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Pisa-Test zu Alltagsfragen Deutsche Schüler sind nur Mittelmaß

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Lösungen für Probleme zu finden, ist eine komplexe Fähigkeit.

(Foto: dpa)

Schüler in Deutschland sind beim kreativen Lösen von Problemen international nur leicht besser als der Durchschnitt. Viele scheitern schon bei den einfachsten Anforderungen. Im späteren Berufsleben könnte dies zu erheblichen Schwierigkeiten führen.

Deutsche Schüler und Schülerinnen können Alltagsprobleme im weltweiten Vergleich nur durchschnittlich meistern. Das geht aus Untersuchungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die die Ergebnisse einer entsprechenden Pisa-Studie in Berlin vorstellte. Deutschland blieb in der Studie von 2012 in der Kategorie kreative Problemlösung mit einem Mittelwert von 509 bei einem OECD-Durchschnitt von 500 hinter den Erwartungen zurück, nachdem die deutschen Schüler vor zwei Jahren in Mathematik relativ gut abgeschnitten hatten. Spitzenreiter beim schlussfolgernden Denken sind Singapur, Korea und Japan.

In der Kategorie wird vor allem getestet, inwieweit die 15-Jährigen in der Lage sind, vorhandenes Wissen kreativ auf neue Situationen anzuwenden. So mussten die Schüler zum Beispiel an einem virtuellen Fahrkartenautomat Tickets in verschiedenen Variationen kaufen. Zu den Aufgaben aus dem interaktiven Test gehörte auch, die Funktionsweise einer Klimaanlage durch das Bedienen von drei nicht beschrifteten Reglern zu erschließen. Eine weitere Prüfungsaufgabe bestand darin, die Arbeitsweise eines Staubsaugerroboters anhand seiner Bewegungen auf dem Bildschirm korrekt zu beschreiben.

Diese Fähigkeiten seien für die Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt von immer größerer Bedeutung, sagte der Hauptautor der Studie, Francesco Avvisati. "Arbeitnehmer müssen sich immer stärker mit unerwarteten und unvertrauten Situationen befassen, wobei Routineaufgaben immer mehr von Maschinen getätigt werden."

Nichtschulische Kompetenzen

Die Leistungen innerhalb eines Landes variierten stark. In Deutschland erreichten fast 20 Prozent der Schüler nicht das Basisniveau, konnten also nur die Aufgaben mit dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad lösen. 13 Prozent gehören zu der leistungsstärksten Gruppe, die die schwierigsten Probleme meistern konnte. Im Unterschied zu den Tests in den Schulfächern spielt der sozioökonomische Hintergrund beim kreativen Problemlösen den Ergebnissen zufolge eine weniger wichtige Rolle. Dies liege daran, dass die erforderlichen Kompetenzen auch außerhalb der Schule erworben würden, sagte Avvisati.

Nach Angaben der OECD sind die Leistungen deutscher Schüler in diesem Bereich generell allerdings etwas niedriger, als dies angesichts ihrer Ergebnisse in den Testkategorien Mathe, Lesen und Naturwissenschaften zu erwarten gewesen wäre. Dies gelte insbesondere für das schwächste Drittel der Schülerinnen und Schüler am unteren Ende der Leistungsskala.

Ähnlich wie in Mathematik schneiden in Deutschland Mädchen gegenüber Jungen im Problemlösen schlechter ab. Schülerinnen sind nur zu 40 Prozent in der leistungsstärksten Gruppe vertreten. In Ländern wie Kanada, Schweden und Australien sind die Unterschiede nicht so groß. Avvisati vermutet einen Zusammenhang mit dem allgemeinen Zugang von Frauen zu Spitzenpositionen, der in diesen Ländern eher gegeben sei. Die entscheidende Frage sei, ob in der Gesellschaft von Jungen und Mädchen gleichstark erwartet würde, ihr Potenzial auszuschöpfen.

Zahlen von 2012

Der Test zum "kreativen Problemlösen" fand nach Angaben der OECD während der jüngsten Pisa-Runde 2012 parallel zur Hauptbefragung statt. Schwerpunkt damals war der Kompetenzbereich Mathematik. Die OECD organisiert die Pisa-Studien alle drei Jahre, um das Leistungsniveau von 15-jährigen Schülern in dutzenden Ländern zu messen. Dabei liegt der Fokus der Analyse abwechselnd auf unterschiedlichen Leistungsbereichen.

Die OECD hatte im Jahr 2000 die ersten Pisa-Ergebnisse veröffentlicht. Die Organisation will den nationalen Entscheidungsträgern damit Informationen über die Leistungsfähigkeit ihrer Schulsystemen zu liefern und indirekt Lerneffekte und Verbesserungen anregen. Der durch Pisa ausgelöste Veränderungsdruck ist teilweise erheblich. In Deutschland löste das schlechte Ergebnis beim ersten Test den "Pisa-Schock" aus und führte zu tiefgreifenden Reformen im Bildungs- und Schulbereich.

Quelle: ntv.de, sba/rts/AFP