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Tübingen, Münster und Osnabrück Deutschland bildet Imame aus

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dapd

Mit dem Wintersemester im kommenden Jahr können erstmals Studenten islamische Theologie an staatlichen Hochschulen in Deutschlands studieren. Theologie kläre auf, sagt Bundesbildungsministerin Schavan bei der Vorstellung der Standorte. Insofern sei der Schritt letztlich auch eine wichtige Facette für die Integration.

An den Universitäten in Tübingen, Münster und Osnabrück sollen erstmals in Deutschland Islam-Studiengänge eingerichtet werden. Das teilte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) mit. Damit können Religionslehrer für den Islam und muslimische Geistliche für Deutschland komplett an staatlichen Hochschulen in deutscher Sprache ausgebildet werden. Die ersten Studenten sollten im Wintersemester 2011 anfangen können.

Beworben hatten sich auch noch die Hochschulen Erlangen-Nürnberg und Marburg-Gießen. Die Universität Erlangen habe bei der nächsten Auswahlrunde im März eine Chance, sagte die Ministerin. Das Konzept der Uni Marburg-Gießen habe die Jury nicht überzeugt.

Die Hochschulen von Münster und Osnabrück müssen nach den Worten Schavans vorher noch ein gemeinsames kooperatives Konzept entwickeln. Der Osnabrücker Universitäts-Sprecher Utz Lederbogen, sagte, man werde sich nun zügig mit Münster zusammensetzen. Dies solle noch im Wintersemester passieren. Ziel sei es, ab 2012 einen Bachelor-Studiengang islamische Theologie anzubieten.

Pro Islam-Zentrum steuert der Bund bis zu fünf Jahre lang vier Millionen Euro Fördermittel bei, wobei Münster und Osnabrück als Doppelstandort eine größere Förderung erwarten dürften. Nach dieser Frist würden die Ergebnisse bewertet, sagte Schavan. Eine Entscheidung für die Anschlussfinanzierung ist demnach noch nicht gefallen. Zusätzlich muss das jeweilige Bundesland, wo sich die Universität befindet, ein Drittel der Kosten für das Islam-Zentrum übernehmen.

Beitrag zur Integration

Schavan betonte, die Grundsatzentscheidungen für islamischen Religionsunterricht seien unter anderem in der Islam-Konferenz längst gefallen. "Wir wollen den islamischen Religionsunterricht in möglichst vielen Schulen in Deutschland." Es sei nur folgerichtig, nun auch die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Imame könnten ihrerseits Brückenbauer zwischen ihren Moscheengemeinden und den jeweiligen Kommunen sein.

Die Ministerin wertete den Schritt letztlich auch eine wichtige Facette für die Integration und gegen Islamismus. "Wer findet, dass die Gefahr groß ist, dass der Islam als Religion instrumentalisiert wird (...), der kann ja bei dieser Klage nicht stehenbleiben, sondern muss sich fragen, welchen Freiraum braucht diese Religion im akademischen Kontext (...), um als Religion sich weiterzuentwickeln." Gerade die Verankerung in den europäischen Hochschulen beuge solchen Gefahren vor.

Zentral sei, dass die Lehrer- und Imam-Ausbildung auf Basis theologischer Forschung stattfinde. "Da, wo einer Religion die Chance gegeben wird, eine Theologie zu entwickeln, tut es auch dieser Religion gut", erklärte Schavan, die selbst katholische Theologie studiert hat. "An den Universitäten kann sich eine historisch- kritische Methode im Umgang mit dem Koran entwickeln."

Frauen wollen Imamin werden

Der Berner Islamwissenschaftler Reinhard Schulze betonte, dass der Bedarf an islamischen Religionslehrern mehrheitlich von Frauen gedeckt werde. Auch schickten sich verstärkt Frauen an, Imamin zu werden. Dies sei eine interessante Entwicklung und werde in manchen Moscheengemeinden noch zu Diskussionen führen.

Imame meist aus der Türkei

Bislang kommen die Imame meist aus der Türkei, sprechen kein Deutsch und kennen die westeuropäische Kultur kaum. Experten sehen darin ein großes Hemmnis für die Integration der etwa vier Millionen Muslime in Deutschland.

An deutschen Hochschulen wird bislang nur ein sehr kleiner Teil der islamischen Religionslehrer ausgebildet - vor allem in Münster. Weiterbildungsangebote gibt es an Hochschulen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Quelle: n-tv.de, dpa

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