Politik

Nach der Wahl ist vor der Wahl "CDU-Mutter" Merkel will Ruhe

Angela Merkel kann keinen Zwist in der CDU gebrauchen. Nicht vor dem Super-Wahljahr 2011. Deshalb stellt sie sich vor Finanzminister Schäuble. Die Parteispitze demonstriert Zuversicht statt Streit.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die Sonne scheint den Unmut in der CDU beim Parteitag in Karlsruhe einfach zu überstrahlen. Zum Auftakt sind die Gefühle in der Partei jedoch weniger sonnig, sondern sehr gemischt. Es grummelt an manchen Ecken und Enden. Der neue Streit zwischen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und dem Wirtschaftsflügel über Steuererleichterungen, das Unverständnis über Schäubles Kritik vor laufenden Kameras an seinem Sprecher hat neue Unruhe gebracht.

Parteichefin Angela Merkel zeigt sich demonstrativ locker am Tag vor der Wahl der gesamten CDU-Spitze, bei der auch Schäuble wieder antritt. Wie viel Rückendeckung hat er noch in der Partei? Merkel: "Große. Da bin ich ganz sicher." Wie lange das noch so ist, kann auch sie nicht sagen.

Angela Merkel, die "Mutter" der Partei, muss in Karlsruhe für Ruhe sorgen. Nicht nur, weil die Kanzlerin zur Wiederwahl als CDU-Chefin steht, sondern auch weil in vier Monaten wichtige Landtagswahlen anstehen, vor allem in Baden-Württemberg. Sie steckt im Dilemma, weil sie es in ihrer Partei allen Flügeln recht machen muss.

Parteispitze erfährt Runderneuerung

Alle in der Partei blicken an diesem Montag auf ihre Vorsitzende: Wie gut wird ihr Wahlergebnis sein? Es könnte so sein, wie es viele in der Partei prognostizierten: Wenn es drauf ankommt, dann steht die CDU zusammen, Zwist hin oder her. Unisono wollen viele CDU- Führungspolitiker am Sonntag Zuversicht verbreiten.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus lässt sich nach seiner Kritik an Folgen des schlechten Images der Koalition in Berlin auf das "Ländle" sogar zu Lob hinreißen. Für Merkel: Sie macht "einen tollen Job". Für Schäuble: "Wir brauchen ihn auch weiterhin." Er nennt ihn einen der brillantesten Köpfe. Und nochmal für die gesamte Koalition im Bund: "Jeder kann sehen, dass es seit Sommer richtig gut läuft."

Die CDU steht in Karlsruhe vor einer Wegmarke. Die Führung wird fast komplett runderneuert: Die "alten Hasen" Roland Koch, Jürgen Rüttgers und Christian Wulff sind nicht mehr im Präsidium, weil sie - wie Koch - in die Wirtschaft, - wie Wulff - ins Bundespräsidialamt oder - wie Rüttgers - nach der NRW-Wahl in die politische Tiefebene gewechselt sind. Hinzu kommen voraussichtlich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen, Umweltressortchef Norbert Röttgen und Hessens neuer Ministerpräsident Volker Bouffier. Von der Leyen und Röttgen gelten als Reformer in Merkels Sinne, Bouffier als Konservativer.

Doppelter Applaus

Von der Leyen will nicht nur im Galopp an die Parteispitze. Die begeisterte Reiterin will auch Reit-Tugenden auf die CDU übertragen: "Das Schöne am Reiten ist das gemeinsame Tanzen, das Erreichen eines gemeinsamen Ziels. Das funktioniert nur als Folge eines langen Prozesses, in dem Vertrauen, Treue und Zuverlässigkeit eine Rolle spielen", sagt sie der "Zeit".

Wie groß die Treue für Merkel und Schäuble ist, wird an diesem Montag feststehen, wenn beide wieder als Parteichefin und Präsidiumsmitglied antreten. Applaus gab es in Karlsruhe jedenfalls schon: Eine Touristengruppe klatschte, als Merkel in das Vorstandshotel ging. Der andere Applaus war allerdings für den frisch gebackenen neuen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel.

Quelle: n-tv.de, Marc-Oliver von Riegen, dpa