Politik

Erneut UN-Schule in Gaza beschossen Bombennächte werden zu grausigem Alltag

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Fast schon ein normaler Anblick: Exlosionen im Gazastreifen, hier nach einem Luftschlag.

(Foto: dpa)

Fast jede Nacht beschießt die israelische Armee Ziele im Gazastreifen. Nur die Zahl der Toten ändert sich: Diesmal sind es mehr als 30. Zwei südamerikanische Staaten rufen deshalb ihre Botschafter aus Israel zurück und verurteilen die "kollektive Bestrafung der Palästinenser". Aber auch in Tel Aviv heulen die Sirenen.

Ein Ende des Blutvergießens ist auch zu Beginn der vierten Kampfwoche im Gazakonflikt nicht in Sicht. Die israelische Luftwaffe setzte auch am frühen Mittwochmorgen ihre Angriffe auf den Gazastreifen fort. Nach israelischen Medienangaben wurden zu Beginn des 23. Tags der Militäroperation gegen palästinensische Extremisten Dutzende "Terrorziele" bombardiert. Beim Beschuss einer Schule der UN-Hilfsorganisation UNRWA wurden nach palästinensischen Angaben im Flüchtlingslager Dschabalia im nördlichen Gazastreifen 20 Menschen getötet. Mehr als 50 seien verletzt worden, sagte der Sprecher der palästinensischen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra. Bei israelischen Angriffen anderswo im Gazastreifen starben nach palästinensischen Angaben elf Menschen, mehr als 20 wurden verletzt. Auch in Israel gab es Raketenalarm.

Der Militärchef der Hamas machte eine Waffenruhe im Gazakonflikt vom Ende der israelischen Militäroffensive abhängig. Auch die Blockade der Enklave müsse aufgehoben werden, sagte Mohammed Deif in einer über den TV-Sender der Hamas verbreiteten Audio-Botschaft. Es war die erste öffentliche Äußerung des Anführers des bewaffneten Flügels der radikal-islamischen Organisation, den Kassam-Brigaden, seit Beginn der Offensive vor mehr als drei Wochen. Die radikal-islamische Hamas dementierte eine Mitteilung des PLO-Funktionärs Jasser Abed Rabbo, wonach die militanten Palästinenser-Fraktionen in Gaza einer 72-stündigen Waffenruhe zugestimmt hätten. Das sei erst denkbar, wenn sich auch Israel dazu verpflichte und es internationale Garantien gebe, sagte ein Hamas-Sprecher. Der israelische Regierungssprecher Mark Regev sagte dem US-Fernsehsender CNN, die Hamas sei für alle Toten auf Seiten der Palästinenser und Israels verantwortlich, da sie dafür Sorge, dass der Konflikt weiter gehe.

"Kollektive Bestrafung" der palästinensischen Bevölkerung

Chile und Peru riefen wegen der Verschärfung der israelischen Militäroperationen im Gazastreifen ihre Botschafter in Israel zu Konsultationen zurück. Chile beobachte mit großer Sorge die Einsätze, die derzeit eine "kollektive Bestrafung" der palästinensischen Bevölkerung darstellten, hieß es in einer Mitteilung des chilenischen Außenministeriums. Die Militäroperationen respektierten keine Normen des internationalen Menschenrechtes, wie die mehr als 1000 zivilen Opfer, darunter Frauen und Kinder, zeigten. Ähnlich äußerte sich das peruanische Außenministerium, das die Unterbrechung des Waffenstillstandes durch neue israelische Militäroperationen "zutiefst" bedauerte. Die fünf Staaten des südamerikanischen Mercosur-Blocks riefen indes bei ihrem Gipfel in Caracas zum sofortigen Waffenstillstand im Gazastreifen auf. "Wir glauben, dass der israelisch-palästinensische Konflikt das Potenzial hat, die ganze Region zu destabilisieren", sagte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff.

Seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli starben nach neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza mehr als 1240 Menschen, über 7000 wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben 53 Soldaten und 3 Zivilisten. Wie der Sprecher des UN-Hilfswerks UNRWA, Chris Gunness, mitteilte, starben auch fünf UN-Mitarbeiter. Israel begründet seine Offensive mit dem anhaltenden Raketenbeschuss radikaler Palästinenser. Zerstört werden soll auch das Tunnelsystem der Hamas.

Einziges Kraftwerk des Gazastreifens in Brand gesetzt

Nach den schlimmsten Bombardierungen seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen machen sich zunehmend Panik und Verzweiflung in der Enklave breit. Immer mehr verängstigte Menschen versuchten, dem Inferno zu entrinnen. Sie flohen in eine von 85 UN-Einrichtungen, die als Notunterkünfte dienen. Die Zahl der Schutzsuchenden gab Gunness mit mehr als 200.000 an. Das waren fast 20.000 mehr als noch am Morgen. Aber auch dort ist es nicht immer sicher.

So fanden UN-Mitarbeiter in einer von ihnen verwalteten Schule ein Waffenlager. Die Weltorganisation beschuldigte militante Palästinenser, "die Neutralität einer unserer Einrichtungen verletzt" zu haben. Die Schule werde derzeit nicht genutzt. Die israelische Armee hatte wiederholt auch Schulen oder Moscheen nach einer kurzen Vorwarnung angegriffen, wenn sie dort Waffenlager vermutete. Der israelische Rundfunk berichtete, dass erneut Waffen in einer UNRWA-Schule in Gaza gefunden worden seien. Das sei der dritte Fund dieser Art in zwei Wochen gewesen. Die UN-Organisation verurteilte den Vorfall, berichtete die Zeitung "Jerusalem Post" online.

Zudem wurde auch noch das einzige Kraftwerk des Gazastreifens von Granaten in Brand gesetzt. In weiten Teilen des Gebiets fiel der ohnehin nur stundenweise zur Verfügung stehende Strom ganz aus. Palästinenser und Israelis bezichtigten sich gegenseitig, die Geschosse abgefeuert zu haben.

Quelle: ntv.de, jve/dpa

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