Politik

Kanzlerin stürzt beim Langlauf Bruch des Beckenrings heilt meist folgenlos

Die Ski-Verletzung von Kanzlerin Merkel hemmt nicht nur sie selbst, sondern auch den politischen Betrieb. Die CDU verschiebt eine Klausurtagung, die fürs Wochenende angesetzt war. Das könnte noch einige Wochen so weitergehen, wie Aussagen einer Ärztin nahelegen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich im Skiurlaub im schweizerischen St. Moritz beim Langlauf verletzt. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert hat sie einen "unvollständigen Bruch des linken hinteren Beckenringes" erlitten. Daneben zog sie sich mehrere schwere Prellungen zu. "Sie ist hingefallen. Beim Langlauf. Wir gehen von niedriger Geschwindigkeit aus", sagte Seibert.

Merkel wird sich mehrere Wochen lang schonen müssen. Ihre Blessuren machten es nötig, "dass sie drei Wochen lang viel liegt beziehungsweise eine Gehhilfe benutzt. Sie wird sich daher auf einige wenige Termine im  Bundeskanzleramt und in Berlin konzentrieren", gab Seibert bekannt.

Die Chirurgin Julia Seifert macht Merkel Mut. "In der Regel verheilt das folgenlos", sagte die Leitende Oberärztin des Berliner Unfallkrankenhauses. Die Brüche seien in einem Bereich, in dem viel weicher Knochen sei, der schnell verheilen könne.

Allerdings müsse die Kanzlerin einige Zeit mit Schmerzen leben. "Die nehmen mit der Zeit ab, aber im Zeitraum von zwei bis vier Wochen kann das sehr unangenehm sein." Seifert rechnet nicht damit, dass Merkel strenge Bettruhe verordnet wird. "Bewegung ist wichtig für den Kreislauf und gegen Thrombose", so die Ärztin.

CDU-Treffen vertagt

3g3n5457.jpg7434515975882126883.jpg

Schon 2011 musste Merkel einmal mit Krücken zum Regieren erscheinen.

(Foto: dpa)

Der Unfall ereignete sich während der Weihnac htsferien noch im alten Jahr im Engadin. Wann genau Merkel stürzte, wurde nicht bekannt. Zunächst war sie nur von einer Prellung ausgegangen. Erst nach einer medizinischen Untersuchung am Freitag vergangener Woche stellte sich heraus, dass es sich um eine "Infraktion" handelt. Von einer Infraktion sprechen Ärzte, wenn Knochen angebrochen, aber nicht durchbrochen sind.

Die Verletzung zwingt Merkel nun dazu, ihre Arbeit vorwiegend von zu Hause aus zu erledigen. Die nächste Kabinettssitzung will Merkel aber auf jeden Fall persönlich leiten. Ins Krankenhaus muss die 59-Jährige nicht.

Als Reaktion auf Merkels Verletzung sagte die CDU die für Freitag und Samstag geplante Klausurtagung in Erfurt ab. Traditionell beginnen die Unions-Parteien das Jahr mit Klausurtagungen. Die CSU trifft sich vom 7. bis 9. Januar in Wildbad Kreuth. Der CDU-Bundesvorstand wollte im Anschluss und mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Thüringen in Erfurt tagen. Wann die Klausurtagung nachgeholt wird, stehe noch nicht fest, teilte ein Parteisprecher mit.

Polen-Besuch fällt aus

Abgesagt werden muss unter anderem aber ein für Mittwoch geplanter Antrittsbesuch von Merkel in Polen und der Empfang des neuen luxemburgischen Ministerpräsidenten Xavier Bettel in Berlin. Am Dienstag allerdings will Merkel in Berlin die Sternsinger empfangen. Die weiteren Termine, die die Kanzlerin wahrnehmen kann, sollen Woche für Woche bekannt gegeben werden.

SPLASH_671821_014_AngelaMerkelimSkiurlaub2013.jpg

Merkel am 22. Dezember 2013 in der Schweiz.

(Foto: Splash News)

Der Beckenring verbindet die Beine mit dem Rumpf. Er wird auch Beckengürtel genannt und besteht aus mehreren Knochen, die fest miteinander verbunden sind: dem Hüftbein mit dem Schambein, Sitzbein und Darmbein sowie dem Kreuzbein, auf das sich die Wirbelsäule stützt. Gemeinsam stützen diese Knochen die Eingeweide.

Bei einem Beckenring-Bruch kann der Beckenring entweder komplett brechen, oder Verbindungen zwischen den Knochen werden gesprengt. Das Becken wird dadurch instabil und muss unter Umständen operiert werden. Zudem müssen die Patienten, wie nun auch Merkel, längere Zeit liegen. Stabile Brüche etwa des Scham- oder Sitzbeins heilen dagegen oft von alleine und müssen nicht operiert werden.

In ihrer bisherigen Amtszeit war Merkel von längeren Ausfällen verschont geblieben. Im April 2011 musste sie am Knie operiert werden. Grund war ein Riss am Innenmeniskus, daraufhin musste sie einige Tagen Krücken benutzen.

Kanzlerin im WinterurlaubStepMap
*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, vpe/nsc/dpa