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Maiduguri unter Beschuss Boko Haram greift Millionen-Stadt an

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Auch für diesen Autobombenanschlag vor einem Jahr in Maiduguri wurde die Boko Haram verantwortlich gemacht.

AP

Bereits vor einer Woche versucht die islamistische Terrormiliz Boko Haram die nigerianische Stadt Maiduguri einzunehmen. Jetzt greifen sie wieder mit Artellerie an. Die Metropole wäre ein großer symbolischer Gewinn - die Terroristen haben Großes mit ihr vor.

Die islamistische Terrororganisation Boko Haram hat erneut die Millionenstadt Maiduguri im Nordosten Nigerias angegriffen. Seit dem Morgen sei schweres Artillerie-Feuer aus der Stadt zu hören, berichtete die Zeitung "Premium Times". Die Extremisten hätten versucht, durch den Vorort Dalwa nach Maiduguri einzudringen, sagte ein Soldat. Augenzeugen berichteten, die Armee setze Kampflugzeuge ein.

Die Offensive auf Maiduguri begann nach Angaben mehrerer Bewohner der Stadt gegen 3 Uhr nachts. Es seien schwere Explosionen und Schüsse zu hören gewesen, als die Kämpfer versuchten, von Süden her in die Stadt einzudringen. Die von einer Bürgerwehr unterstützte nigerianische Armee habe die Angreifer zurückschlagen können. Daraufhin habe Boko Haram einen weiteren Angriff im Osten der Stadt gestartet. "Die Kämpfe dauern an", sagte Anwohner Bukar Mungono.  "Die ganze Stadt hat Angst", sagte der Bewohner Adam Krenuwa. "Die Leute haben Angst davor, was passiert, wenn Boko Haram die Sicherheitskräfte besiegt."

Kontrolle über Gebiet so groß wie Belgien

Kämpfer der Boko Haram hatten Maiduguri erstmals vor einer Woche angegriffen, doch nigerianische Soldaten drängten sie zurück.In der Stadt leben rund 1,2 Millionen Menschen. Die Gruppe terrorisiert seit Jahren den Norden Nigerias und angrenzende Gebiete. Sie beherrscht derzeit ein Gebiet von der Größe Belgiens, das jedoch vor allem ländliche Regionen entlang der Grenze zu Kamerun und dem Tschad umfasst, und hätte Maiduguri gern als Hauptstadt ihres Islamistenstaates. Schätzungen zufolge sind dabei seit 2009 mehr als 13.000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als eine Million Menschen sind vor den Kämpfen in andere Landesteile oder Nachbarländer geflohen.

Experten hatten mit einer neuen Offensive auf Maiduguri vor der Präsidentschaftswahl in Nigeria am 14. Februar gerechnet. Eine Einnahme der Stadt durch Boko Haram würde eine schwere Niederlage für die nigerianischen Streitkräfte bedeuten - und wahrscheinlich eine humanitäre Katastrophe auslösen. In der Stadt haben hunderttausende Menschen aus anderen Teilen von Borno Zuflucht vor Boko Haram gesucht. Die Einwohnerzahl soll sich in den vergangenen Monaten auf mehr als zwei Millionen verdoppelt haben. Boko Haram kontrolliert Schätzungen zufolge bereits mindestens die Hälfte von Borno sowie Gebiete in den benachbarten Bundesstaaten Adamawa und Yobe.

Die Afrikansiche Union baut eine Einsatztruppe auf

Die Streitkräfte des Tschad töteten unterdessen nach eigenen Angaben in Kamerun 120 Kämpfer von Boko Haram. Das Militär habe am Samstag Stellungen der Gruppierung bombardiert, teilte die Armee mit. Vorausgegangen seien Angriffe der Extremisten auf Truppen des Tschad. Bei den Kämpfen seien auch drei eigene Soldaten getötet worden. Boko Haram kämpft seit rund fünf Jahren für einen radikal-muslimischen Staat im Nordosten Nigerias und hat zuletzt verstärkt auch Gebiete in den Nachbarländern Tschad und Kamerun angegriffen. Die beiden Staaten haben daher ihre Truppen in der Region verstärkt.

Die Afrikanische Union (AU) hat zum Kampf gegen die Islamisten-Miliz den Aufbau einer 7500 Mann starken Sondereinsatztruppe beschlossen, die von Nigeria, dem Tschad, Kamerun, Niger und Benin gebildet werden soll. Die Staaten wollen in der kommenden Woche bei einem Treffen in Kameruns Hauptstadt Yaounde über die Kommandostruktur der Truppe beraten. Die Armee des Tschad gilt als eine der stärksten in der Region. 2013 half sie französischen Truppen, Islamisten mit Verbindungen zu Al-Kaida aus dem Norden Malis zu vertreiben.

Quelle: n-tv.de, dka/dpa/AFP/rts

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