Politik

Die Union plagt der nächste Promotionsskandal Der kleine Doktor von der CSU

Annette Schavan. Karl-Theodor zu Guttenberg. Und jetzt: Andreas Scheuer. Auch den neuen Generalsekretär der CSU bringt seine Doktorarbeit in Bedrängnis. Er hat sie in Tschechien angefertigt - unter dubiosen Umständen.

Ganz oben auf der Internetseite von Andreas Scheuer prangt der Satz: "Vertrauen bestimmt Richtung". Das klingt gut. Doch mit dem Vertrauen und Andreas Scheuer ist es dieser Tage so eine Sache. Der neue Generalsekretär der CSU hat sich bisher gern als Doktor bezeichnet, obwohl er überhaupt kein richtiger Doktor ist.

Nachdem die Union mit Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan schon zwei Minister wegen Plagiatsaffären verloren hat, quält die Truppe schon wieder ein Promotionsskandal.

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Auszug aus Scheuers Lebenslauf.

Der 39 Jahre alte Scheuer machte sein Abitur am Gymnasium Leopoldinum in Passau. 1998 legte er sein erstes Staatsexamen als Realschullehrer ab und setzte ein Magister-Studium der Politikwissenschaft an der Universität Passau drauf. So weit, so konventionell. Nach seinem Einzug in den Bundestag 2001 entschied sich Scheuer aber auch zur Promotion. An der Karlsuniversität Prag schrieb er drei Jahre lang an seiner Arbeit mit dem Titel: "Die politische Kommunikation der CSU im System Bayerns". Er schloss die Arbeit zwar erfolgreich ab. In Tschechien erhielt er Recherchen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge aber lediglich den Titel "Doktor filozofie". Das ist ein sogenannter "kleiner Doktorgrad", eine Eigenheit des tschechischen Bildungssystems.

Ein derartiger Titel setzt keine eigenständige wissenschaftliche Forschung voraus. In Deutschland steht er daher auf einer Stufe mit einem Master-Abschluss. Ein "Doktor filozofie" darf sich in der Bundesrepublik darum auch grundsätzlich nicht "Dr." nennen. Doch genau das tut Scheuer - in seinem Lebenslauf etwa.

Die Staatsanwaltschaft ermittelte

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"Vertrauen bestimmt Richtung": Der Webauftritt Scheuers.

2005 ermittelte die Staatsanwaltschaft Passau deshalb schon gegen Scheuer, stellte das Verfahren aber ein. Damals war der Umgang mit "kleinen Doktorgraden" noch nicht abschließend geregelt. Heute dürfen sich "kleine Doktoren" wie Scheuer nur noch in Bayern und Berlin "Dr." nennen. Da der CSU-Generalsekretär seine "Doktor"-Arbeit über einen Schleswig-Holsteiner Verlag als Book on Demand vertreibt, könnte die Justiz ihm trotzdem verbieten, sich Dr. Scheuer zu nennen.

Als wäre das nicht Dilemma genug für einen Politiker, der offensiv mit Vertrauen für sich und seine Partei wirbt, rückt ein genauerer Blick auf Scheuers Arbeit den kleinen Doktor in noch düsteres Licht. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" deutet nicht nur einen möglichen Plagiatsfall an, sie skizziert auch ein mehr als fragwürdiges Verhältnis Scheuers zu seinem Doktorvater.

Die Zeitung zitiert aus Scheuers Arbeit und einem Papier der Bundeszentrale für politische Bildung. In beiden Dokumenten ist in inhaltlich nahezu identischen Passagen ausgerechnet der Name der CSU-Legende Franz Josef Strauß falsch geschrieben, nämlich mit einem Bindestrich zwischen Franz und Josef. Dass ausgerechnet ein Parteimitglied den Namen des großen Strauß falsch schreibt, legt zumindest den Verdacht nahe, er könnte im Copy-and-Paste-Verfahren vorgegangen sein. In den Dokumenten finden sich zudem weitere große inhaltliche Übereinstimmungen und auffällige Fehler, die auf Kopiervorgänge hindeuten.

Ein Doktorvater mit Geschmäckle

Zudem hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" Recherchen zu den Umständen Scheuers Studienaufenthalt in Prag angestellt.

Dort stieß sie auf Scheuers Doktorvater Rudolf Kučera, ein offenkundiger Sympathisant der CSU. Er ist der Partei durch seine Nähe zur Paneuropa-Union eng verbunden und lobte schon ausdrücklich die "langfristigen Erfolge" der Partei. Scheuer ließ er seinen kleinen Doktortitel erhalten, obwohl der kein Wort Tschechisch sprach und an keiner Lehrveranstaltung teilgenommen hatte. Der Politologe Bohumil Doležal, der nach Angaben Kučeras ebenfalls in der zuständigen Prüfungskommission Scheurers Arbeit als "sehr positiv" bewertet haben soll, sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": Er sei weder Teil der Kommission gewesen, noch hätte er die Arbeit Scheuers gelesen.

Die CSU hat auf die Affäre offensichtlich schon reagiert. Auch auf der Webseite der Partei steht ein Lebenslauf Scheuers. Der Titel "Doktor" kommt darin aber nicht vor. Selbst vom "kleinen Doktor" ist keine Rede. Die CSU beschränkt sich auf ein schlichtes: "Promotion am Lehrstuhl für Politikwissenschaft der Karlsuniversität Prag." Jetzt will auch Scheuer einlenken. Der "Bild"-Zeitung sagte er, er habe sich dafür entschieden, "vom Führen des Titels künftig völlig abzusehen". Die bayerischen Grünen fordern dennoch seinen Rücktritt. "Wenn sich die Plagiatsvorwürfe bewahrheiten, kann es nur eine Konsequenz geben: Wer betrügt, der fliegt", sagte Grünen-Landtagsfraktionschefin Margarete Bause.

Quelle: n-tv.de, ieh

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