Politik

Wo Ägypten und Israel kooperieren Das Pulverfass im Sinai

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Eine bei einem Anschlag zerstörte Apotheke im Norden des Sinai.

(Foto: dpa)

Es sind Tage des Zorns, und das Blutvergießen in Ägyptens großen Städten nimmt kein Ende. Auch im Sinai ist die Lage explosiv. Hier tummeln sich schwerbewaffnete islamistische Terroristen - und gefährden ägyptische Sicherheitskräfte, Israel und den Suezkanal. Ägypten und Israel reagieren auf ihre Art.

Der Krieg der ägyptischen Armee gegen Terrorgruppen auf der Sinaihalbinsel hat das Potenzial für einen Konflikt mit weltweiten Auswirkungen. Während die Muslimbrüder in Ägypten selbst bestenfalls leichte Feuerwaffen einsetzen, verfügen extremistische Gruppen um Al-Kaida, Islamischer Dschihad und Salafisten im Sinai über schwere Waffen, Sprengstoff und Raketen.

Gefahr droht vor allem der internationalen Schifffahrt im Suezkanal. So vereitelten ägyptische Militärs angeblich dort  bereits Terroranschläge auf Schiffe. "Der Geheimdienst entdeckte einen Plan der Dschihadisten, die Al-Salam-Brücke über den Suezkanal am zweiten Tag des Eid el Fidr zu zerstören", berichtete die ägyptische Regierungszeitung "Al Ahram". Müsste der Suezkanal gesperrt werden, würde dies weltweit die Frachtkosten verteuern, wenn Schiffe von Fernost nach Europa wieder Afrika umfahren müssten.

Vakuum für Extremistengruppen

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Eigentlich sollen es im Sinai nur Sicherheitskräfte mit leichten Waffen geben.

(Foto: dpa)

Schon unter Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak war im Sinai ein Vakuum entstanden, in das extremistische Organisationen gestoßen sind. Der Sinai wurde zum Umschlagplatz für geschmuggelte Waffen aus Iran, Sudan und den geplünderten Arsenalen Libyens in Richtung Gazastreifen. Im November 2012 hatte die dort herrschende Hamas Tel Aviv und Jerusalem mit Grad-Raketen aus iranischer Produktion beschossen. Die haben eine Reichweite von 70 Kilometern und können nur über den Sinai nach Gaza gelangt sein.

Die Terrorgruppen im Sinai beschränken sich nicht auf tödliche Anschläge entlang der Grenze zu Israel und auf eine Bewaffnung der Hamas. Immer häufiger kommt es auch zu Angriffen auf ägyptische Stellungen, Polizeistationen, Militärpatrouillen und auf die Erdgas-Pumpstationen bei Al Arisch im Norden des Sinai. So wurden ägyptische Erdgaslieferungen nach Israel, Jordanien und Syrien gestoppt. Ägypten wie die Endabnehmer kam das teuer zu stehen.

Nur leichte Waffen erlaubt

Laut dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag dürfen nur ägyptische Polizisten mit leichten Waffen im "entmilitarisierten" Sinai stationiert sein. Doch schon während des Sturzes von Mubarak erlaubten die Israelis Ausnahmeregelungen: Zunächst, um Mubarak in Scharm el Scheich zu schützen, und seitdem, um das Chaos im rechtsfreien Raum des Sinai in den Griff zu bekommen. Die Ägypter verlegten mit israelischem Einverständnis Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge und Militärhubschrauber in den Sinai.

Die ägyptische Armee bekämpft inzwischen nicht nur die extremistischen Gruppen im Sinai und hebt deren Waffenlager aus. Sie zerstörte plötzlich auch 80 Schmugglertunnel zwischen Sinai und Gazastreifen. Unter Mubarak galten die Tunnel noch als "unauffindbar".

Zusätzlich sperrte Ägypten auf "unbestimmte Zeit" den einzigen Grenzübergang vom Gazastreifen, nachdem es in der Grenzstadt Rafah zu Gefechten gekommen war. Jetzt sind die Palästinenser in Gaza tatsächlich eingesperrt, da auch Israel seine Grenzübergänge für Menschen geschlossen hält. Die Versorgung des Gazastreifens läuft nur noch über Israel über den Warenterminal Kerem Schalom. Für die Hamas bedeutet das alles den wirtschaftlichen Ruin. Denn ihre Haupteinnahmequelle waren Abgaben der Schmuggler für Waren aus Ägypten.

Weder Israel noch Ägypten haben Details über ihre Kooperation offengelegt. So ist unbekannt, wie sie funktioniert oder auf welcher Ebene sie abgewickelt wird. Mit Sicherheit aber pflegen die Militärs direkte Kommunikationskanäle.

Drohnenaungriff aus Israel?

Vor knapp zwei Wochen griff Israel möglicherweise auch erstmals seit 1973 Ziele im Sinai an. Drei von vier Raketenschützen, Beduinen der Al-Kaida nahen Organisation "Ansar Beit al-Makdis" wurden dabei angeblich von einer Drohne getötet. Die Abschussrampe wurde auch getroffen. Palästinenser im Gazastreifen hörten die Explosion, wussten aber nach Angaben der Nachrichtenagentur Maan nicht, was da passierte.

Israels Verteidigungsminister Mosche Jaalon sagte zu dem Vorfall nur ominös: "Wir respektieren Ägyptens Souveränität." Ein ägyptischer Militärsprecher bestritt israelisches Eingreifen mit diffusen Aussagen. Kein Wunder: Würden die ägyptischen Militärs doch ihr Gesicht verlieren, wenn sie eingestehen müssten, Israel zu einem Angriff auf ihrem Territorium eingeladen zu haben. Und Israel will nicht schuldig gesprochen werden für einen Bruch des Friedensvertrags.

Quelle: ntv.de

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