt noch starken Wirtschaftsjahres 2008. Aber schon im Sommer 2011 gaben die Preise wieder nach und lagen - auch bedingt durch einen milden Winter - am Jahresende unter dem Vor-Fukushima-Niveau.     

Einen zunehmend dämpfenden Effekt haben die Solaranlagen, von denen es immer mehr gibt: Sie produzieren hauptsächlich rund um die Mittagszeit, wo die Nachfrage und entsprechend die Börsenpreise sonst besonders hoch sind.    

Kritiker weisen darauf hin, dass sich dafür die Subventionen für die Solarbranche im Strompreis niederschlagen. Jeder Verbraucher zahlt rund 70 Euro allein für diesen Ökostrom. Allerdings ist auch dieser Tarif seit der Atomwende praktisch nicht gestiegen. Da Solarstrom zunehmend billiger wird, ist zumindest davon auch bei der Ökostrom-Umlage kein gravierender Aufschlag mehr zu erwarten.       

Ein weiterer Effekt könnte sich preisdämpfend auswirken: Obwohl die Wirtschaft in Deutschland 2011 gut lief, sank der Energie- und Stromverbrauch.

Klimaschutz

Immer mehr Deutsche haben Solarzellen auf dem Dach.
Immer mehr Deutsche haben Solarzellen auf dem Dach.(Foto: picture alliance / dpa)

Atomkraftwerke galten als klimafreundlich, da sie anders als Kohle- und Gaskraftwerke praktisch kein Treibhausgas ausstoßen. Ihr Wegfall würde daher zu einem stärken Bedarf vor allem an Gas-Kraftwerken führen, da der wachsende, aber schwankende Ökostrom so schnell keinen Ausgleich schaffen könne, sagen die Kritiker. Der Treibhausgas-Ausstoß der Energiebranche wird in Europa allerdings über den Handel mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten gesteuert. Diese Rechte werden von Jahr zu Jahr verknappt, darauf hat aber Deutschland allein keinen Einfluss. Befürchtungen, der Preis der CO2-Rechte werde durch den Atomausstieg stark steigen, bewahrheiteten sich auch nicht. Im Gegenteil: Die Rechtepreise sind stark gefallen. Da sie in die Stromtarife einfließen, wirken sie hier eher dämpfend.            

Der Verband der großen Stromverbraucher, der VIK, hat in einer Studie allerdings kürzlich die deutschen Preise mit denen in Skandinavien und Großbritannien verglichen. Bis zur Atomwende hatten sich die Preise parallel entwickelt, seitdem müsse aber in Deutschland vergleichsweise mehr gezahlt werden. Die Preise hätten also laut VIK mit Atomkraft noch niedriger als derzeit sein können.     

Versorgungssicherheit 

Bei AKW-Abschaltung droht Blackout: Diese Warnung stand ebenfalls im Raum, allerdings gingen die Lichter im Frühjahr trotz des abrupten Endes der Alt-AKW nicht aus. Auch die damals oft zitierte Stromlücke wird kaum noch erwähnt. Deutschland blieb 2011 - wenn auch auf geringerem Niveau - Netto-Exporteur von Elektrizität.         

Da die überwiegende Zahl der abgeschalteten AKW aber im südlichen Deutschland steht, hatte dies Folgen: Die Netzbetreiber und auch die Netzagentur warnten vor einem Blackout vor allem in dieser Region an extrem kalten Wintertagen ohne Solar- und Windstrom. Zumindest für diesen und den nächsten Winter wurden so eingemottete Kraftwerke als Reserve bereitgestellt und teils eingesetzt, obwohl an vielen Tagen Strom etwa in das von Atomstrom abhängige Frankreich exportiert wurde.          

Das Problem ist aber älter als der Atomausstieg: Auch Kohlekraftwerke wurden zunehmend an der Küste geplant und gebaut, um Import-Kohle nicht weit transportieren zu müssen. Ebenso wie der Wind aus Offshore-Windparks muss er in die Industriezentren im Süden und Westen gebracht werden. Es fehlen Tausende Kilometer Leitungen, vor allem um den wachsenden Ökostrom-Anteil zu verteilen. Doch auch dafür ist der Atomausstieg nicht verantwortlich: Die Ausbauziele für Energie aus Wind, Wasser oder Sonne hatte die Regierung nicht erhöht.

Quelle: n-tv.de