Politik

Schavan klagt gegen Titel-Aberkennung Der zweite Fehler

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Annette Schavan will gegen den Entzug ihres Doktortitels Klage einreichen.

(Foto: dpa)

Ob die Doktorarbeit Annette Schavans ein Plagiat ist oder nicht, ist eine schwierige Entscheidung. Doch gerade als Forschungsministerin sollte sie dieses Urteil akzeptieren. Indem sie vor Gericht zieht, verspielt die Politikerin den Rest ihrer Vorbildfunktion.

Es ist vielleicht nicht das Wichtigste bei der Beurteilung eines Politikers, welches Auto er fährt, aber dem Umweltminister steht es gut zu Gesicht, nicht den größten Spritschlucker zu fahren. Bei der Familienministerin achten die Wähler darauf, was sie über die Erziehung ihres Kindes sagt. Der Verbraucherministerin die Frage zu stellen, ob sie Bio-Obst kauft, ist naheliegend. Und dem Finanzminister würde man es kaum verzeihen, wenn er bei der Steuererklärung schummelt.

Nun wird der Forschungsministerin bescheinigt, dass sie bei ihrer Doktorarbeit "vorsätzlich Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte." Annette Schavan hat geschummelt und verliert ihren Doktortitel, den einzigen Hochschulabschluss, den sie je erlangte. Das gute Vorbild, das sie in Wissenschaftsfragen geben könnte, ist stark angekratzt.

Jeder Student muss eine negative Entscheidung akzeptieren

Mit ihrer Klage könnte sich Schavan ihren Titel zurückholen, ihre Glaubwürdigkeit aber nicht. Im Gegenteil – ein Vorbild könnte sie noch sein, wenn sie die Entscheidung gegen sie akzeptiert.

Ob die Arbeit ein Plagiat ist oder nicht, ist eine wissenschaftlich schwierige Entscheidung – anders, als dies etwa bei der Arbeit Karl-Theodor zu Guttenbergs war. Doch selbst wenn das Verwaltungsgericht Düsseldorf Schavan recht geben würde: 12 der 15 Fakultätsratsmitglieder der Uni Düsseldorf haben sich anders festgelegt. Und die unsaubere Arbeit bliebe damit ein Makel an der Ministerin. Gewonnen wäre damit wenig. Und gleichzeitig ist es ein Schaden, den sich Schavan mit der Klage zufügt.

Mit einem Eingeständnis, dass sie einen Fehler gemacht hat, könnte die Ministerin eine Menge Respekt zurückgewinnen. Sie würde damit den Anschein vermeiden, dass sie der Meinung ist, dass in der Wissenschaft für Prominente besondere Regeln gelten. Jeder Student muss es akzeptieren, wenn seine Klausur, seine Masterarbeit oder seine Dissertation abgelehnt wird. Die Entscheidung über Schavans Dissertation traf ein Gremium aus 15 Wissenschaftlern.

Nun die Niederlage zu akzeptieren, hieße, die Unabhängigkeit der Wissenschaft zu respektieren. Annette Schavan hat sich anders entschieden. Dass gerade die Bildungsministerin gegen ein Universitätsgremium klagt, hat dabei einen bitteren Beigeschmack.

Quelle: n-tv.de