Politik

AKW mit deutscher Hilfe Brasilien wird Angra 3 bauen

Brasilien wird nach 21 Jahren Stillstand das umstrittene Atomkraftwerk Angra 3 mit deutscher Hilfe fertigstellen. Das beschloss der Nationale Rat für Energiepolitik (CNPE) in Brasilia. Staatspräsident Luiz Lula da Silva, der sich schon mehrfach für eine Fertigstellung ausgesprochen hat, muss die Entscheidung des CNPE noch bestätigen. Umstritten ist das im Südwesten des Bundesstaates Rio de Janeiro gelegene Angra 3 unter anderem, weil sich in der Nähe ein Naturparadies befindet und weil es sich laut Experten um ein potenzielles Erdbeben- und Erdrutschgebiet mit schlechten Bodenverhältnissen handelt.

Das AKW soll im Jahr 2013 in Betrieb gehen und eine Leistung von 1350 Megawatt haben. Angra 3 soll vom Atom- und Windkraftkonzern Framatome fertiggebaut werden, an dem Siemens und die staatliche französische Areva beteiligt sind. Zur Fertigstellung des Projekts sind nach amtlichen Angaben Investitionen von umgerechnet 2,9 Milliarden Euro vorgesehen. Der Bau war 1984 begonnen und zwei Jahre später gestoppt worden. Das Projekt ist Teil des 1975 unterzeichneten Atomabkommens zwischen der damaligen Bundesregierung in Bonn und der damaligen Militärdiktatur in Brasilien.

Das mit deutscher Hilfe (Siemens/KWU) errichtete brasilianische Atomkraftwerk Angra 2 ging im Jahre 2000 mit einer Leistung von 1275 Megawatt nach 25-jähriger Bauzeit ans Netz. Angra 1 mit einer Leistung von 626 Megawatt wurde von den USA (Westinghouse) gebaut. Das deutsch-brasilianische Atomabkommen ist 2004 für weitere fünf Jahre verlängert worden.

Umweltschützer erbost

Die Entscheidung zu Angra 3 wird als schwere Niederlage von Umweltministerin Marina Silva gewertet, die sich gegen die Fertigstellung ausgesprochen hatte, wenn man nicht wisse, was man mit dem Atommüll machen werde. Bis 2030 will Brasilien nach einer früheren Entscheidung vier bis acht weitere AKWs bauen. Im Mai vergangenen Jahres war dort eine Anlage zur Urananreicherung in Betrieb genommen worden. Anders als bei der Urananreicherung im Iran hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien nach Überprüfung der Anlage mitgeteilt, es gebe keine Bedenken wegen einer möglichen militärischen Nutzung der Technik.

Das brasilianische Atomprogramm stammt aus der Zeit der Militärdiktatur (1964 bis 1985). Die Generäle ließen unter anderem einen Geheimplan für die unterirdische Testzündung eines Atomsprengsatzes im Regenwald des Amazonas entwickeln. Diese Pläne wurden 1990 offiziell für hinfällig erklärt.

Quelle: ntv.de