Politik
Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak: Freiwillig ist die Truppe nicht hier.
Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak: Freiwillig ist die Truppe nicht hier.(Foto: Holger Schmidt-Denker)
Sonntag, 14. Januar 2018

Nach dem Kampf gegen das Kalifat: Der Auftrag in der Wüste

Von Holger Schmidt-Denker, Luftwaffenbasis Al-Asrak

Verteidigungsministerin von der Leyen besucht Soldaten in Jordanien. Im Nahen Osten braucht es einen langen Atem. Warum ist die Bundeswehr überhaupt noch hier? Es gibt Klärungsbedarf.

Touchdown des Airbus A340 der Flugbereitschaft in der Jordanischen Wüste: Mit einer großen Delegation landet Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf der Air Base Al-Asrak. Auf dem Programm steht eine Visite bei den Bundeswehrsoldaten, die hier im Rahmen der internationalen Allianz gegen den IS, den sogenannten Islamischen Staat, im Einsatz sind.

Seit Oktober 2017 sind auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak vier Tornado-Aufklärungsjets und ein Tankflugzeug stationiert. Freiwillig ist die Truppe nicht hier. Der Umzug nach Jordanien war schlichtweg notwendig geworden. Am ersten Standort, dem türkischen Stützpunkt in Incirlik, wollte Präsident Erdogan keine Besuche von Bundestagsabgeordneten mehr zulassen. Auch Journalisten waren nicht erwünscht. Für eine Parlamentsarmee war das ein unhaltbarer Zustand.

Holger Schmidt-Denker
Holger Schmidt-Denker

Gleich nach dem Ausstieg allerdings herrscht auch hier in Jordanien Aufregung. Eindringlich instruieren die Medienbetreuer von der Bundeswehr die Presse: Man sei auf militärischem Sperrgebiet, und Fotografieren und Filmen seien daher strengstens verboten. "Was machen wir dann hier?", fragen sich die murrenden Vertreter der Bildpresse.

Manch einer hegt Zweifel am Einsatz

Nun ja, schauen ist jedenfalls nicht verboten, und so sieht man im Vorbeifahren ein eindrucksvolles Arsenal an Waffensystemen, darunter ein ganzes Kampfdrohnen-Geschwader der Amerikaner. Ist der IS nicht eigentlich längst besiegt? Doch dazu später.

Der Besuch von der Leyens sollte ursprünglich bereits im November stattfinden, aber die sich hinziehenden Jamaika-Sondierungen verhinderten den Trip. Umso dringender will von der Leyen nun wissen, wie es hier läuft. Und sie bekommt Auskünfte. Kommandeur Oberst Breidenbach zählt auf: Verlegung aus der Türkei im Zeitplan, Zusammenarbeit mit den Jordaniern hervorragend, unsere Soldaten hier bestens versorgt, Einsätze der Tornados und des Tankflugzeugs laufen reibungslos.

Spricht man abseits der Mikrofone mit den Soldaten, so zweifelt allerdings schon der ein oder andere an Sinn und Nutzen des Einsatzes. Und so gibt es Klärungsbedarf: Warum eigentlich ist die Bundeswehr überhaupt noch hier, wenn doch der IS militärisch am Boden liegt?

Syrische Bevölkerung leidet nach wie vor

Die Antwort der Ministerin klingt zunächst nicht wirklich überzeugend. Die Fähigkeiten der deutschen Flugzeuge seien wertvoll für die Partner der internationalen Anti-Terror-Allianz. Und Nester mit IS-Kämpfern gebe es immer noch in der syrischen und irakischen Wüste. Trotzdem: Die Beteiligung Deutschlands im Kampf gegen den IS wurde 2015, als das selbsternannte Kalifat auf dem Höhepunkt seiner Macht war, auch damit begründet, dass man der geschundenen syrischen Bevölkerung helfen wollte. Nun ist der IS zwar weitgehend verschwunden und in die Wüste zurückgedrängt, aber die Menschen in Syrien werden immer noch gequält - nun wieder von ihrem eigenen Präsidenten, der fester im Sattel sitzt als zuvor.

Diesen moralischen Widerspruch muss die Ministerin aushalten, auch wenn sie es nicht gerne hört. Der Einsatz hier soll trotzdem fortgesetzt werden. Ertüchtigung der jordanischen Streitkräfte ist das Schlüsselwort. Und Stabilität für die Region. Das Mandat läuft zwar Ende März aus, wird dann aber wohl erneut vorläufig verlängert. Und ein langfristiges Engagement der Bundeswehr in Jordanien wird ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Es war wohl nicht der letzte Besuch der Ministerin - vorausgesetzt, sie behält ihr Amt.

Quelle: n-tv.de