Politik

Herrscher tot Brüder kämpfen um Ras al-Chaima

2010-10-27T072611Z_01_DUB01_RTRMDNP_3_EMIRATES-RAK.JPG2966714234838286917.jpg

Scheich Sakr bin Mohammed al-Kasimi, Herrscher von Ras al-Chaima, ist tot.

(Foto: REUTERS)

In dem kleinen Golfemirat Ras al-Chaima kämpfen zwei Halbbrüder um den Thron. Der Konflikt hat nicht nur regionale Bedeutung. Es geht auch um den freien Zugang zum Öl und die Irak-Sanktionen.

Ras al-Chaima hat kaum Öl. Da das kleine Emirat aber an einem der wichtigsten Schifffahrtswege der Welt liegt, interessieren sich auch Washington und Teheran dafür, wer dort nach dem Tod von Scheich Sakr regieren wird. Darüber gibt es Streit in der Herrscherfamilie.

Der greise Herrscher von Ras al-Chaima, Scheich Sakr bin Mohammed al-Kasimi, stirbt im Morgengrauen. Sein Tod am 27. Oktober 2010 ist der Beginn einer neuen Runde des erbitterten Bruderkampfes zwischen seien beiden Söhnen Chalid und Saud. Noch bevor der Vater beigesetzt wird, wendet sich Scheich Chalid auf seiner Website an das Volk von Ras al-Chaima. Darin erhebt er Anspruch auf den Thron und kündigt für die kommenden Wochen, "Gespräche mit der Familie, den Freunden und dem Rat der Herrscher der Emirate" an.

Chalid intrigiert aus Oman

Zwar meldet die staatliche Nachrichtenagentur der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) schon kurz nach dem Ableben von Scheich Sakr, Saud sei zum neuen Herrscher bestimmt worden und genieße "die volle Unterstützung" der Herrscher der sechs anderen Emirate.

15284342.jpg

Ras al-Chaima gehört zu den Arabischen Emirate.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch sein Halbbruder Chalid will sich nicht so schnell geschlagen geben. Er hat bis heute nicht verwunden, dass ihn sein Vater vor sieben Jahren als Kronprinz abgesetzt und durch den jüngeren Saud ersetzt hatte. Er lebt im Exil im benachbarten Oman und versucht seit Jahren, gegen Saud zu intrigieren.

Spiel mit Terrorismus

Britische Medien berichteten in diesem Sommer, Scheich Chalid habe mehrere Millionen US-Dollar für eine internationale Propagandakampagne gegen Scheich Saud bezahlt. In Washington sollte demnach der Eindruck erzeugt werden, Ras al-Chaima unterlaufe die Sanktionen gegen den Iran und sei ein Transitort für islamistische Terroristen.

Ras al-Chaima liegt an der Straße von Hormus, einer strategisch wichtigen Meerenge, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean verbindet. Rund 20 Prozent aller Erdöltransporte passieren diesen Schifffahrtsweg. Auf der anderen Seite der Wasserstraße liegt der Iran, der für Ras al-Chaima ein wichtiger Wirtschaftspartner ist. Gleichzeitig ist das Verhältnis zwischen dem Emirat und dem Regime in Teheran aber angespannt, da der Iran seit 1971 drei Inseln kontrolliert, von denen Ras al-Chaima zwei und das Emirat Scharjah eine für sich beansprucht.

Vater setzt ältesten Sohn ab

Was den Herrscher von Ras al-Chaima 2003 dazu bewogen hat, seinen ältesten Sohn als Kronprinzen abzusetzen, wurde offiziell nie mitgeteilt. Arabische Beobachter meinen jedoch, Scheich Chalid habe damals versucht, alle Projekte zu behindern, die sein Bruder Saud als Bürgermeister von Ras al-Chaima angestoßen habe. Dieser habe sich darüber bei seinem Vater beschwert, der Chalid daraufhin von der Nachfolge ausgeschlossen habe.

Fest steht auf jeden Fall, dass es Scheich Saud und dessen Bruder Faisal in den vergangenen Jahren gelungen ist, ausländische Investoren nach Ras al-Chaima zu locken. Auch mehr als 200 deutsche Firmen haben sich in dem Null-Steuer-Emirat niedergelassen. Die Mieten sind in Ras al-Chaima, wo etwa 230.000 Menschen leben, deutlich niedriger als in den Emiraten Dubai und Abu Dhabi. Außerdem steht man hier nicht ständig im Stau.

Quelle: ntv.de, Anne-Beatrice Clasmann, dpa