Politik

Lügen über Aserbaidschan? Botschaft wittert Kampagne

Mit einer scharf formulierten Presseerklärung protestiert die Botschaft Aserbaidschans in Berlin gegen die Berichterstattung der deutschen Medien über das Land. Bemerkenswert: Sieben Mal kommt in dem Text das Wort "Kampagne" vor.

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Solche Bilder will die aserbaidschanische Regierung sehen: Die Baku Crystal Hall, hier auf einer Computergrafik, in der das ESC-Finale ausgetragen wird.

(Foto: picture alliance / dpa)

Vor dem Finale des Eurovision Song Contest Ende Mai hat Gastgeber Aserbaidschan deutschen Politikern und Medien eine Schmutzkampagne gegen das Land vorgeworfen. "Der Inhalt der während der Kampagne verbreiteten Materialien zeigt klar, dass einige Kreise in Deutschland vorhaben, dem Image Aserbaidschans einen Schaden zuzufügen", heißt es in einer Pressemitteilung der aserbaidschanischen Botschaft in Berlin.

Seit dem Sieg Aserbaidschans im Eurovision Song Contest werde "eine systematische Kampagne gegen Aserbaidschan geführt", schreibt die Botschaft weiter. Namentlich erwähnt die Botschaft den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), und den SPD-Bundestagsabgeordneten Christoph Strässer. "Die deutschen Medien", so heißt es weiter, "leisten ebenfalls Unterstützung für diese Kampagne".

Zuvor hatte die deutsche Botschaft in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku Behauptungen zurückgewiesen, dass die Bundesregierung die deutschen Medienberichte über Aserbaidschan in eine bestimmte Richtung lenken könne. Die aserbaidschanische Botschaft betont nun ihrerseits, dass die Presse in Aserbaidschan "wie in Deutschland" frei sei. "Das bedeutet, dass die Regierung keine Befugnisse besitzt, auf die Medien Einfluss auszuüben." Konkret erwähnt wird die aserbaidschanische Zeitung "Yeni Azerbaijan", das Parteiblatt der gleichnamigen Regierungspartei. Laut Reporter ohne Grenzen sind rund 80 Prozent der Zeitungen und Zeitschriften in Aserbaidschan in staatlicher Hand.

Die Presseerklärung der aserbaidschanischen Botschaft, deren Öffentlichkeitsarbeit von der Berliner Agentur Consultum Communications unterstützt wird, endet mit dem Hinweis, dass die "Kampagne", die "voll von Verleumdungen und Täuschungen" sei, "nichts an der Beziehung des deutschen Volkes gegenüber Aserbaidschan verändern" könne. Und weiter: "Diejenigen, die diese Kampagne führen, können ihr Ziel nicht erreichen, den seit Jahren gefestigten aufrichtig freundschaftlichen Beziehungen und der Kooperation zwischen Aserbaidschan und Deutschland einen Schaden zuzufügen."

Der Koordinator der aserbaidschanischen Initiative "Sing for Democracy", Rasul Jafarov, hatte Anfang März im Interview mit n-tv.de darauf hingewiesen, dass die Regierung in Baku "langsam wirklich wütend auf Deutschland" sei. Es gebe eine "regelrechte Schmutzkampagne" gegen Deutschland.

Quelle: ntv.de, hvo/dpa