Politik

Nach 20 Jahren Todeszelle Davis unterliegt erneut vor Gericht

Eins der umstrittensten Justizurteile in den USA hat weiter Bestand. Der Afroamerikaner Troy Davis sitzt seit 20 Jahren in der Todeszelle - nur aufgrund von Zeugenaussagen. Obgleich sieben der damals neun gegen ihn aussagenden Zeugen widerrufen und Davis mehrmals das Urteil anficht, bleibt er dennoch in Haft.

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Die Gerichtszeichnung zeigt Troy Davis in der Mitte des Bildes.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Ein Bundesgericht in den USA hat die Klage des seit fast 20 Jahren in der Todeszelle einsitzenden Afroamerikaners Troy Davis gegen seine Hinrichtung zurückgewiesen. Davis und seine Anwälte hätten bei einer vorherigen Anhörung keine ausreichenden Belege für seine Unschuld vorgelegt, teilte das Gericht in Savannah im US-Bundesstaat Georgia mit. Davis' Familie kündigte Einspruch gegen die Entscheidung an.

Das Todesurteil gegen Davis bleibe bestehen, teilte der Bundesrichter William Moore mit. Bei einer auf Anordnung des Obersten Gerichts in Washington angesetzten Gerichtsanhörung im Juni belegten Davis und seine Verteidiger nach Ansicht des Richters die Unschuld des Verurteilten nicht ausreichend. Der Afroamerikaner war 1991 wegen Mordes an dem weißen Polizisten Mark McPhail in Savannah ausschließlich aufgrund von Zeugenaussagen zum Tode verurteilt worden.

Sehr dünne Beweislage

Davis sitzt seit dem Urteil in der Todeszelle und hat bereits drei Mal die Aussetzung der Vollstreckung der Strafe erreicht. Eine Tatwaffe, konkrete Beweise oder DNA-Spuren, die auf Davis als Täter hingedeutet hätten, wurden nie gefunden. Im August 2009 sprach der Oberste Gerichtshof der USA Davis das Recht auf eine neue Anhörung zu. Diese führte nun zu der abermaligen Ablehnung von Davis' Einspruch gegen die Todesstrafe.

Die Familie des Verurteilten kündigte an, Einspruch gegen die Entscheidung des Gerichts einzulegen. "Wir werden den Kampf nicht aufgeben", sagte Davis' Schwester Martina. Die 43-Jährige kämpft seit der Verurteilung 1991 für ihren Bruder.

Zeugenaussagen zurückgezogen

Auch Bürgerrechtler kritisierten das Urteil scharf. Richter Moore halte an dem Todesurteil fest, obwohl bei der Gerichtsanhörung im Juni "Zweifel an der Schuld" von Davis laut geworden seien, erklärte Amnesty International. Bei der Anhörung hatten sieben von neun Zeugen ihre Aussagen gegen Davis zurückgezogen. Mehrere Zeugen hatten angegeben, sie hätten aus Angst vor der Polizei behauptet, der Afroamerikaner habe 1989 den Polizisten McPhail ermordet.

Quelle: n-tv.de, AFP

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