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Rolle des Ex-Bundeskanzlers im Nahost-Konflikt Brandt versagte Israel die Hilfe

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Brandt reiste als erster Deutscher Bundeskanzler nach Israel.

(Foto: AP)

Historiker arbeiten die Beziehungen zwischen Deutschland und Israel in der frühen 70er Jahren auf und konstatieren: Der ehemalige Bundeskanzler Willy Brandt hätte mehr tun und unter Umständen einen Krieg verhindern können.

Der frühere deutsche Bundeskanzler Willy Brandt hat nach Ansicht von Historikern vor 40 Jahren eine Friedensinitiative Israels ins Leere laufen lassen. Das hat die Auswertung von Dokumenten aus Deutschland und Israel ergeben, die nun zur Veröffentlichung freigegeben wurden, wie die "Welt am Sonntag" berichtete.

Hagai Tsoref vom israelischen Staatsarchiv und der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn kommen demnach zu dem Schluss, dass die damalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir Brandt vor dem Jom-Kippur-Krieg im Jahre 1973 gebeten habe, in Ägypten persönlich Israels Friedenswillen zu betonen und geheime Gespräche anzubieten. Dies habe Brandt jedoch nicht getan.

Meir setzte auf den Falschen

Brandt hatte Israel im Juni 1973 als erster deutscher Bundeskanzler besucht. Golda Meir habe ihm erklärt, dass Israel bereit sei, für einen Frieden mit Ägypten die im Sechs-Tage-Krieg von 1967 eroberten Gebiete auf der Sinai-Halbinsel zu räumen. Brandt sei aber nicht bereit gewesen, selbst nach Kairo zu reisen, und habe stattdessen den Ministerialdirektor im Auswärtigen Amt, Lothar Lahn, geschickt. Dieser sei jedoch von dem Sicherheitsberater des damaligen ägyptischen Präsidenten und Anhänger des arabischen Nationalismus Sadat "regelrecht abserviert" worden. Lahn habe die Botschaft zudem nur widerwillig überbracht.

Tsoref und Wolffsohn, der bis zum vergangenen Jahr an der Bundeswehruniversität München lehrte, kamen zu der Schlussfolgerung, dass es "eine, wenn nicht sogar die letzte Möglichkeit (war), den Jom-Kippur-Krieg zu verhindern".

Für Brandt war Israel ein Störfaktor

Die beiden Historiker legen nahe, Brandt habe Israel als Störfaktor wahrgenommen. Grundsätzlich habe er kein großes Interesse an engen Kontakten zu Israel gehabt. Das entsprach der Mehrheitsmeinung der SPD-Basis. Einer der Gründe dafür war der 1968 einsetzende Zustrom aus den Reihen der neulinken, außerparlamentarischen Opposition, die zionismusfeindlich war und dem Staat der Juden zumindest skeptisch gegenüberstand.

Brandt war außerdem prinzipiell nicht bereit, in Nahost zu vermitteln. Die Bundesrepublik werde sich dabei überheben, meinte er. Er übertrug die von Golda Meir als Chefsache gedachte Initiative dem Auswärtigen Amt, das nicht israelfreundlich war und die arabische Welt favorisierte.

Israel konnte während des Kriegs im Oktober Angriffe der Ägypter und Syrer nur unter schweren Verlusten abwehren. 1979, fünfeinhalb Jahre nach dem Krieg, unterzeichnete Ägypten als erstes arabischen Land einen Friedensvertrag mit Israel.

Quelle: n-tv.de, dpa

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