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Ländereien weltweit im Visier China wird zur Kolonialmacht

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Die Landwirtschaft in China ist ein hartes Geschäft.

(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

In zunehmendem Maße kaufen Staatsfonds aus China Ländereien in Afrika und Südamerika auf. Auf den Plantagen wächst zumeist Getreide für die eigene Bevölkerung. Die Afrikaner arbeiten für Hungerlöhne, die Lebensmittel werden komplett nach China verschifft. Pikantes Detail: China kauft oder pachtet nur die fruchtbaren Länderein im Uferbereich großer Flüsse. Den Afrikanern bleibt das dürre Hinterland.

Nach einer Studie im Auftrag der Deutschen Bank muss die Menge der weltweit produzierten Lebensmittel bis 2050 verdoppelt werden. Anders werde die Weltbevölkerung nicht ernährt werden können, heißt es in der Untersuchung, die in Brüssel veröffentlicht wurde.

Hintergrund sei das rasche Bevölkerungswachstum. Demnach werde die Weltbevölkerung bis 2050 von derzeit sechs auf neun Milliarden Menschen ansteigen. Außerdem werde diese Bevölkerung wohlhabender sein und höhere Ansprüche an ihre Ernährung stellen. So würden in Zukunft mehr Fleisch- und Milchprodukte konsumiert, für die mehr Tierfutter hergestellt werden müsse. In China lasse sich dieser Trend bereits beobachten.

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Die Wüste im Norden Chinas weitet sich rasant aus.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Die steigende Nachfrage kann der Studie zufolge durchaus bewältigt werden, obwohl derzeit laut Vereinten Nationen rund eine Milliarde Menschen hungere. "Es gibt genug Lebensmittel auf der Welt, sie sind nur sehr ungleich verteilt", schrieb Claire Schaffnit-Chatterjee, Autorin der Studie. Erschwert werde die Steigerung der Lebensmittelherstellung aber vor allem durch den Klimawandel und eine zunehmende Verschlechterung der Bodenqualität durch den Anbau von Monokulturen.

Selbstversorgung funktioniert

Das Pekinger Regime war viele Jahre lang darauf angewiesen, mit Zukäufen und Spenden aus dem Ausland das Milliarden-Volk zu ernähren. Deshalb verfolgte es die Strategie, massiv im Ausland in die sichere Nahrungsmittelversorgung der eigenen Bevölkerung zu investieren. Geld spielt dabei keine Rolle. Der Aufwand bleibt vergleichsweise gering, um sich in die afrikanische Landwirtschaft einzukaufen. Da Kolonialismus offiziell verboten ist, werden die Flächen meist für Jahrzehnte gepachtet oder in Tauschgeschäften gehandelt. Tausende Chinesen bilden die Afrikaner zu Bauern aus, und lassen diese auf "ihren" Farmen arbeiten. Im Gegenzug erhoffen sich Länder wie Mosambik technisches Know-how aus China. Immerhin sind rund 40 Prozent aller Bauern weltweit Chinesen. China selbst verfügt aber nur über etwas weniger als zehn Prozent der weltweiten Agrarflächen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen haben allein in den vergangenen vier Jahren private Investoren und Regierungen 20 Millionen Hektar Ackerland in unterentwickelten Ländern gekauft oder für Jahrzehnte gepachtet. Das entspricht einem Fünftel der Ackerfläche der gesamten EU. Dabei sind noch nicht einmal die jüngsten Offerten eingerechnet. Das Geschäft scheint aufzugehen, denn Peking ist stolz darauf, als erstes Entwicklungsland überhaupt den eigenen Lebensmittelbedarf zu decken.

Jetzt auch noch Öl

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Ölförderung im Nigerdelta.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der rasante Anstieg der Bevölkerungszahl in China bringt aber nicht nur Probleme wie die Lebensmittelknappheit mit sich. Dem Land fehlt schlichtweg die Energie, um all die Bedürfnisse seiner Bevölkerung zu decken. Die Internationale Energieagentur hat berechnet, dass China die USA schon 2010 von der Spitzenposition als Energieverbraucher verdrängen könnte - zehn Jahre früher als erwartet. Nebenaspekt: Bis 2030 werden die weltweiten Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid 40 Gigatonnen erreichen und damit 55 Prozent über dem heutigem Niveau liegen, so das beunruhigende Fazit eines Berichts der Internationalen Energiebehörde (IEA). Jetzt verhandelt der staatliche chinesische Ölkonzern CNOOC mit dem afrikanischen Land Nigeria über große Anteile an einigen der reichsten Ölvorkommen der Welt. Der finanzielle Umfang des Geschäfts werde sich möglicherweise auf eine Summe von rund 30 Milliarden Dollar belaufen, hieß es in der "Financial Times". Demnach wollen sich die Chinesen sechs Milliarden Barrel des nigerianischen Öls sichern. Damit würde CNOOC sehr bald mit westlichen Konzernen wie Total, Shell, Chevron oder ExxonMobil konkurrieren.

Quelle: ntv.de