Politik
Das AKW Biblis im schönen Hessen.
Das AKW Biblis im schönen Hessen.(Foto: picture-alliance/ dpa)
Samstag, 11. Juli 2009

Alte Atomkraftwerke abschalten: Deutsche gegen Krümmel & Co.

Fast drei Viertel der Deutschen sind dafür, dass ältere Atomkraftwerke sofort abgeschaltet werden. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für "Bild am Sonntag" sprachen sich 72 Prozent der Befragten für eine Stilllegung des Atomkraftwerkes Krümmel in Schleswig-Holstein und anderen älteren Atomkraftwerken aus. Nur 26 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die alten Meiler weiter laufen sollen. In Krümmel hatte es vor einer Woche eine neuerliche Panne gegeben.

Sogar 68 Prozent der Anhänger von CDU und CSU sind dafür, die älteren Atomkraftwerke sofort abzuschalten. Mehr als jedem dritten Bundesbürger (36 Prozent) und 52 Prozent der Frauen hat der Störfall in Krümmel Angst gemacht. Emnid befragte am 9. Juli insgesamt 501 Personen.

Alte Meiler schnell vom Netz

Blick auf den Skandal-Meiler Krümmel.
Blick auf den Skandal-Meiler Krümmel.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch Michael Sailer, ein Nuklearexperte der Bundesregierung, plädierte, Kernkraftwerke älterer Bauart schneller vom Netz zu nehmen als geplant. Ältere Meiler seien technisch anfälliger und schlechter gegen Terrorangriffe geschützt als neue, sagte das Mitglied der Reaktorsicherheitskommission (RSK) der Bundesregierung der "Berliner Zeitung". "Mit jedem Jahr, in dem ein Kernkraftwerk länger läuft, vergrößert sich das Risiko", sagte Sailer. Kritik übte der Nuklearexperte an Vattenfall. Offenbar sei beim Betreiber Krümmels "kein großer Lerneffekt zu verzeichnen", sagte Sailer.

Merkel sieht Chance für Krümmel

Stellt Vattenfall das verlorene Vertrauen wieder her, kann laut Meinung von Kanzlerin Merkel das AKW Krümmel auch wieder ans Netz.
Stellt Vattenfall das verlorene Vertrauen wieder her, kann laut Meinung von Kanzlerin Merkel das AKW Krümmel auch wieder ans Netz.(Foto: REUTERS)

Trotz der Panne in Krümmel forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel keine grundsätzliche Schließung des Atommeilers. Vattenfall solle stattdessen die technischen Schwierigkeiten in Krümmel beheben und alle rechtlichen Anforderungen umsetzen. "Wenn dies erfüllt ist, dann kann auch der Meiler wieder ans Netz gehen."

Von Beust droht ein bisschen

Beust betreibt Imagepflege, weil er in Hamburg mit den Grünen regieren muss.
Beust betreibt Imagepflege, weil er in Hamburg mit den Grünen regieren muss.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) verlangte ebenfalls von Vattenfall, die Probleme binnen kurzer Zeit zu lösen. Andernfalls solle dem Unternehmen die Betriebsgenehmigung für Krümmel generell entzogen oder ein anderer Betreiber gesucht werden. Von Beust will dem Unternehmen zwar keine Frist zu Behebung der Probleme setzen. Es dürfe aber nicht wieder zwei Jahre wie nach dem Störfall von 2007 dauern, forderte er. Durch den Störfall sei es für die CDU "mit Sicherheit viel schwieriger geworden", die Debatte über die Verlängerung von Laufzeiten für Atomkraftwerke zu führen. Diese Diskussion bezeichnete Beust dennoch als objektiv notwendig.

Koch wirft mit Wattebällchen

Koch hat lediglich ein Problem damit, weil seiner Partei die Argumente ausgehen könnten.
Koch hat lediglich ein Problem damit, weil seiner Partei die Argumente ausgehen könnten.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Auch Atomkraftbefürworter wie der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kritisierten Vattenfall. Dabei geht es Koch allerdings nicht um Sicherheitsfragen, sondern um den Bärendienst den das Unternehmen durch seine Informationspolitik den Kernkrafthardlinern erwiesen habe. "Die Dummheit der Energiekonzerne in ihrer Kommunikation ist kaum noch beschreibbar", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Betreiber, die sich verhielten wie Vattenfall in Krümmel, würden "unfreiwillig selbst zu den größten Gegnern der Kernkraft". Koch fordert, "sichere Kernkraftwerke unbegrenzt laufen" zu lassen. Mindestens jedoch bis Mitte des Jahrhunderts.

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Quelle: n-tv.de